Putzende Prinzessinnen

Der Negativpreis für absurdes Gendermarketing wird verliehen. Sieben unrühmliche Kandidaten sind für den "Goldenen Zaunpfahl 2020" nominiert. Bis zum 29. November könnt ihr abstimmen.

© klische*esc e.V.

Für Mädchen, für Jungs, für süße Prinzessinnen und liebe Muttis, für mutige Helden und starke Macher. Wer aufmerksam Werbung schaut, kommt manchmal aus dem Staunen nicht heraus, welche dumpfbackigen Klischees dort noch verbreitet werden. Für die ewig gestrigen Erfinder_innen solcher Kampagnen gibt es darum einen Negativpreis: den goldenen Zaunpfahl. Verbraucher_innen können unter 2020.goldener-zaunpfahl.de abstimmen, welches Produkt bzw. welche Werbung den Wink mit dem Zaunpfahl am nötigsten hat. Der Wink mit den Goldenen Zaunpfahl richtet sich an Unternehmen und ihre Marketingabteilungen und will absurde Auswüchse des Gendermarketings sichtbar machen. Er fordert außerdem Verbraucher_innen dazu auf, sich häufiger gegen einengende Rollenvorgaben zu wehren und ihre Einkaufsmacht aktiv dafür einzusetzen, dass einfallsloses Gender-Marketing regelmäßig zu Ladenhütern führt.

Die siebenköpfige Jury aus Fikri Anıl Altıntaş, Josephine Apraku, Patricia Cammarata, Eva-Maria Lemke, Mirai Mens, Martin Rücker und Ann Kathrin Sost, hat sieben besonderes absurde Beispiele des Gendermarketing nominiert, die exemplarisch für überholte Rollenklischees und sexistische Motive in der Werbung stehen.

Bonduelle-Gemüse-Frauchen mögens gesund
Bonduelle wirbt mit Klischees von glücklich-dünnen Gemüsefrauen und Chips futternden Schmuddel-Männern, die nach der Arbeit nicht nach Hause zum Bonduelle-Frauchen wollen. Gar nicht frisch, sondern altbacken, findet die Jury und stellt Bonduelle zur Wahl.

TOPMODEL: Kleine Mädchen aufs Grausamste auf ihr Äußeres reduziert
Ebenso verdient hat es Depesche, die schon seit Urzeiten mit ihren TOPMODEl Produkten eine komplette Marketing-Welt für Mädchen ab 8 Jahren kreiert haben, "die schon kleine Mädchen aufs Grausamste auf ihr Äußeres reduziert" und auf "ihre Rolle als "Sex-Objekt, pardon: ‚Fashionista auf dem Schulhof‘" vorbereitet, wie die Jury urteilt.

EDEKA: Väter als unsensible Vollhonks
Nicht weniger unrühmlich wurde der „Danke Mama, dass Du nicht Papa bist“-Spot von Edeka bewertet, in denen "Väter als grobe, unsensible Vollhonks" herabgewürdigt würden und "die Kümmerarbeit zum Herzensjob von Müttern" gemacht werde … auf dass sich in den Chefetagen und an der Einkommenslücke auch für die nächste Generation nichts ändern möge.

Kinder-T-Shirts: Wildtier frisst Haustier
My Toys hingegen fällt unangenehm mit klischeehaften Kinder-T-Shirts auf: ein Mädchen trägt in der Anzeige ein rosa Shirt mit einem niedlichen Haustier und der Aufschrift "I feel cute" (über dem Mädchen steht Haustier), daneben ein Junge in einem weißen Krokodilshirt (Aufschrift: I'm hungy), über dem Jungen steht Wildtier. Auf einem anderen Motiv wirft der wilde  Krokodiljunge zwei süßen Mädchen (beide nur halb im Bild) hungrige Blicke zu.

Obi: Putzende Prinzessinnen
Ein rosa Putzeimer von Obi für Prinzessinnen, deren Prinz keine Lust zum Putzen hat, ist in den Augen der Jury ebenfalls preisverdächtig.
Auf plumpe und stereotype Art reproduziere der Putzeimer ein Männlichkeitsbild, nach dem Männer im Haushalt nichts tun müssten, während Frauen - trotz Krönchen - sich damit abzufinden hätten.

Scout-Ranzen: Für Mädchen nur rosa, rot und lila
Zur Wahl stehen außerdem Scout Ranzen, die für Mädchen wie gehabt ausschließlich in Rosa-, Rot- und Lilatönen mit Blumen, Ornamenten, Feen und Einhörnern daher kommen.

Zahnärztekammer Westfalen-Lippe: Möchte Ihre Tochter in meiner Praxis arbeiten?
Beeindruckend gruselig fand die Jury auch die Werbung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, die an Eltern gerichtet ist und fragt: Möchte Ihre Tochter in meiner Zahnarztpraxis arbeiten? Sind für die Berufswahl von Töchtern neuerdings wieder die Eltern verantwortlich? Dürfen Frauen nicht selbst wählen und entscheiden, ob sie lieber Zahnärztin oder Baggerfahrerin werden? Und warum sollen eigentlich nicht Söhne anderen den Speichel absaugen? Fragen über Fragen.

Ihr seht, absurdes Gendermarketing gibt es zu Hauf. Ihr habt nun die Qual der Wahl. Bis zum 29. November könnt ihr noch abstimmen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 23. November 2020