Retten Mobilfunkdaten Menschen?

Die Vorratsdatenspeicherung ist ein Eingriff in die Privatsphäre

Für den Nutzer konkret bedeutet das die Offenlegung seines sozialen Netzwerks. Es soll gespeichert werden, mit wem über Telefon, Handy oder E-Mail kommuniziert wurde. Bei Handyaktivitäten soll zudem der Standort festgehalten werden. Auch die Internetnutzung soll hinzugezogen werden. Somit ließen sich Rückschlüsse auf Kommunikationsinhalte, persönliche Interessen und Lebenssituationen ziehen.

Zum Beispiel ist es wohl offensichtlich, weshalb jemand eine Drogenberatungsstelle, einen Fachanwalt für Steuerstrafrecht, einen Psychotherapeuten oder einen auf Geschlechtskrankheiten spezialisierten Arzt kontaktiert. Es geht aber noch schlimmer: Mithilfe der analysieren Standortdaten kann mit einer 95%igen Genauigkeit vorausgesagt werden, wann sich eine Person am Arbeitsplatz, zu Hause oder an einem anderen Ort aufhalten würde. Auch ein zukünftiges Treffen zweier Personen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhergesehen werden, ebenso wie abendliche Aktivitäten und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Im Internet sieht die Sachlage etwas anders aus, werden doch schon abgerufene Inhalte, die Klicks und Suchwörter des Nutzers vom Anbieter freiwillig mitprotokolliert. Vor Kommunikationsinhalten wurde also bisher noch Halt gemacht. In Italien werden aber schon SMS gespeichert – der Verbrechensbekämpfung wegen. Durch die Vorratsdatenspeicherung von IP-Adressen könnte aber herausgefunden werden, auf welchen Seiten im Internet gesurft wird und welche Person hinter dieser Adresse steht. Anonymität im Internet wäre also Vergangenheit.

Dass sich Politiker für die Vorratsdatenspeicherung aussprechen, scheint eine Farce zu sein, stellt die Speicherung dieser Daten einen enormen Eingriff in die persönliche Privatsphäre dar. Darüber hinaus wird den Bürgern somit das Recht auf informationelle Selbstbestimmung abgesprochen. Demzufolge kann jeder selbst darüber bestimmen, ob und wie seine personenbezogenen Daten genutzt werden dürfen. Bleibt zu hoffen, dass das auch so bleibt – rückt der von Orwell bereits 1984 portraitierte Überwachungsstaat immer mehr in greifbare Nähe...

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Autorin / Autor: Annika Willinger - Stand: 20. Juni 2012