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Am 6. September ist "Kämpfe-gegen-die-Prokrastination-Tag"

Bild: Luise Weber

Das Wort allein ist schlimm. Es klingt nach Krankheit und einer Mischung aus Proktologe, Kratzen und Stagnation. Und es ist wirklich ein sehr lästiges und weit verbreitetes Leiden: die Aufschieberitis, das Morgen-morgen-nur-nicht-heute und Gleich-ich-muss-nur-ganz-kurz-eine Runde-XYZ-spielen.
Opfer der Aufschieberitis, die nur in ihrer krankhaften Form Prokrastination genannt wird, sind vorzugsweise: Hausaufgaben, der Abwasch, die Steuererklärung und Lernen für Prüfungen aller Art.

Am 6. September wird nun - angeblich - der weltweite "Kämpfe-gegen-die-Prokratination-Tag" begangen. Niemand weiß so recht, ob es ihn wirklich gibt, ob er nur eine Erfindung für leergebliebene Kalenderseiten ist oder ob er nicht seinerseits nur ein aufgeschobener Tag ist, der eigentlich schon vor Monaten hätte stattfinden sollen. So oder so dürften sich viele Menschen von ihm irgendwie angesprochen oder peinlich berührt fühlen. Und das ist doch ein willkommener Anlass, Liegengebliebenes ausnahmsweise mal nicht länger aufzuschieben, sondern in Angriff zu nehmen. Die Bewerbung, deren Frist in Kürze verstreicht, den Stapel unangetasteter Rechnungen und Briefe oder den Riesenberg Lernstoff, der irgendwann bewältigt werden muss - JETZT ist der richtige Zeitpunkt. Denn das Tolle am Erledigen ist, dass all die Krankheitsgefühle (Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und dieses lästige nagende Gewissen) einem ungeahnten Hochgefühl Platz machen.

Aufgaben als Gegenwart begreifen, kleine Schritte planen, klare Zeitpunkte festlegen
Expert_innen empfehlen übrigens, Aufgaben möglichst als Teil der Gegenwart zu betrachten, nicht als in ferner Zukunft liegende Herausforderungen.
Helfen sollen kleine konkrete Schritte und feste Zeitpunkte, an denen die Erledigung einer Aufgabe eingeplant wird (wie wäre es mit heute?), außerdem realistische Anforderungen, die auch wirklich bewältigt werden können. Wer sich vornimmt, 100 Vokabeln an einem Tag zu lernen, fängt lieber erst gar nicht damit an. Da ist es besser mit fünf anzufangen.

Student_innen sind übrigens besonders häufig betroffen. Die Eigenständigkeit, die von ihnen bei der Erledigung von Aufgaben erwartet wird und die oft fehlende Kontrollinstanz führen dazu, dass sie der Aufschieberitis besonders leicht anheim fallen.

Wenn die Aufschieberei so belastend wird, dass der Alltag davon schwer beeinträchtigt wird, dann sollte man sich professionelle Hilfe holen. Wer aber einfach nur ab und zu den Abwasch liegen oder die Fleißaufgabe unter den Tisch fallen lässt, muss sich keine Sorgen machen, sondern nur lernen, auch unverdiente Zeiten des Müßiggangs zu genießen. Es wäre ja doppelt blöde, die durch Aufschieberitis gewonnene Faulenz-Zeit mit Hadern und schlechtem Gewissen zu vergeuden.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 6. September 2017