Die Gesellschaft und die "Anderen"

Zweiter Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) beklagt vielfältige Benachteiligungen

Beschimpfungen auf dem Schulhof, Mobbing im Klassenzimmer und nicht selten auch gewalttätige Angriffe gehören für SchülerInnen aus türkisch- oder arabisch-stämmigen Familien leider zum Alltag. Auch lesbische und schwule SchülerInnen können ein Lied von Schulhofbeleidigungen singen - nicht selten wird ihnen dadurch jedwedes Selbstwertgefühl genommen. Alle Formen der Diskriminierung beeinträchtigten nicht nur die Psyche der Mädchen und Jungen, sondern auch ihre schulischen und später beruflichen Leistungen. Deshalb sind die Ergebnisse des zweiten Berichts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) von großer Bedeutung auch für die Bundesregierung. Demnach fühlt sich jede(r) vierte Schüler(in) oder Studierende mit Migrationshintergrund im Bildungsbereich diskriminiert; sechs Prozent der Befragten mit einer anerkannten Behinderung gaben an, eine Benachteiligung in Schule oder Hochschule erlebt zu haben.

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mahnt deshalb: „Deutschland kann es sich langfristig nicht leisten, ganze Gruppen von Schülerinnen und Schülern am Bildungserfolg nicht chancengerecht teilhaben zu lassen. Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung braucht Deutschland jeden qualifizierten Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung, Geschlecht, Behinderung, aber auch sozialer Herkunft“.

Beschwerdestellen für Schulen und Hochschulen gefordert

Diskriminierungen im Bildungsbereich und Benachteiligungen im Arbeitsleben sind in Deutschland weit verbreitet und wirken sich negativ auf den Bildungserfolg, die Leistungsfähigkeit und Arbeitsmotivation der Betroffenen aus. Nach der Schule und dem Studium geht die Diskriminierung weiter: Bei der Arbeitssuche und im Arbeitsleben selbst erleben Betroffene oft Benachteiligungen, weil sie das "falsche" Geschlecht oder Alter haben, weil ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen nicht anerkannt werden, oder weil sie eine Behinderung haben. Auch versteckte oder offen vorgetragene negative Einstellungen gegenüber Menschen nichtdeutscher Herkunft hindert viele MigrantInnen daran, einen passenden Beruf zu finden. Arbeitgebende glauben häufig, der oder die oben genannten Personen passten nicht in den Betrieb. Aber wohin können sich Opfer von Diskriminierungen wenden? Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes fordert deshalb unabhängige Beratungs‐ und Beschwerdestellen für Schulen und Hochschulen, die Betroffenen rasche und niederschwellige Hilfe anbieten.

Der Arbeitsmarkt braucht Vielfalt
Gerade auf dem Arbeitsmarkt werde deutlich, dass Unternehmen von Vielfalt profitieren können, wenn sie nur auf die Qualifikation eines Menschen schauen, so die Festsetllung der ADS. Deshalb sollte jedes Unternehmen sich zum Ziel setzen, Transparenz, Antidiskriminierungs- und Diversitystrategien zu entwickeln, wenn es nicht Gefahr laufen will, wertvolle, gut qualifizierte Arbeitskräfte zu verlieren. Auf dem Weg zu weniger Benachteiligung fordert die Antidiskriminierungsstelle deshalb die Einführung neuer Verfahren zur Personalgewinnung und bestehende Beschwerdestellen in Unternehmen zu stärken und bekannter zu machen.

Ansehen könnt ihr euch den Bericht hier:

Autorin / Autor: Pressemitteilung/ Redaktion, - Stand: 14. August 2013
 
 
 

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