Pisa: Besser ist noch nicht gut
Bei Bildungsgerechtigkeit hat sich wenig getan
Ein Aufatmen geht durch die Bildungslandschaft. Die deutschen SchülerInnen haben bei der internationalen Pisa-Studie wieder aufgeholt. Die Zahlen zeigen einen klaren Aufwärtstrend, freuen sich PolitikerInnen und die Medien berichten landauf, landab über die verbesserte Leistungen.
Zwar konnte sich Deutschland im Ranking der OECD-Staaten nach vorne arbeiten, Grund zur Euphorie besteht allerdings nicht. Denn nach wie vor dümpelt Deutschland mit Platz 16 im Mittelfeld der 34 wichtigsten Industrienationen herum.
Mädchen lesen mehr und besser
In den Naturwissenschaften konnten deutsche SchülerInnen am meisten aufholen, sie liegen nun knapp über dem OECD-Durchschnitt. Fortschritte gab es auch im Bereich Lesen, mit 497 Punkten konnte Deutschland sich ins Mittelfeld vorarbeiten. Es gibt nur deutlich weniger ungenügende Lese-Ergebnisse. Nach wie vor schwächeln die SchülerInnen aber beim Textverständnis und vor allem Jungen hinken beim Lesen hinterher.
*Spitzenreiter der Bildungsungerechtikeit*
Auch in Sachen Bildungsgerechtigkeit sind Freudensprünge fehl am Platz. Denn nach wie vor gehört Deutschland zu den Ländern, in denen der Bildungserfolg maßgeblich vom sozialen Umfeld abhängt. Die Bildungsforscher bescheinigen Deutschland erneut, dass die frühe Aufsplittung im dreigliedrigen Bildungssystem die Gesamtleitung nicht verbessere.
Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt Deutschland einen internationalen Spitzenreiter beim Thema Bildungsungerechtigkeit und fordert, freiwerdende Mittel durch zurückgehende Schülerzahlen für mehr Qualität in Kitas und Schulen einzusetzen. Die GEW-Vorsitzende Doro Moritz nennt es "erschreckend und ein Armutszeugnis für Landesregierung und Schulträger", dass in Deutschland Schulen in sozial schwachen Gegenden eine schlechtere Ausstattung haben als Schulen in Stadtvierteln oder Gemeinden, in denen die Elternhäuser über ein höheres Einkommen verfügen.
The winner is... China
Bildungssieger der aktuellen Pisa-Studie ist dieses Mal nicht Finnland, sondern China. Chinesische SchülerInnen, die im vergangenenen Jahr zum ersten Mal am großen Bildungscheck teilnahmen, haben sofort die Spitze in allen Bereichen gestürmt: Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Auch andere asiatische Länder wie Korea, Singapur und Hongkong konnten Spitzenplätze erzielen. Anders als in Deutschland gelingt es den asiatischen Ländern, auch Kinder aus sozial schwachen Familien zu einem hohen Bildungsniveau zu verhelfen.
Das Beispiel von China zeigt auf, dass Bildungserfolg nicht nur vom Wohlstandsniveau abhängt. Auch scheint es nicht den einen Unterrichtsstil zu geben, der zum Erfolg führt. Gut abgeschnitten haben sowohl Länder wie Finnland, die einen eher liberalen Bildungsstil pflegen, als auch Länder, die eher auf Druck, Drill und Disziplin setzen. Allerdings scheint in den erfolgreichen Pisa-Ländern mehr Wert auf die Auswahl und Ausbildung der LehrerInnen gelegt zu werden.
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Autorin / Autor: Redaktion / PM - Stand: 8. Dezember 2010