Ski Jumping Pairs - Olympia wir kommen!

Eine witzige "mockumentary"

Paarskisprung, "Eine wahre Geschichte": Eine zweiteilige Dokumentation mit anschließender Übertragung von den Olympischen Winterspielen in Turin 2006! Wie bitte? Paarskisprung? Habt ihr da etwas nicht mitbekommen? Ganz im Gegenteil, denn genaugenommen handelt es sich um eine "mockumentary". Produziert wie eine echte Dokumentation mit Moderator, Interviews, eingeblendeten Fotos, Originalvideos und nachgestellten Szenen. Nur ist alles ausgedacht und eher ironisch als ernst gemeint. Wer diesen Humor nicht versteht, mag den Film für langweilig halten. Tatsächlich ist er aber eine perfekte Parodie auf den Sportlerwahnsinn: tränenreiche Pressekonferenzen, Papparazijäger, die hohlen Kommentare der Wettkampfmoderatoren und ein trauernder Sportler, der dem Alkohol verfällt. Auch die restlichen Charaktere sind gut getroffen: ein grauhaariger, bebrillter Physikprofessor, der nie seinen Kittel ablegt und dessen Flugobjekt-Mitose-Theorie von der Wissenschaft ignoriert wird. Ein Moderator, der am Grab des Professors pseudo-betroffen in die Kamera guckt. Der deutsche Skimeister Stefan Widhölz, genannt "Kaiser von Deutschland", mit goldenem Ring und Koteletten, der beteuert: "Das habe ich nur für meine Fans gemacht", in Wirklichkeit aber so viele Goldmedaillen sammeln will, um damit Othello spielen zu können. Ein Skispringer, der seine alte Schule besucht: "Das macht mich echt sentimental!" Und natürlich die finnischen Bäckerzwillinge: "Er macht den Teig, ich backe." Lustig sind auch bestimmte Beobachtungen, die witzig, aber Realität sind: Sportler, die plötzlich Werbung für Vitamintropfen machen ("Für Fitness und Vitalität!") und auf kitschigen Postern wiederzufinden sind. Gut beobachtet wurde, wie Menschen sich in Interviews verhalten: "Hai" (also "Ja") hört man besonders oft und dazu ein Kopfnicken. 18-jährige Sportler die meist auf den Boden gucken und zwischendurch kichern.

Der Film ist japanisch und nicht ins Deutsche synchronisiert. Das ist nicht weiter schlimm, nur machen es einem die deutschen Untertitel manchmal etwas schwer: am oberen Bildschirmrand wird die Orts- und Zeitangabe eingeblendet, am unteren Bildschirmrand die Übersetzung der Dialoge, gleichzeitig muss man noch die Handlung mitbekommen. Das Übersetzen führt hin und wieder zu kuriosen Situationen. Etwa wenn der deutsche Skispringer Stefan Widhölz interviewt wird: Widhölz spricht deutsch, darüber ist die japanische Übersetzung gelegt und dazu gibt es dann die deutschen Untertitel...

Die eigentlichen Wettkämpfe des Paarskisprungs sind nur als Animation zu sehen. Kein Wunder, schließlich ist noch nie jemand wirklich zu zweit auf einem Paar Ski die Schanze runtergebrettert. Dazu kommen noch die abenteuerlichsten Kunstfiguren, die sich "Jesus", "Koala", "Adler" oder "Dreieck" nennen. Die Animation nimmt der Dokumentation leider etwas an Authentizität. Es wäre sicherlich möglich, die Sprünge mit moderner Technik und echten Menschen nachzustellen. Da dies aber aufwendig und teuer wäre, ist es zu verzeihen.

Sehr negativ sind die gezeigten "Tierversuche": Da werden Hasen und Hunde als Versuchsobjekte auf Skiern eine Rutsche runtergeschickt. Diese Szene bietet nicht einmal einen großen Beitrag für den Film, man hätte sie sich wirklich sparen können.

Der Film besticht mit seinem unaufdringlichen Humor. Die Witze gehen nicht unter die Gürtellinie, sind dabei authentisch und trotz aller Übertreibung wirklichkeitsgetreu.

*Erschienen bei: Rapid Eye Movies*

Autorin / Autor: beatrice123 - Stand: 14. April 2009