Kiss-ins für mehr Toleranz
Heute ist der "Internationale Tag gegen Homophobie"
Küssende Frauen, Männer Hand in Hand - in Soaps und Kinofilmen ist das inzwischen ein normaler Anblick. Doch wie sieht die Akzeptanz von Schwulen und Lesben im im Alltag aus? Wir haben zwar einen schwulen Vizekanzler und Außenminister, aber das hat nichts daran geändert, dass "schwule Sau" immer noch eines der meist ausgesprochenen Schimpfwörter auf Schulhöfen ist.
Überall auf der Welt werden Frauen, die Frauen und Männer, die Männer lieben diskriminiert, entrechtet und mit Gewalt bedroht. In Uganda wird zum Beispiel derzeit ein Gesetzentwurf beraten, der die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vorsieht. Aber auch in Deutschland, wo es seit 2001 das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft gibt, das Schwulen und Lesben erlaubt zu heiraten, weist die Statistik für politisch motivierte Kriminalität (PKM) für 2009 eine Verdoppelung der Fälle von Hasskriminalität aufgrund der sexuellen Orientierung gegenüber 2007 auf.
Intoleranz und Ausgrenzung schaden der gesamten Gesellschaft
Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), Christine Lüders, hat anlässlich des heutigen "Internationalen Tages gegen Homophobie" zu einem entschiedenen Kampf gegen Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit aufgerufen. "Kein Mensch darf auf Grund seiner sexuellen Identität diskriminiert werden", sagte sie in Berlin. "Intoleranz und Ausgrenzung schaden nicht nur den Betroffenen, sondern der gesamten Gesellschaft". Diskriminierung von Lesben und Schwulen seien in unserem Land leider weiterhin an der Tagesordnung. In Beratungsgesprächen stehe immer wieder die Benachteiligungen von homosexuellen Frauen und Männern auf der Tagesordnung. Die Betroffenen berichteten über Mobbing am Arbeitsplatz, Abweisungen bei Restaurantbesuchen oder bei der Wohnungssuche.
Bis 1969 galt Homosexualiät in Deutschland als Straftat, für die bis zu fünf Jahre Gefängnis drohte. Nachdem der sogenannte "Homosexuellenparagraf" 175 "Unzucht zwischen Männern" gelockert wurde, vergingen dennoch etliche Jahre, bis er 1994 endgültig aus dem Strafgesetzbuch verschwand.
Lesbische und schwule Paare dürfen keine Kinder adoptieren
Inzwischen dürfen lesbische und schwule Paare zwar gesetzlich eine Lebenspartnerschaft eingehen, die in vielen Bereichen der Ehe ähnlich ist, allerdings bleiben ihnen einige Rechte verwehrt, zum Beispiel die gemeinsame Adoption eines Kindes. Daran hat auch das 2006 in Deutschland eingeführte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nichts geändert, das Benachteiligungen aufgrund von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern soll.
Bis vor zwanzig Jahren galt Homosexualität als Krankheit
Der Internationale Tag gegen Homophobie geht auf einen Beschluss der Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück. Diese hatte vor 20 Jahren – am 17. Mai 1990 – beschlossen, Homosexualität von der Liste der Krankheiten zu streichen. Der 17. Mai wurde daraufhin zum Internationalen Tag gegen Homophobie ausgerufen. Weltweit machen an diesem Tag Organisationen mit Aktionen und Veranstaltungen auf Homophobie, Diskriminierung und Gewalt aufmerksam. Hoffen wir, dass die vielen "Kiss-ins", die heute weltweit als provokativ-fröhliche Protestform begangen werden, wieder etwas mehr Toleranz für Schwule und Lesben auslösen - nicht nur in Soaps...
Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 17. Mai 2010