Jugendliche unzufrieden mit Berufsorientierungs-Angeboten

Befragung Jugendlicher zeigt: Wenn es um die Suche nach dem passenden Beruf geht, ist nur ein Viertel davon überzeugt, dass es genügend Informationen zur Berufswahl gibt

Wenn es um die Suche nach dem passenden Beruf geht, ist nur ein Viertel der Jugendlichen davon überzeugt, dass es genügend Informationen zur Berufswahl gibt, und man sich darin auch gut zurechtfindet. Demgegenüber sind 53 Prozent der Jugendlichen mit dem Informationsangebot überfordert. Immerhin weiß etwas mehr als jede_r zweite Jugendliche (56 Prozent) „sehr gut“ oder zumindest „eher gut“ über den angestrebten Beruf Bescheid. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung unter 1.666 Jugendlichen.

Wichtigste Informationsquellen: Menschen

Obwohl es inzwischen viele digitale Angebote zur Berufsorientierung gibt, sind die wichtigsten Informationsquellen für die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen immer noch Gespräche mit Lehrer_innen, Ausbilder_innen und Berufsberater_innen. Erst dann folgen mit 40 Prozent Informationen, die sie sich selbst anlesen und mit ebenfalls 40 Prozent Praktikumsplätze. „In der Corona-Krise wurde zu Recht eine zügige Digitalisierung der Berufsorientierung eingefordert“, sagt Ausbildungsexpertin Claudia Burkard. „Dabei dürfen wir aber nicht übersehen: die direkte Erfahrung und das persönliche Gespräch sind für viele Jugendliche immer noch essenziell. Jetzt, da wieder persönliche Kontakte möglich sind, müssen wieder mehr Praktika und Betriebskontakte stattfinden. Nur so bekommen die jungen Menschen ein realistisches Bild ihres zukünftigen Berufes.“

Unterstützung von Eltern am wichtigsten

Die wichtigsten Unterstützer_innen bei der Berufswahl sind für drei Viertel (73 Prozent) der Befragten nach wie vor die Eltern. Danach folgt die Schule bzw. Lehrer_innen mit 55 Prozent. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur landet hier mit 36 Prozent nur auf dem vierten Platz, noch hinter der Unterstützung durch das Internet (48 Prozent).

Allerdings gibt es große Unterschiede. Bei Jugendlichen mit niedriger Schulbildung wurden nur 61 Prozent der Befragten von den Eltern unterstützt. Hier ist der Anteil derer, die sich durch die Berufsberatung der Arbeitsagentur unterstützt sehen, mit 51 Prozent deutlich höher. „Wenn Eltern bei der Berufswahl nicht helfen können, werden die Gesprächs- und Beratungsangebote der Schule und der Bundesagentur verstärkt genutzt“, betont Burkard.

Auffällig ist auch, dass 25 Prozent der Jugendlichen mit niedriger Schulbildung sagen, dass sie sich nicht gerne mit dem Thema Berufsorientierung beschäftigen. Der Durchschnitt aller Befragten liegt bei 17 Prozent. „Diejenigen Jugendlichen, die wenig positive Erfahrung mit Berufsorientierung gemacht haben, bewerten auch ihre überfachlichen Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Tatendrang und Selbstvertrauen kritischer. Angebote zur
Berufsorientierung müssen daher vor allem die Motivation der Jugendlichen stärken und sie dabei unterstützen, sich selbstständig Informationen zu verschaffen und diese zu bewerten.” erklärt Burkard.

BIZ-Portal der Bundesagentur am bekanntesten

Die allermeisten Jugendlichen wissen aber, wo sie sich informieren können: 65 Prozent der Befragten kennen das Berufsinformationszentrum der Bundesagentur für Arbeit, BIZ, dahinter folgt planet-beruf.de, ein digitales Angebot der Arbeitsagentur. An dritter Stelle folgen die Online-Portale der Industrie- und Handelskammern. Außerdem kennen viele Jugendlichen noch die Angebote von berufs-wahlhelden.de, aubi-plus.de, berufenavi.de und stuzubi.de.

Zusatzinformationen

Das Meinungsforschungsinstitut iconkids & youth hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine repräsentative Untersuchung bei Jugendlichen durchgeführt. Befragt wurden 1.666 re-präsentativ ausgewählte 14- bis 20-Jährige mittels Face-to-Face-Interviews in Privathaushalten in Deutschland. Die Daten wurden nach Schulbesuch, -abschluss und Verteilung in den Bundesländern gewichtet. Die Interviews wurden vom 28. Januar bis 6. März 2022 geführt.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 20. Juli 2022