Jagdinstinkt mit innerem Kompass
Rotfüchse richten sich am Magnetfeld der Erde aus
Ein Rotfuchs auf der Jagd springt nicht einfach so auf seine Beute zu. Er richtet sich am Magnetfeld der Erde aus. Zu diesem überraschenden Schluss kommen ZoologInnen der Universität Duisburg-Essen und der Prager Agraruniversität, die über 80 Füchse bei fast 600 Jagdsprüngen beobachtet haben.
Der Rotfuchs zählt zu den bekanntesten heimischen Säugetieren, obwohl ihn bisher nur wenige in freier Wildbahn gesehen haben. Noch seltener lässt er sich beim Jagen von Nagetieren beobachten. Der Fuchs schleicht sich an und springt hoch, so dass er beispielsweise eine Wühlmaus von oben überrascht. Im hohen Schnee taucht er regelrecht kopfüber ein (wunderbar zu sehen im Video unten). Seine Beute kann der Fuchs zumindest in hoher Vegetation oder unter der Schneedecke nicht sehen – er ortet sie offensichtlich nur mit seinem empfindlichen Gehör. Diese charakteristische Technik wird im Jägerjargon „Mausen“ genannt.
Magnetgesteuerte Jagd erfolgreicher
„Erstaunlicherweise neigen die Füchse dazu, sich beim Orten der Beute und bei der Vorbereitung zum Sprung an der nordsüdlichen Kompassachse auszurichten“, berichtet Professor Burda. Hierbei spielen weder Wetterverhältnisse, noch Jahres- und Tageszeit eine Rolle, so dass man von einer magnetischen Ausrichtung und somit auch Magnetwahrnehmung beim Rotfuchs ausgehen kann. In hoher Vegetation (oder im Schnee) sind über 80 Prozent der Sprünge in Nordrichtung (genauer Nordnordostrichtung) und ca. 60 Prozent der in Südrichtung erfolgreich; die Erfolgsquote der Sprünge in andere Kompassrichtungen liegt dagegen bei weniger als 15 Prozent.
Diese Beobachtungen würden den ersten Hinweis für die theoretischen Überlegungen geben, dass Tiere mit Magnetkompass nicht nur die Richtung, sondern auch die Entfernung messen können, sagte Burda. Dieser magnetische Entfernungsmesser, der allerdings nur in Nord-Südausrichtung funktionieren kann, würde die Richtungspräferenz beim „Mausen“ erklären.
Die Wissenschaftler haben kürzlich die Magnetorezeption (die Wahrnehmung von Magnetfeldern durch das Gehirn) beim Hausrind, Rot- und Rehwild nachgewiesen. Mit dieser Arbeit zeigen sie, dass die Magnetfeldwahrnehmung bei Säugetieren weiter verbreitet ist als ursprünglich gedacht und in verschiedenen Kontexten benutzt werden kann.
Die Ergebnisse der Arbeit von Dr. Sabine Begall, Prof. Dr. Hynek Burda, Prof. Dr. Jaroslav Cerveny und Kollegen wurden am 12. Januar in der renommierten Fachzeitschrift Biology Letters veröffentlicht.
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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 13. Januar 2010