Zur filmischen Umsetzung des Romans
Produzent Bernd Eichinger & Regisseur Tom Tykwer VS. Romanautor Patrick Süskind ;-)
Dem Regisseur Tom Tykwer und dem Produzenten Bernd Eichinger ist mit diesem Film alles in allem eine sehr gute Umsetzung gelungen. Der Autor des Buches, Patrick Süskind, beschreibt die Gerüche und die Umgebung so anschaulich, dass es eine echte Herausforderung darstellt, dies in einem Film umzusetzen, doch das ist meiner Meinung nach gut gelungen. Paris im 18. Jahrhundert ist grau, Bilder von Fischkadavern, Ratten und Dreck geben einen Eindruck davon, wie grauenhaft der Geruch zu dieser Zeit gewesen sein muss. Doch mit den Farben im Film kommen auch die guten Gerüche – seien es knallgelbe, saftige, sonnengereifte Mirabellen oder riesige, leuchtend lila Lavendelfelder. Auch die Kameraführung ist darauf ausgelegt, den Zuschauer in eine einzigartige Geruchswelt zu entführen und ihn eintauchen zu lassen, in eine Welt wie Grenouille sie sieht. Immer wieder folgt die Kamera Grenouilles Nase zu neuen Gerüchen oder zeigt Grenouilles Herzstück – seine fabelhafte Nase.
Grenouille, der im Buch zwar auch eine Entwicklung durchlebt, entwickelt sich im Film noch mehr. Vom gefühlskalten Außenseiter wird er zu einem in manchen Situationen doch sehr emotionalen jungen Menschen, der sich, als er am Ende seiner Ziele und Träume angelangt ist, nichts sehnlicher wünscht, als geliebt zu werden. Diese Entwicklung wird vor allem durch eine sehr interessante Aufnahmetechnik verdeutlicht – viele Bilder folgen wie im Daumenkino aufeinander.
Ein weiterer Unterschied zum Buch ist, dass Grenouille eine besondere Beziehung zu seinem Mordopfer besitzt – dem Mirabellenmädchen. Im Verlauf des Films tritt dieses Mädchen immer wieder durch Rückblicke in den Vordergrund des Geschehens bis sich Grenouille vor seiner Verurteilung wegen mehrfachem Mord eine Liebesbeziehung zu diesem Mädchen vorstellt. Eine Anspielung darauf, dass der gewählte Weg um eine Duft zu konservieren, vielleicht doch der falsche war?
Lediglich die Filmmusik empfinde ich an manchen Stellen als störend, erinnert sie doch stark an Harry-Potter und nimmt dem Film somit die Ernsthaftigkeit und verleiht den Touch eines Fantasyfilms.
Buch lesenswert - Film sehenswert
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man Film und Buch nicht wirklich vergleichen kann. Süskind und der Regisseur verfolgen eine sehr unterschiedliche Zielsetzung. So ist der Film nicht chronologisch aufgebaut und fängt praktisch mit dem Ende an. Des Weiteren ist Grenouilles Kindheit sehr kompakt zusammengefasst, genau wie der Selbstfindungsprozess, fern von allen Menschen und Gerüchen im Zentralmassiv, genauer im Plomb du Cantal. So besteht meiner Meinung nach der Unterschied zwischen Film und Buch darin, dass Patrick Süskind mehr Wert darauf legt, seinen Lesern zu verdeutlichen, wie es zu den beschriebenen Ereignissen kommen konnte, indem er Grenouilles Leben und seine Weltauffassung mehr in den Vordergrund stellt.
Ebenfalls wurden manche Personen, die im Buch wichtige Etappen in Grenouilles Entwicklung markierten, weggelassen. Doch dafür überzeugt vor alldem der unbekannte Schauspieler Ben Wishaw mit seinen Fähigkeiten, ein Wesen darzustellen, das einem Tier gleicht und nicht durch Sprache an dem Weltgeschehen teilnimmt. Kennt man das Buch, so geht man meiner Meinung nach sehr kritisch mit den Film um, da eben wie bereits erwähnt zum Ende des Films das Image des Scheusals Jean-Baptiste Grenouille umgewandelt wird in einen Menschen, der sein Lebenswerk anzweifelt. Das Buch lesenswert. Der Film allerdings auch sehenswert.