Küsst den Hass weg!

Der 17. Mai ist Internationaler Tag gegen Homophobie

Dieses Kribbeln im Bauch, feuchte Hände, Herzklopfen, Schlaf- und Appetitlosigkeit: sind das Symptome für eine Krankheit? Oder dafür, sich verliebt zu haben? Vor noch 26 Jahren hat es beides sein können. Denn erst am 17. Mai 1990 wurde Homosexualität aus dem Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation WHO gestrichen. Vorher galt als krank, wer sich in einen Menschen des gleichen Geschlechts verliebte. Um daran zu erinnern, findet seit 2005 an diesem Datum der internationale Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHO) statt. Denn auch wenn diese Lebensweisen inzwischen mehr in unserer Gesellschaft akzeptiert sind - Grund zur Entwarnung ist das leider nicht. Homophobie, Lesben- und Schwulenhass sind weltweit immer noch weit verbreitet. Nicht umsonst ist „Schwule Sau!" Schimpfwort Nr.1 auf deutschen Schulhöfen, Gewalt und Anfeindungen gehören zum Alltag vieler Schwulen und Lesben- und das weltweit. Für viele Menschen ist das ein Grund, ihre Heimat zu verlassen, weil sie ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Zwar sind Homosexuelle hierzulande in der Öffentlichkeit sichtbarer geworden, aber genau das empfinden viele Menschen auch als Provokation.

Gewalt, Ausgrenzung und Depression
Homophobie bedeutet Angst und Ablehnung gleichgeschlechtlich liebenden Menschen gegenüber. Oft ist sie aber auch in der noch stärkeren Form, dem Homohass zu finden. Aber egal wie man es nennt: es geht um Diskriminierung. Vorurteile, dass Lesben keine Männer mögen und Schwule mit Piepsstimme sprechen und Federboas tragen, sind nicht aus der Welt zu schaffen, auch wenn homo- und bisexuelle Menschen genau so bunt und unterschiedlich sind wie alle anderen. Gleichgeschlechtliche Paare haben - trotz der eingetragenen Lebenspartnerschaft - bei weitem nicht die gleichen Rechte wie Heterosexuelle, obwohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits mehrmals angemahnt hat, diese Diskriminierung zu beenden.

Besonders Jugendliche leiden unter der Ausgrenzung. Die enttäuschte Mutter, die "doch so gerne Enkel gehabt" hätte, der Vater, der "das alles" pervers findet, die wohlmeinenden Verwandten und Freunde, die trösten wollen, dass das "nur eine Phase" sei, können gerade in Zeiten von Identitätsfindung und Unsicherheiten, die sich in der Pubertät ohnehin ergeben, zu großen Krisen führen. Beschimpfungen, Ausgrenzungen und dumme Witze auf dem Schulhof können das Leben dann zur Hölle machen. Aber seine wahren Gefühle ständig zu verbergen, ist oft genauso schädlich und kann krank machen. Das Selbstmordrisiko homosexueller Jugendlicher ist vierfach erhöht, wie eine bundesweite Studie des deutschen Jugendinstituts zeigt: Über 80 Prozent der lesbischen, schwulen und bisexuellen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an der Studie teilgenommen haben, und 96 Prozent der Trans-Teilnehmenden haben Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beziehungsweise Geschlechtsidentität erfahren. 74 Prozent der Befragten haben Angst, dass Freund_innen sie ablehnen, knapp 70 Prozent befürchten, dass die Familie sie nicht unterstützt.

Homophobie als Fluchtgrund
Nicht nur deshalb ist Homophobie auch heute noch lebensgefährlich. In vielen Ländern ist Homosexualität noch immer verboten: in Iran, Sudan, Jemen, Mauretanien, Saudi-Arabien und Teilen von Somalia und Nigeria steht darauf die Todesstrafe. Noch vor kurzer Zeit fanden öffentliche Hinrichtungen von schwulen Jugendlichen in Saudi-Arabien und Iran statt – Menschenrechtsverletzungen, die nicht hinnehmbar sind.

Aktionen in verschiedenen Städten
Rund um den Globus machen an den Tagen vor und nach dem 17. Mai zahlreiche Organisationen mit Aktionen und Veranstaltungen auf Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Homophobie aufmerksam. Auch in Deutschland finden heute verschiedene Aktionen statt, darunter Rainbowflashs, Demos und/oder Infostände. In vielen Städten treffen sich Menschen, um für Respekt und gegen Hass zu demonstrieren. Zum Programm gehören auch seit einigen Jahren sogenannte Kiss-Ins, bei denen sich viele verschiedene Paare an einem Ort treffen und sich gleichzeitig küssen.

Alle Infos und Veranstaltungstermine dazu im Netz:

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 17. Mai 2016