Wasser, Pflege, Dankbarkeit

Der 10. Januar ist der Ehrentag der Zimmerpflanze

Es gibt Ehren- und Gedenktage, die sind wirklich sinnlos. Zum Beispiel der für Tiefkühlgemüse, verlorene Socken oder solche albernen wie "Spring-in-eine-Pfütze-und-bespritze-Deine-Freunde-Tag". Reine Zeitverschwendung! Aber ein Ehrentag für die Zimmerpflanze hat wirklich seine Berechtigung - vor allem in diesen Zeiten, wo Zimmerpflanzen uns in unseren eigenen vier Wänden das Chillen unter Palmen ermöglichen und unseren Dauer-Corona-Frust mit sattem Grün besänftigen.

Der Tag, der - wie könnte es anders sein - in den USA erfunden wurde und dort "Houseplant Appreciation Day" heißt, will vor allem eins: Pflanzenbesitzer_innen nach den Feiertagen ins Gedächtnis rufen, dass da noch jemand ist, der unsere Aufmerksamkeit braucht. Der aber leider nicht laut um Hilfe rufen kann. Um all diesen verwahrlosten Fensterbänklern, vertrockneten Palmen und blätterlosen Ficusbäumen eine Stimme zu geben, wurde dieser Tag erfunden.

Wir sind sicher, unter euch gibt es so einige Urban Jungle Besessene, die in ihrer Wohnung auf jedem freien Platz eine Mostera, Grünlilie oder Pilea beherbergen und natürlich bestens Bescheid wissen, was ihre grünen Schützlinge für Bedürfnisse haben. Vielleicht gibt es aber auch die, die jetzt schuldbewusst zusammenzucken und erschrocken zum Fenster schielen, ob sich im Blumentopf der wirklich hartgesottenen Yucca Palme wohl schon sehr tiefe Krater gebildet haben. Gebt euch einen Ruck, schnappt euch die Gießkanne und gönnt eurer Pflanze wenigstens mal einen Bruchteil der Pflege, die sie verdient hätte. Sie ist ein Lebewesen! Sie braucht Wasser. Vielleicht sogar Dünger. Möchte entstaubt werden. Manch eine kann sogar mal eine Dusche gebrauchen oder würde gern die vertrockneten Blätter loswerden. Ihr dürft auch mit euren Pflanzen reden (müsst ihr aber nicht). Und nein, es ist nicht normal, wenn es rund um die Pflanze von schwarzen kleinen Fliegen nur so wimmelt, sich auf den Blättern wollartige Gebilde türmen oder sie gar keine oder nur noch gelbe, krüsselige Blätter hat.

Führt euch vor Augen, dass die Pflege von Zimmerpflanzen auch euch zugutekommt. Sie erfreuen nämlich nicht nur das Auge, sondern haben auch andere positive Eigenschaften. So beeinflussen sie das Raumklima positiv, manche Zimmerpflanzen gelten sogar als wahre Entgiftungskünstler, denn sie filtern Giftstoffe wie Formaldehyd oder Ammoniak aus der Luft. Manche Pflanze - wie die allseits beliebte und pflegeleichte Grünlilie - macht das sogar richtig effektiv.

Ob ihr mit der Zimmer-Gärtnerei aber auch der Umwelt einen Dienst erweist, ist fragwürdig. Weite Transportwege für exotische Plfanzen, torfhaltige Blumenerden, Pflanzenlampen, giftige Schädlingsbekämpfungsmittel und synthetische Düngemittel führen zu einer miserablen Ökobilanz des grünen Dschungels in den eigenen vier Wänden. Achtet darum auf die Herkunft und heimische Produktion eurer Pflanzen und lasst euch im Zweifelsfall lieber Ableger schenken statt neu zu kaufen. Verzichtet auf torfhaltige Erden, verwendet biologische Düngemittel und setzt auf Schädlingsbekämpfung mit Hausmitteln und Nützlingen.

Wer keine Zimmerpflanzen will und hat, kann am 10. Januar, der auch der Tag der Blockflöte ist, natürlich auch eine Runde auf derselbigen spielen und damit alle anderen Zuhausebleiber_innen und Home-Office-Gebeutelte in den Wahnsinn treiben. Viel Spaß!

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 10. Januar 2022