Schlechtes Team?

Azubis kritisieren Zusammenspiel von Betrieben und Berufsschulen

Zwei Drittel der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung sowohl in ihren Ausbildungsbetrieben als auch in ihrer Berufsschule zufrieden. Sie erteilen jedoch der Zusammenarbeit zwischen den beiden Lernorten schlechte bis sehr schlechte Noten. Dies ist ein Ergebnis einer Studie die von der Forschungsgruppe Berufsbildungsforschung der Universität Bremen im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bremerhaven durchgeführt worden ist. Darin war das berufliche Engagement von rund 1.600 Auszubildenden aus über 40 Berufen untersucht worden.

Mehr mit dem Beruf oder ehre mit dem Betrieb verbunden?

Das wichtigste Ergebnis: Auszubildende, die sich mit ihrem Beruf identifizieren, sind in ihrer Ausbildung besonders engagiert. Gemessen wurde bei dieser Untersuchung auch, ob Auszubildende mehr leisten, wenn sie sich mit dem Beruf oder mit dem Unternehmen identifizieren. Dem Typus der beruflich orientierten Auszubildenden steht der Typus der betrieblich orientierten gegenüber. In der Tendenz sind Auszubildende in gewerblich-technischen Berufen eher beruflich und Auszubildenden in den kaufmännischen Berufen eher betrieblich orientiert. Ein dritter Typus von Auszubildenden verfügt weder über die eine noch die andere Form der Identität und Motivation. Bei diesen Auszubildenden gründet sich die eher schwache Leistungsbereitschaft auf sekundäre Motivation. Die nicht hinterfragte Bereitschaft, die ihnen übertragenen Aufgaben nach Anweisung auszuüben, prägt bei diesem Typus die Arbeitsmoral. "Diese Form der Motivation", so der Leiter der Studie Professor Felix Rauner, "passt nicht zu einem modernen Unternehmen, das dem internationalen Qualitätswettbewerb ausgesetzt ist. Hier ist Mitdenken, Zusammenhangsverständnis und Qualitätsbewusstsein gefordert. Und dies setzt ein hohes Maß der Identifizierung mit dem eigenen Beruf voraus".

Mangelnde Steuerung der dualen Berufsausbildung

Die Untersuchung zeigt auch, wie im Zusammenspiel zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule die Entwicklung beruflicher Identität und beruflichen Engagements gefördert oder behindert wird. Hier legt die Untersuchung eine gravierende Schwäche offen: Zwei Drittel der Auszubildenden sind zwar mit ihrer Ausbildung sowohl in ihren Ausbildungsbetrieben als auch in ihrer Berufsschule zufrieden. Sie erteilen jedoch der Zusammenarbeit zwischen den beiden Lernorten schlechte bis sehr schlechten Noten. Hieran sind, so die AutorInnen der Studie, weder die AusbilderInnen und LehrerInnen Schuld. Sondern es liegt am strukturellen Problem der Steuerung der dualen Berufsausbildung. Berufsschulen werden von den Bildungsverwaltungen nach Maßgabe der Bildungsgesetze gesteuert, während die betriebliche Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz - ein Bundesgesetz - geregelt wird. Die Steuerung der betrieblichen Berufsausbildung liegt bei den Betrieben und ihren Kammern.

Eine Empfehlung, die aus den Forschungsergebnissen abgeleitet werden kann, sieht vor, diese Lücke zwischen zwei gesetzlichen Sphären durch die Einrichtung von Berufsfachkonferenzen zu überbrücken. Dann hätten Lehrer und Ausbilder der jeweiligen Berufe und Berufsgruppen die Möglichkeit, das Lernen an beiden Lernorten besser aufeinander abzustimmen.

Möglichst keine Warteschleifen mehr

Aus der Studie ergibt sich für Bremerhaven ein mittleres Ausbildungsalter von 20,5 Jahren. "Dies sind", so der Bremer Berufsbildungsexperte Felix Rauner, "im Vergleich zu unseren Nachbarländern zwei bis drei Jahre zu viel". Hier fühlt sich der Auftraggeber der Studie in besonderer Weise herausgefordert, in den nächsten fünf Jahren das mittlere Ausbildungsalter um zwei Jahre abzusenken. Gelingt dies, dann gibt es nur Gewinner. Der nahtlose Übergang von der Schule in die Berufsausbildung komme vor allem den Jugendlichen zugute, die mit einiger Zuversicht als Schüler auf das Ende ihrer Schulzeit blicken könnten. Dass dies einen Motivationsschub auslösen würde, liege auf der Hand. Die sehr teuren und wenig effektiven Maßnahmen zur Versorgung von Jugendlichen, die erst einige Jahre nach ihrem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz finden, könnten entfallen. Diese Ressourcen können, so die Studie, sehr viel effektiver in eine umfassendere, die Schulbildung begleitende Berufsorientierung und Berufsvorbereitung investiert werden.

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: Juli 2009
 
 

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