Krieg und Frieden - wer darf in den Unterricht?

Baden-Württemberg will Bundeswehr UND Friedensgruppen in die Schulen schicken

8.700 Vorträge vor rund 189.000 SchülerInnen haben Karriereberater der Bundeswehr im Jahr 2013 laut einer Mitteilung der Bundesregierung an deutschen Schulen gehalten. Außerdem war die Bundeswehr an 600 Ausstellungen, Jobmessen, Projekttagen und ähnlichen Veranstaltungen auf Schulgeländen beteiligt und organisierte 350 Truppenbesuche im Klassenrahmen sowie über 3000 weitere Truppenbesuche mit Jugendlichen, LehrerInnen und anderen Multiplikatoren. Zahlreiche Bundesländer haben Kooperationsverträge mit der Bundeswehr, die beinhalten, dass zum Beispiel Jugendoffiziere in den Unterricht kommen und für den Soldatenberuf werben. Oder dass ReferendarInnen während ihrer Ausbildung an Angeboten der Bundeswehr teilnehmen müssen. Klar ist, die Bundeswehr sucht händeringend Nachwuchs, denn seit es keine Wehrpflicht mehr gibt, muss die Organisation genau wie jeder andere Arbeitgeber um junge Leute werben.

Nur ist sie de facto nicht wie jeder andere Arbeitgeber. Deshalb sprechen sich Friedensorganisationen wie der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) oder der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen), aber auch die Grünen, die Linke und Teile der Gewerkschaft GEW seit langem gegen die "Berufsorientierungsangebote" der Bundeswehr an Schulen aus. "Die Öffnung des Schulunterrichts für Programme der Bundeswehr ist mit einer Erziehung zu Frieden und Völkerverständigung nicht vereinbar", erklärt zum Beispiel die IPPNW-Vorsitzende Susanne Grabenhorst. Schulen seien zivile Einrichtungen und sollten ihrer Verantwortung gerecht werden für eine Gesellschaft, in der Konflikte durch Kompromisse gelöst werden und nicht durch Gewalt, so die Argumentation der FriedenaktivistInnen.

Nun scheint sich im Land Baden-Württemberg ein Kompromiss anzubahnen: Es wird zwar nicht auf Schulbesuche der Bundeswehr verzichtet, aber zusätzlich sollen nach Medienberichten in Zukunft auch Friedensorganisationen in die Schulklassen Einlass finden. Zu diesem Zweck werde ein Grundsatzpapier erarbeitet, in dem geklärt werden soll, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann. Denn das wird vermutlich nicht so einfach ablaufen, liegen doch beide Parteien, Bundeswehr und Friedensorganisationen am unversöhnlichsten Ende, das man sich vorstellen kann. So hat die Kampagne „Schulfrei für die Bundeswehr – Lernen für den Frieden“, die unter anderem von der DFG-VK Baden-Württemberg und anderen Friedensgruppen getragen wird zu einem am 5. Juni 2014 mit Kultusminister Andreas Stoch (SPD) geführten Gespräch erklärt, "weiterhin die ersatzlose Kündigung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem badenwürttembergischen Kultusminister und der Bundeswehr" zu fordern. Nach 60 Jahren solle die Landesregierung endlich dem Verfassungsgebot aus Art. 12 der Landesverfassung nachkommen und die Erziehung der Jugend „zur Brüderlichkeit aller Menschen und zur Friedensliebe“ in den Bildungsplänen und in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte unübersehbar und nachhaltig verankern. Ob sich die Friedensorganisationen also auf ein Nebeneinander mit der Bundeswehr im Klassenzimmer einlassen, bleibt abzuwarten.

Quellen:

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Autorin / Autor: Redaktion
 
 
 

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