Wollen Frauen weniger verdienen?

Peinliches Umfrageergebnis nach dem Einkommenswunsch

Peinlich, peinlich! Da kämpfen Feministinnen jahrezehntelang für einen gerechten Lohn und bessere Bezahlung von Frauen, und dann stellt sich heraus, dass Frauen sich sogar selbst weniger Einkommen zahlen würden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Sozioökonomisches Panel", für die in den Jahren 2008 und 2009 deutschlandweit Bevölkerungsumfragen unter 10 000 Erwerbstätigen durchgeführt wurden.

WissenschaftlerInnen der Universität Bielefeld und Konstanz und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung - DIW Berlin zeigen in ihrer Studie, dass die Deutschen zwar grundsätzlich unterschiedliche Bezahlung der Geschlechter ablehnen, wenn jedoch danach gefragt wird, wie hoch ein gerechter Lohn ganz konkret sein sollte, so wird einer Frau deutlich weniger zugebilligt als einem gleich qualifizierten Mann. Die Ohrfeige für Frauen dabei ist, dass nicht nur Männer diese Ansicht vertreten, sondern die Frauen selbst geringere Ansprüche an die Höhe ihres Gehalts haben und darüberhinaus auch ihren Geschlechtsgenossinnen ein deutlich geringes Einkommen als vergleichbaren Männern zubilligen.

Diskriminierung zeigt sich an konkreten Einzelfällen

In weiteren Umfragen der Wissenschaftler wurde auch danach gefragt, wie ein gerechtes Einkommen für unterschiedliche Berufsgruppen aussehen könnte. Dazu sollten die Befragten zuerst bewerten, welche Kriterien sie dafür am wichtigsten finden: die Arbeitsleistung, den Beruf, das Ausbildungsniveau, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und das Geschlecht. Die überwiegende Mehrheit gab dabei an, dass das Geschlecht keine oder nur eine geringe Rolle beim Einkommen spielen sollte. Anschließend sollten die StudienteilnehmerInnen dann konkrete Einzel-Fälle bewerten. Dabei bekam das Geschlecht dann aber sehr wohl eine herausragende Bedeutung: Den Frauen wurde ein deutlich geringeres Bruttoeinkommen zugestanden als Männern, selbst dann, wenn sie mit ansonsten gleichen Merkmalen wie Ausbildung, Beruf, Arbeitsleistung beschrieben wurden. So wurde einem 55-jährigen Arzt, der überdurchschnittliche Leistungen am Arbeitsplatz erbringt, Alleinverdiener ist und vier Kinder zu versorgen hat, ein Bruttoeinkommen von 7750 Euro zugestanden, einer Ärztin mit den gleichen Eigenschaften und Lebensumständen dagegen nur 7300 Euro.

Rollen-Klischees immer noch wirksam

Die tief verankerte frauenfeindliche Sicht auf die Bezahlung der Geschlechter wird offensichtlich erst bei der Bewertung konkreter und alltagsnaher Fallbeispiele sichtbar: Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern werden also immer noch in weiten Teilen der Bevölkerung als gerecht angesehen. Die alten Klischees, dass der Mann seine Familie zu versorgen hat und die Frau den Haushalt, sind nach wie vor aktiv.

Interessanterweise haben berufstätige Frauen, die mit berufstätigen Männern zusammen leben, deutlich höhere Ansprüche an ihr Einkommen als alleinlebende Frauen oder alleinverdienende Frauen. Ein Grund dafür besteht in den Vergleichsmöglichkeiten, die Frauen in Zweiverdienerhaushalten haben. Sie können sich mit ihren – in der Regel besser bezahlten – Männern direkt vergleichen, insbesondere dann, wenn beide im gleichen Beruf tätig sind oder eine ähnliche Ausbildung haben. Unter diesen Bedingungen können Frauen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern offenbar unmittelbar wahrnehmen. Deshalb haben Frauen in Zweiverdienerhaushalten ein deutlich höheres Ungerechtigkeitsempfinden im Bezug auf ihr eigenes Einkommen als Frauen, die alleine leben.

Die Studie zeigt zwar auf, dass Frauen sich auch selbst ein deutlich niedrigeres Einkommen zugestehen, doch den Vorwurf "Selber schuld, wenn ihr diskrimiert werdet", müssen sie sich dennoch nicht gefallen lassen. Denn die vermeintliche Geringerwertigkeit weiblicher Arbeitsleistung ist in allen Köpfen der Gesellschaft vorhanden und muss demnach auch von allen "verlernt" werden. Für Gleichberechtigung zu sorgen ist Aufgabe aller Beteiligten in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Bildung und kann nicht nur den Frauen (und ihren persönlichen Gehaltsverhandlungen) überlassen werden.

Quelle

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 7. Juli 2010