Doch kein Abi ohne Prüfung!

In einigen Bundesländern laufen die Prüfungen, in anderen gibt es noch Fragezeichen
Update: Die Kultusministerkonferenz hat beschlossen: Abiturprüfungen finden statt!

Die einen stecken mitten drin, den anderen droht eine Verschiebung oder etwa gar ein Ausfall? Vor allem Abiturient_innen oder Schüler_innen, die in Kürze ihre zentralen Abschlussprüfungen ablegen wollen, sind von der Corona-Krise schwer betroffen. Während Student_innen im schlimmsten Fall ein Semester verlieren, hat es für Schüler_innen weitreichendere Konsequenzen, wenn Prüfungen ausfallen oder sie Prüfungen ohne die begleitende Vorbereitung in der Schule nicht bestehen.

Denn während in Hessen bereits Prüfungen laufen und voraussichtlich auch vollständig abgeschlossen werden können, gibt es in anderen Bundesländern ein großes Fragezeichen.
In Hamburg setzen sich zwei Schüler für einen Ausfall der Abiturprüfung ein und plädieren für ein Durchschnittsabitur, das aus den bereits erbrachten Kursleistungen berechnet werden soll. Die Schüler argumentieren in ihrer Petition auf change.org, dass sich durch das gemeinsame Schreiben der Prüfungen ein unnötiges Ansteckungsrisiko ergibt, dass Schüler_innen derzeit unter besonderem psychischen Stress litten und gesellschaftlich stark eingebunden seien – etwa bei der Bespaßung kleinerer Geschwister oder der Betreuung von Großeltern, Nachbar_innen und anderen gesellschaftlichen Aufgaben. Während diese Petition fast 100.000 Unterstützer_innen (Stand 25.3.2020, 9:20) gefunden hat, gibt es bereits eine zweite Petition, die sich für die Durchführung der Abiturprüfungen stark macht. Die Argumente: Viele Schüler_innen arbeiten hart für eine gute Note, damit sie den Numerus Clausus für ihr Wunschstudium schaffen, für andere hängt das Abitur überhaupt erst von den Abiturprüfungen ab. Sie fordern den Einsatz von mehr Aufsichtspersonal, damit in kleineren Gruppen geschrieben werden kann.

Jetzt doch kein Abi ohne Prüfung
Schleswig-Holstein hatte sich zunächst entschieden, die Abiturprüfungen abzusagen. Diese Idee ist nach der Entscheidung der Kultusminister vom Tish. Auch in Mecklenburg-Vorpommern war  diskutiert worden, ob Abitur und Prüfungen für die Mittlerer Reife abgelegt werden müssen. Im Saarland wurden die Abiturprüfungen bereits verschoben, andere Bundesländer werden vermutlich folgen. Am 25.3. haben die Kultusminister_innen der Bundesländer in einer Schaltkonferenz sich darauf geeinigt, die Abiturprüfungen wie geplant stattfinden zu lassen.

"Zum heutigen Zeitpunkt stellen die Länder fest, dass eine Absage von Prüfungen nicht notwendig ist. Die Länder stimmen sich eng in der KMK über das weitere Vorgehen ab", heißt es in der Erklärung. Die Abiturprüfungen finden demnach zu den geplanten Terminen statt, können aber auch an Nachholterminen bis Ende des Schuljahres stattfinden, wenn dies aus Infektionsschutzgründen nötig sein sollte. Die einzelnen Ländern können "ausnahmsweise auf zentrale Elemente aus dem Abituraufgabenpool verzichten und diese durch dezentrale Elemente ersetzen", heißt es in dem Beschluss.

Dass das Schuljahr gänzlich annulliert wird, hatte die Kultusministerkonferenz bereits im Vorfeld ausgeschlossen. In einem Beschluss vom 13.3.2020 zur Sicherstellung von Prüfungen und Anerkennung von Abschlüssen heißt es:

Die Länder stellen durch flexible Regelungen (z.B. mehrere Nachschreibetermine) sicher, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Prüfungen absolvieren und ihre Abschlüsse im laufenden Schuljahr erreichen können. Sie anerkennen gegenseitig alle so erworbenen Abschlüsse. Sie setzen sich außerdem dafür ein, dass für die Vergabe von Studienplätzen flexible Regelungen (z.B. Verschiebung von Bewerbungsfristen) angewendet werden, um eine bruchlose Fortsetzung der Bildungslaufbahn zu ermöglichen.

Wer sich Hoffnung auf ein Abitur ohne Prüfung gemacht hat, wird nun enttäuscht. Dafür können die Abituraufgaben nun leichter an das angepasst werden, was wirklich gemeinsam im Unterrricht erarbeitet wurde. Wann genau die Prüfungen stattfinden, ist in einigen Bundesländern noch unklar und kann sich natürlich je nach Situation auch noch ändern.

Bleibt zu hoffen, dass Unis, Arbeitgeber_innen und Ausbildungsbetriebe später nicht zu streng auf die Corona-Noten schielen und dabei immer im Blick haben, dass sie unter besonders schwierigen Umständen zustande gekommen sind.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 25. März 2020, aktualisiert nach Beschluss der Kultusministerkonferenz