Salaam-e-Ishq

Sechs Liebesgeschichten... Jede so einzigartig wie die Liebe selbst!

"Bollywood macht glücklich" prangt es in verschnörkelten Lettern auf der in zartrosa gehaltenen DVD-Hülle. Völlig unkritisch stehe ich dem nicht gegenüber. Bisher kenne ich Bollywood als die neuen Kitsch-Romanzen für liebeskranke Teenager und frustrierte Hausfrauen.

Es geht um Lieder, Liebe und Leidenschaft, farbenprächtig und stimmgewaltig inszeniert, ein Rausch für die Sinne. Wer Bollywood sieht, taucht ein in eine Welt, die am Ende immer eine heile sein wird. Vielleicht ist es das, was das neue Genre bei jungen Frauen so beliebt macht. Große Emotionen, tiefe Verzweiflung nach Höhenflügen der Liebe -- und doch im Hinterkopf das Wissen "Alles wird gut". Bollywood, das sind Märchen für Postmaterialisten.

*Worum geht es nun in diesem neuen Märchen, "SALAAM -- E -- ISHQ"?*

Um Liebe, natürlich. Genauer: Um ein Geflecht sechs verschiedener Liebesgeschichten. Während Tollpatsch Dayal schon mit seiner geliebten Phoolwati verheiratet ist, in der Hochzeitsnacht versehentlich das Haus in Brand setzt, ist Taxifahrer Raju seit Jahren auf der Suche nach seiner Traumfrau. Dumm nur, dass die im in Gestalt der Europäerin Stephanie über den Weg läuft, die ihren Freund sucht, der auf Wunsch der Eltern eine Inderin heiraten soll -- Gia. Die ist eigentlich mit Shiven verlobt, der sie jedoch kurz vor der Hochzeit sitzen lässt. Gias Schwester Seema schließlich spürt, dass mit ihrem Ehemann Vinay etwas nicht in Ordnung ist. Er ist hin und hergerissen zwischen seinen stürmischen Gefühlen für die junge Tänzerin Anjali und der Vertrautheit und Sicherheit seiner Ehe.

Bisher völlig unberührt von diesen Irrwegen der Liebe ist das bildhübsche Filmstarlet Kkamina, eine Diva, die aufsteigen will in die oberen Riegen der Bollywood-Schauspielerinnen. Das ist ihr jedoch nur möglich, wenn sie sich der Klatschpresse mit einem festen Freund entzieht -- den sie kurzerhand erfindet. Als dieser plötzlich vor ihr steht, und das Spiel in die Hand nimmt, steht ihre Welt kopf.

Ein komplexes Handlungsgeflecht, in dem sich durch diverse Überschneidungen und überzeichnete Charaktere (Dayal sorgt hier immer wieder für Furore -- wer ist auch so naiv, einen Chiffonschal auf brennende Kerzen zu werfen und zu glauben, sie würden dadurch ersticken... Was im Übrigen der Grund für den Hausbrand in der Hochzeitsnacht war) immer wieder komische wie romantische Szenen ergeben. Dass der Film gut dreieinhalb Stunden dauert, ist bei diesem Plot verzeihlich -- und macht sogar, hat frau sich einmal darauf eingelassen, richtig Spaß.

Böse Zungen mögen Bollywood als Kitsch bezeichnen, ganz Unrecht haben sie damit wohl nicht. Wo aber Romantik endet und Kitsch anfängt, liegt allein im Auge der Betrachterin -- und die bunten Gruppentänze, schnellen Rhythmen und die Freude am Leben, das hier Lieben heißt, lassen über so manche kritische Stelle hinwegsehen.

Macht Bollywood also wirklich glücklich? Wenn Glück hier Spaß bedeutet, Freude am Schauen, am Sich-überwältigen-lassen von den Farben und Tönen, Ja! Bollywood ist ein Rausch, eine Droge für die Sinne, ein "felixiakum" -- Bollywood macht glücklich.

*Info: Rapid Eye Movies*

Autorin / Autor: firstmary - Stand: 6. Oktober 2008