Ausgepackt - Die Bildungsworkshops

In der Pilotphase wird das Projekt an vier Schulen in der Region Bonn/Rhein‐Sieg erprobt und anschließend auf mehrere Bundesländer ausgeweitet

Für Jugendliche ist es zumindest zuhause oft selbstverständlich, den Verpackungsabfall zu trennen, dabei ist nur wenigen bewusst, dass Verpackungsabfälle nicht nur die Umwelt verschmutzen und für Meeresbewohner problematisch werden, sondern dass auch der zusätzliche Energieaufwand, der durch Produktion und Recycling der Verpackungen entsteht, das Klima belastet.

Im Projekt „Ausgepackt“ liegt der Fokus daher insbesondere auf Verpackungen, ihrem Einsparpotenzial, klimafreundlichen Materialien (insbesondere nachwachsende Rohstoffe), Pfandlösungen und kreativen Ideen für Gegenwart und Zukunft.

In Bildungsworkshops an etwa 20 weiterführenden Schulen setzen sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit den verschiedenen umwelt- und klimabezogenen Aspekten von Verpackungen auseinander und entwickeln selbst Ideen für klimafreundliche Lösungen. Vor allem die Themen Verpackungsvermeidung, Mehrwegsysteme und nachwachsende Rohstoffe spielen hier eine wichtige Rolle. Im Schulhalbjahr Februar bis Juni 2019 wird das Projekt an vier Schulen in der Region Bonn/Rhein-Sieg erprobt und anschließend auf mehrere Bundesländer ausgeweitet. Erste Eindrücke aus den Bildungsworkshops gibt es hier.

Zum Einstieg

Zum Einstieg diskutieren die Schülerinnen und Schüler verschiedene Aspekte des Themas Verpackungen. Wofür braucht man sie überhaupt, welche Materialien gibt es, welche sind umweltverträglich und welche problematisch, wie kann man sie ersetzen oder wann sind sie sogar überflüssig.

Die Verrottungsachse

Wie lange dauert der Abbau von verschiedenen Verpackungen und Materialien? Was passiert mit einer Baumwolltasche nach einer Woche, und wie verhält sich Holz, wenn es behandelt ist? Braucht die Plastikflasche 100 Jahre für den Verfall? Oder 1.000? Die Schülerinnen und Schüler diskutieren und ordnen unterschiedliche Materialien auf einer Verrottungszeitachse ein. Mit manchmal überraschenden Einschätzungen und vielen Aha-Effekten bei der Auflösung.

Verpackungen - sortieren und bewerten

Welche Verpackungen sind biologisch abbaubar, welche nicht? Welche Verpackungen bestehen aus Verbundstoffen und sind darum schwer trenn- und recyclebar? Welche Verpackungen sind schlichtweg unnötig, hässlich oder Mogelpackungen? Die Schülerinnen und Schüler sortieren Verpackungen nach ihren eigenen Kriterien und beleuchten dabei viele unterschiedliche Aspekte.

Einige Produkte werden besonders genau unter die Lupe genommen

Nach dem Anschauen eines Werbevideos für Tetrapak werden die dort aufgestellten Behauptungen ("[...] bestehen überwiegend aus einem nachwachsenden Rohstoff, nämlich Holz. Das macht sie besonders umweltfreundlich") überprüft. Zu welchen Anteilen bestehen Tetrapak-Packungen denn tatsächlich aus Papier, und wie leicht oder wie schwer lässt es sich von den anderen Bestandteilen (Alu-Anteile, Kunststoff) trennen? Die Schülerinnen und Schüler messen, wiegen und diskutieren: Braucht man wirklich einen Kunststoffausgießer? Was ließe sich an der Verpackung verbessern?

Verpackungsalternativen kennenlernen

Wachstücher statt Frischhaltefolien, Bambusschälchen statt Plastikteller, Biokunststoff aus Zuckerrohr. Die Schülerinnen und Schüler lernen Alternativen zu herkömmlichen Plastikprodukten und Kunststoffverpackungen kennen. Es werden alternative Materialien unter die Lupe genommen. Dabei wird klar: Nicht alle sind für alles brauchbar, und nicht immer sind Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen die perfekte Lösung. Es muss im Einzelfall geschaut werden, woher die Rohstoffe kommen, wie (nachhaltig) sie angebaut werden können, und ob sie die Anforderungen erfüllen, die an Verpackungen gestellt werden. Das ein oder andere Produkt überzeugt aber, beflügelt die Ideen und regt sogar zum Selbermachen an - so wird die Herstellung eines "Wachstuchs" praktisch erprobt...

