Zieh zuerst und du bist tot

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und der Universität Birmingham haben sich eine "Schießerei" im Labor geliefert.

Im Western ist es eine typische Szene: Der Bösewicht zieht schneller und liegt trotzdem als erster tot am Boden. Dieses Szenario hat den Nobelpreisträger Niels Bohr zu der Vermutung veranlasst, dass wir schneller handeln, wenn wir auf einen Schuss reagieren, als wenn wir selbst die Initiative ergreifen und das Duell eröffnen.

Im täglichen Leben bewegen wir uns, weil wir uns dazu entschließen oder weil wir durch unsere Umgebung oder die Entscheidungen anderer dazu veranlasst werden. "Wir wollten wissen, ob es Beweise dafür gibt, dass Reaktionen schneller sind als die gleichen Bewegungen, die aus Eigeninitiative entstehen", sagte Andrew Welchman, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universität Birmingham. Dazu forderte der Wissenschaftler jeweils zwei Versuchsteilnehmer zu einem Wettstreit auf: Sie sollten Tasten auf einer Schaltfläche schneller als ihr Konkurrent drücken. Es gab kein Startsignal, also mussten die Probanden entweder auf eigene Initiative handeln oder schneller reagieren als ihr Gegner - genau wie in den Legenden der Revolverhelden.

Schnell und schmutzig

Das Ergebnis bestätigte die Erwartungen: Die Teilnehmer, die auf die Handlung eines anderen reagierten, waren im Durchschnitt 21 Millisekunden schneller als jene, die diese initiierten. Allerdings passierten bei den Reaktionen mehr Fehler als bei den Aktionen. Diese "quick-and-dirty" Strategie, also das schnelle, aber nicht ganz akkurate Reagieren auf unsere Umwelt, könnte sehr nützlich sein, vermutet der Wissenschaftler: "21 Millisekunden sind zwar nur ein sehr geringer Zeitunterschied und würde unser Leben in einem echten Duell nicht retten, da unser Gehirn allein schon 200 Millisekunden braucht, um auf die Handlung des Gegenüber zu reagieren. Aber dieser Bruchteil einer Sekunde könnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, wenn wir beispielsweise einem Bus ausweichen müssen."

Die Ergebnisse werden in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B., 3. Februar 2010 veröffentlicht.

Autorin / Autor: Redaktion / Max-Planck-Gesellschaft - Stand: 3. Februar 2010