Badgirl statt lila Latzhose?

Österreichische Jusos wollen Klischees über Feministinnen beseitigen

Unrasierte Beine, Haare unter den Achseln, lila Latzhose, kurze Haare, männliche Stimme?  Habt ihr solche oder ähnliche Bilder im Kopf, wenn es um Feministinnen geht? Oder denkt ihr in erster Linie an das, was sie bisher erreicht haben: zum Beispiel das Wahlrecht für Frauen, das Recht auf einen Studienplatz, auf Schwangerschaftsabbruch oder gleichen Lohn?

"Junge Frauen haben tendenziell ganz konkrete Vorstellungen wie eine 'typische Feministin' zu sein hat und würden sich oft deshalb selber nicht als eine solche bezeichnen", erklärt die Jugendsprecherin der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ), Niki Solarz, im Online-Magazin diestandard.at. Damit diese Klischeevorstellungen junge Frauen nicht länger davon abhalten, sich mit feministischen Idealen und Ideen zu identifizieren, will die junge SPÖ (JUSOS) Salzburg alles daran setzen, das angestaubte Image der FeministInnen aufzupolieren. Die jungen SozialistInnen (auch Männer sind am Projekt beteiligt)  haben dazu eine zeitgemäße Kampagne ins Leben gerufen, der den Feminismus "cooler", "frischer", "frecher" und mehr sexy präsentieren will, so das gemischte Team aus Frauen und Männern im aktuellen Videoclip „badgirl“.

Sind Feministinnen „bad“?

Leider würden feministische Frauen immer noch zum großen Feindbild erklärt, weil sie konsequent Forderungen für das eigene Geschlecht stellen. Dieser Haltung will die Initiative entgegen wirken und die Botschaft überbringen, dass Feminismus nichts mit „Böse sein“ und Optik zu tun habe (schließlich sähen die "jungen Damen" aus wie jedefrau). Vielmehr verberge sich dahinter eine Denkweise, die sich sowohl aus linken wie auch konservativen Kreisen im 19. Jahrhundert gebildet habe.

Feministin zu sein, heiße: gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu fordern, sich für ein unabhängiges, selbst bestimmtes Leben einzusetzen, das sich auf alle gesellschaftlichen Belange erstreckt. Zentrale Forderung müsse die finanzielle Unabhängigkeit sein; Frauen sollten alle persönlichen Ziele erreichen können, beruflich, politisch und privat. Wichtiges Detail: Es gehe nicht darum, Männer zu hassen, sondern um Gleichstellung.

Die Kampagne stellt Fragen wie: Wie sehen Feministinnen aus? Braucht man den Feminismus noch? Gibt es auch Feminist-EN? Wann ist eine Frau ein badgirl? Unbesiegbar, cool, selbstbewusst, stark, mutig, zuversichtlich und auch einmal frech oder schwach: so sehen sich die jungen Frauen im Videoclip. Und - eine der Interviewten behauptet sogar: Feministinnen haben auch den „besseren Sex“ ;-).

Für die Kampagnen-BetreiberInnen ist klar: Der gute, alte Feminismus hat noch lange nicht ausgedient. Er wird noch so lange gebraucht "bis Frauen fair verdienen“ und auch „ganze Männer Halbe-Halbe machen“ (so ein Mann im Video-Spot). Die jungen Frauen sind jedenfalls „stolz auf die Vorkämpferinnen“ und wenn es wahr ist, was im Spot gesagt wird: "Auch ein Mann kann Feminist sein", dann wird dürfte der Kampf um Gleichberechtigung noch bunter und vielfältiger werden.

Feminismus bedeute vor allem die Förderung und Forderung eines unabhängigen selbstbestimmten Lebens für Frauen. Besonders wichtig sei dafür die finanzielle Unabhängigkeit, denn  "Nur wenn frau sich selbst finanziert, kann sie frei leben, und frech und fröhlich das Leben führen, das sie will", erklärt Solarz.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 16. Februar 2010