Übergeschnappt

Martin Koolhoven, Niederlande 2005, 81 min, ab 6

Der Film läuft beim Festival

Normalerweise sind Kinder verspielt und voll mit Träumen und Ideen, während die Eltern einen kühlen Kopf bewahren und stets überlegt handeln. Was aber tut man, wenn die eigene Mutter sich so intuitiv und unkonventionell verhält wie ein Kind?

Der Film „Übergeschnappt“ schildert auf humorvolle Weise das Zusammenleben einer manisch-depressiven Mutter und ihrer Tochter, ohne auf die Betroffenheitsdrüse zu drücken.

Inhalt

„Jeder hat eine Familie und gehört zu jemandem“.
Bei der 9-jährige Bonnie (Jesse Rinsma) sind das ihre Mutter Lis (Carice van Honten) und ihre Großmutter, mit denen sie zusammen in einem bunten Haus wohnt.  Sie sind eine kleine „Elefantenfamilie“, denn seit Bonnies Urgroßvater in Afrika ein Wildhüter war, sind Elefanten das Wahrzeichen ihrer Familie. Nicht umsonst trägt Bonnie den Namen seines Lieblingselefanten.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich Bonnies Familie nicht besonders von der Familie ihres bestens Freundes Koos (Tom van Kessel), der einen Haufen rotschöpfiger Geschwister hat. Bei genauerem Hinsehen allerdings schon. Denn Bonnies Mutter ist manisch-depressiv. Manchmal ist sie überdreht und voller Lebensfreude. Dann kauft sie mit Bonnie zwölf neue Hosen in ausgefallenen Farben, bestellt fünf Becher Eis für jeden von beiden und fordert den Kellner im Eiscafe zum Tanzen auf. Dann wieder liegt sie wochenlang im Bett und will niemanden sehen.

Bonnies Großmutter führt also den Haushalt, sorgt dafür, dass Lis ihre Tabletten regelmäßig nimmt und ermahnt Bonnie jeden morgen aufs Neue: „ Pass schön auf, wenn ihr über die Straße geht!“ Ironischerweise tut sie das nicht, als sie Bonnie eines Tages die vergessenen Schuhe in die Schule bringen will: sein Auto erfasst sie und die Großmutter stirbt.
Nun muss Bonnie alleine mit ihrer Mutter klarkommen, die nach dem Tod der Großmutter wieder eine depressive Phase hat. Zu allem Übel hat es nun auch Jorien vom Jugendamt auf Bonnie abgesehen und besteht darauf, dass Bonnie ins Kinderheim soll.

Doch Bonnie hat eine Idee: ein Brüderchen muss her! Der würde Leben in die Bude bringen. „Das kann doch nicht so schwer sein!“, sagt sie zu ihrer Mutter, denn immerhin: „Gibt es überall nette Männer, in der Werkstatt oder beim Fußball“.

Was folgt ist der lustige Versuch ihren Klassenlehrer mit allerlei Tricks mit ihrer Mutter zu verkuppeln. Die schöpft neuen Lebensmut und sucht sich selbst einen etwas schmiereigen Schuhverkäufer aus.

Bonnie hält ihn zwar für ziemlich blöd, aber für einen Bruder tut sie alles und unterhält sich deswegen sogar mit ihm über „Prada“-Schuhe.

Bonnie hält durch und schafft es gemeinsam mit ihrem besten Freund Koos einen Streit zu überwinden und sogar Jorien zu überlisten. . .

Meine Meinung

Der Film geht mit dem schwierigen Thema psychische Krankheiten mit einer wunderbaren Leichtigkeit um, ohne lächerlich und oberflächlich zu wirken.

Die Wendungen des Films bringen einen zum lachen, lassen aber auch nachdenklich werden und berühren - ohne ins mahnende oder betroffene abzugleiten.

Die Szenen sind sehr bunt und verspielt und unterstreichen damit sehr gut die kindliche Erzählperspektive. Untermalt wird das ganze mit der Musik von Dirk Bossé, der mal wunderbar-heiter, mal nachdenklich mit melancholischem Klavierspiel die Stimmungen sehr gut transportiert.

Autorin / Autor: isabelmaria - Stand: 16. April 2009