Nachwachsende Rohstoffe - selbst angepflanzt

Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen hätten den Vorteil, dass sie leichter verrotten und nicht auf begrenzten Ressourcen basieren. Aber aus welchen Pflanzen könnten denn neuartige Materialien hergestellt werden? Die Schülerinnen und Schüler pflanzen mit der durchwachsenen Silphie und Miscanthus zwei schnell wachsende Rohstoff-Kandidaten an und gucken ihnen beim schnell Wachsen zu. Die perfekte Vorbereitung auf den Besuch beim Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn...

Nachwachsende Rohstoffe im großen Stil - Besuch auf dem Campus Klein-Altendorf

Der Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe einschließlich Arznei- und Gewürzpflanzen der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn beschäftigt sich in Forschungsvorhaben und praxisorientierten Versuchsarbeiten mit aktuellen und zukunftsorientierten Fragestellungen des Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen. Die stoffliche Nutzung der Pflanzen steht hier im Vordergrund - etwa die Entwicklung von nachhaltigen Verpackungsmaterialien (Karton, Folie) und Papierherstellung aus Miscanthus, Durchwachsene Silphie oder Heu. Die Schülerinnen und Schüler besuchen erst die Felder, auf denen die Pflanzen, die sie schon selbst im Blumentopf gezogen haben, im großen Stil angebaut werden. Dann geht es ab ins Labor...

Im Labor...

Wie wird nun aus den hübschen Feldpflanzen ein Material, aus dem Verpackungen gemacht werden könnten? Verschiedene Arbeitsschritte sind hierfür nötig, die die Schülerinnen und Schüler in den Laboren nun selbst durchlaufen dürfen: Zerkleinerung, Aufbereitung & Siebung, Papierherstellung und Qualitätskontrolle.

Am Ende bestaunen alle das fertige Silphiepapier

Besuch im Unverpacktladen

Was ist besser als eine Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen? Gar keine Verpackung! Oder eine, die selbst mitgebracht und immer wieder verwendet wird. So kommen Zahnpastapastillen oder Nüsse, die in ein mitgebrachtes Behältnis abgefüllt werden, ganz ohne Plastik aus. Im Unverpacktladen (hier: Freikost Deinet in Bonn) können die Schülerinnen und Schüler innovative Abfüllsysteme erproben und herausfinden, bei welchen Produkten es problemlos ohne Einwegverpackung geht und bei welchen noch neue Ideen gesucht werden.

Besuch bei der Firma PAPACKS Sales GmbH in Köln

Die Firma PAPACKS® entwickelt Lösungen, um Unternehmen auf dem Weg zur Nachhaltigkeit zu begleiten. Dabei geht es nicht nur um die Verpackungen für die Endverbraucher_innen, sondern vor allem um die Verpackungen, die im Produktionsprozess verwendet werden. Schließlich müssen Produkte ja nicht nur vom Hersteller zum Verkäufer zum Kunden, sondern auch innerhalb eines Unternehmens von A nach B transportiert, verarbeitet, umgepackt und weitergeschickt werden. Dabei kommen häufig Plastikträger zum Einsatz, etwa um die Produkte auf einer Palette besser stapelbar zu machen oder für automatisierte Arbeitsschritte vorzubereiten. PAPACKS® entwickelt und produziert unter anderem Alternativen zu diesem Plastikhalterungen - etwa Fasergussprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen, die anschließend wiederverarbeitet werden können.

Dann tüfteln die Schülerinnen und Schüler an einer eigenen Verpackungsidee. Für welche Produkte kommt eine Verpackung aus Faserguß, Pappe oder Graspapier infrage? Wie könnte sie aussehen? Eine eigene, möglichst nachhaltige Schachtel soll kreiert werden. Dafür braucht es aber erstmal einen Plan...

Papierverarbeitungsmeister Dirk Wolf demonstriert, wie die Idee am Computer Gestalt annimmt und dann zum Ausschneiden an den Plotter geschickt wird.

Die Verpackungs-Challenge

Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, selbst umwelt- und klimafreundliche Verpackungen zu erfinden: Mehrwegsysteme für Drogerieprodukte, Abfüllstationen oder Snackverpackungen, die komplett aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Auch nach der Projektphase wird daran weiter getüftelt, denn 2020 startet AUSGEPACKT einen bundesweiten Schüler*innen-Wettbewerb zum Thema nachhaltige Verpackungen, bei dem die besten Ideen prämiert werden...

Autorin / Autor: Redaktion / WiLa - Stand: Sommer 2019
 
 
 

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