Verurteilt: Junge Schwule und Lesben

Studie: Homo- und bisexuelle Jugendliche werden öfter bestraft

Lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche werden rund 40 Prozent häufiger durch Schulbehörden, Polizei und Gerichte bestraft als andere Jugendliche. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Yale University, die in der Januar 2011-Ausgabe der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wird. Die Studie ist die erste nationale Erhebung, die in den USA zu dem Thema durchgeführt wurde.

"Wir haben festgestellt, dass praktisch alle Arten von Strafen einschließlich Schulverweisen, Festnahmen, Verurteilungen und vor allem Polizeikontrollen, wesentlich häufiger über lesbische, schwule und bisexuelle Jugendliche verhängt wurden", erklärt Kathryn Himmelstein, die die Studie als Yale Studentin leitete. Die Forschung wurde durch Hannah Brückner, Professorin für Soziologie an der Yale Unversity überwacht.

Ca. 15.000 Mittel-und OberschülerInnen wurden sieben Jahre lang im Rahmen der Gesundheitsstudie "Add Health" begleitet. Gesammelt wurden Angaben der TeilnehmerInnen zu ihrer Sexualität, ihren sexuellen Beziehungen und ihrer Selbst-Bezeichnung als homo- oder bisexuell. "Add Health" beobachtete ebenfalls, wie oft die TeilnehmerInnen in Schwierigkeiten gerieten, angefangen bei Lügengeschichten, die sie ihren Eltern erzählten bis hin zum Waffengebrauch. Die Erhebung enthielt detaillierte Fragen über Schulverweise und Kontakte mit der Strafjustiz.

Himmelstein, die jetzt Mathematik an einer High School in New York City lehrt, gab an, dass die Jugendlichen, die sich selbst als homo- oder bisexuell bezeichneten rund 50 Prozent häufiger von der Polizei kontrolliert wurden als andere Jugendliche. Teenager, die sich vom gleichen Geschlecht anzogen fühlten, unabhängig von ihrer Selbst-Defintion als lesbisch oder schwul, waren laut der Ergebnisse häufiger als andere Jugendliche von der Schule verwiesen worden oder erhielten ein Strafmaß für Vergehen wie ein Erwachsener.

Mädchen besonders betroffen

"Mädchen, die sich als lesbisch oder bisexuell bezeichneten, waren besonders betroffen von Ungleichbehandlung", sagte Himmelstein. "Sie berichteten, dass sie doppelt so viele Polizeikontrollen, Verhaftungen und Verurteilungen erlebt hatten als andere Mädchen, die sich ähnliche Vergehen hatten zu Schulden kommen lassen." Transgender-Jugendliche wurden zwar nicht explizit untersucht, aber die ForscherInnen schließen aus ihren Berichten, dass sie ähnlich betroffen sind.

Die Studie zeigte, dass die Unterschiede in der Bestrafung nichts mit dem tatsächlichen Fehlverhalten der Jugendlichen zu tun hatte; im Gegenteil: Jugendliche, die sich als homo- oder bisexuell bezeichnet hatten, waren sogar weniger häufig in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt als ihre Altersgenossen.

Die Zahlen zeigen, dass Schule, Polizei und Richter, die eigentlich homo- oder bisexuelle Jugendliche vor Übergriffen schützen sollten, sie stattdessen für ihre sexuelle Orientierung bestrafen. Dies mache eine gesunde Entwicklung dieser Jugendlichen unmöglich, kritisieren die Studienautorinnen. Es müsse mehr erforscht werden, wie es dazu komme und nach Wegen gesucht werden, um die Institutionen gerechter gegenüber allen Jugendlichen werden zu lassen, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung.

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Autorin / Autor: Redaktion/ PM - Stand: 9. Dezember 2010