Wieviele Ameisen gibt es?

Forscher_innen der Julius-Maximilians-Universität (JMU) kamen in ihren Berechnungen auf eine astronomische Zahl

Bild: Erik Frank; Ameisen sind meist in großer Anzahl anzutreffen. Aber wie viele von ihnen gibt es insgesamt auf der Erde?

Habt ihr schon mal Ameisen gezählt? Ein Ding der Unmöglichkeit! Das wäre so ungefähr wie Sandkörner am Strand zählen oder Sterne in der Galaxie. Das mit den Ameisen wollten Forscher_innen um den Biologen Dr. Patrick Schultheiss und die Biologin Dr. Sabine Nooten von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) aber trotzdem gerne wissen. Mithilfe von intensiver und umfangreicher Datenanalyse ist es ihnen gelungen, eine Antwort auf diese Frage zu finden, die der Realität wahrscheinlich ziemlich nahe kommt.

Bekannt war, dass Ameisen nahezu sämtliche Lebensräume der Erde bevölkern, ausgenommen die Polarregionen. Im Rahmen der Studie wurde nun erstmals empirisch untersucht, wie sie sich dort verteilen. Herauskam, dass die Tropen die höchste Ameisendichte aufweisen. Neben der Klimazone spielen aber auch lokale Ökosysteme eine wichtige Rolle. Wälder und Trockengebiete beheimaten die meisten Exemplare, in stark vom Menschen beeinflussten Gebieten kommen sie dagegen deutlich seltener vor.

Eine 20 mit 15 Nullen

Und wieviele sind es nun? Sabine Nooten, ebenfalls Hauptautorin und von Hong Kong nach Würzburg gewechselt, klärt auf: „Unserer Einschätzung nach beläuft sich die globale Ameisenpopulation auf 20 x 1015 – also 20 Billarden Tiere. Das ist eine 20 mit 15 Nullen, was schwer zu begreifen ist.“

Anschaulicher wird es, wenn man daraus resultierend die Biomasse der Tiere errechnet. Diese beträgt zwölf Megatonnen Kohlenstoff. „Das übersteigt die kombinierte Biomasse von wilden Vögeln und Säugetieren und entspricht rund 20 Prozent der Biomasse der Menschheit“, erläutert Patrick Schultheiss.

Wichtige Rolle im Ökosystem

Warum die Anzahl und Verteilung dieser Tiere überhaupt von großer Bedeutung ist, zeigt ein in der Studie zitiertes Beispiel: „Pro Hektar bewegen Ameisen im Jahr bis zu 13 Tonnen Erdmasse“, berichtet Patrick Schultheiss, „damit haben sie großen Einfluss auf die Erhaltung des Nährstoffkreislaufs und spielen auch in der Verbreitung von Pflanzensamen eine entscheidende Rolle.“

Manchmal ist der Einfluss der Insekten aber auch negativ. Invasiv auftretende Arten, zum Beispiel Feuerameisen, können sich etwa negativ auf die lokale Biodiversität auswirken und dabei beträchtlichen Schaden anrichten.

Die Studie ist im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) mit dem Titel „The Abundance, Biomass, and Distribution of Ants on Earth“ erschienen.

Quelle:

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung; Bild:  Erik Frank