Lebenszeichen

Medienprojekt Wuppertal, 2007, 100 min., ab 12

Der Film läuft beim Festival

Wenn ich früher einmal über das Ritzen und selbstverletzendes Verhalten (SVV) die Schultern gezuckt oder gar gewitzelt hätte, so kann ich jetzt sagen, dass dies ein sehr ernst zu nehmendes Thema unserer heutigen Gesellschaft ist.
Über Menschen, die ritzen wird oft gelacht und ihre Probleme werden nicht ernst genommen. Doch so darf das eigentlich nicht sein. Selbstverletzendes Verhalten ist ebenso eine Sucht, wie Alkoholismus, Essstörungen oder Drogen.

Fünf Betroffene (meistens Mädchen) berichten von ihren Erlebnisse mit SVV.
Ich werde nicht näher auf die einzelnen Fälle eingehen, jedoch steht eines fest:
Alle dieser fünf Mädchen taten es nicht bloß, um Aufmerksamkeit zu bekommen – So das gängige Klischee. Nein, sie wussten nicht, wie sie ihre Gefühle und Trauer auf andere Weise ausdrücken konnten.

Jedes der Mädchen würde gerne damit aufhören, doch das ist sehr, sehr schwer. Der Weg zur Heilung ist holprig und lang.
Oft waren Auslöser des SVV familieninterne Probleme, Unterdrückung oder auch ein Experiment, das nach dem ersten Ausprobieren nicht abgestellt werden konnte, da der Schmerz "so schön und befreiend" war.

Meistens wird SVV geheim gehalten (bei einem sogar der Mädchen über 8 Jahre lang!!!), doch es muss nur eine aufmerksame und mutige Person den Betroffenen darauf ansprechen und die Sucht wäre kein Geheimnis mehr. Denn wie will man seine Probleme abstreiten und lügen, wenn die Arme von Narben übersät sind?

Bei vielen kommt ein Klinikaufenthalt in Frage, denn dort soll das Leben neu kennengelernt werden. In einer Klinik werden auch sogenannte "Skills" gesucht. Skills sind Fähigkeiten, mit denen man sich von den bösen Gedanken (sprich: Selvstverletzung) ablenken kann.

Bei der einen ist es die Lieblingsgeschichte, beim der anderen ein Massageball. Denn der lässt einen spüren, dass man "doch da ist." Man kann sehr viele Skills haben, doch leider ist für Betroffene das Ritzen –trotz, oder gerade WEGEN des Schmerzes- der einzige Weg sich zu spüren – zu merken, dass man noch lebt.

Eine der Mädels hatte zwei Suchten gleichzeitig: SVV und Bulimie. Das stelle ich mir sehr anstrengend und traurig vor, denn beide bestimmen den kompletten Alltag und setzen die Person psychisch sehr unter Druck. Ritzen und Kotzen wechseln sich ab, ein Teufelskreis...

Meine Meinung

Nach dem Anschauen dieses Films, der über selbstverletzliches Verhalten handelt, habe ich sehr profitiert. Auch ich habe einige Bekannte, die dieses Problem haben/hatten und konnte nun dieses Handeln und die Ursachen hierfür besser verstehen, wenn auch nicht ganz nachvollziehen...

Ich selbst könnte mich niemals selbst verletzen, doch das haben die Mädchen wahrscheinlich auch mal geglaubt...
Für mich war es auch eine Hilfe, da ich jetzt weiß, wie ich auf so etwas in Zukunft reagieren kann!

Autorin / Autor: nelly93 - Stand: 20. April 2009