GANGS
Die Ochsenknecht- Brüder in ihrem neusten Film über Straßenbanden in Berlin.
Die erste Szene: Berlin bei Sonnenaufgang. Flo (Jimi Blue Ochsenknecht) schießt ein Foto mit seiner Digi-Cam. Es ist das letzte, das er macht. Jeden Tag hielt er den Sonnenaufgang fest, 200 insgesamt. Für seinen Bruder Chris (Wilson Gonzales Ochsenknecht). Der kommt an diesem Tag aus dem Knast. Er wurde als Drogenkurrier erwischt. Seine Strafe hat er abgesessen, allerdings schuldet er Rico, dem Boss der Edelgang Killaz, noch 30.000 Euro.
Doch Chris hat Glück. Seine Freunde, alle mit ihm zusammen Mitglieder der Rox, stehen ihm bei der Geldbeschaffung zur Seite. Da wären Rambo (Michael Keseroglu), sein Kampfhund Eisen, der in brenzligen Situationen gerne mal den Schwanz einzieht, Nuri (Kai Michael Müller) und Jan (Jannis Niewöhner), der seiner Ex- Freundin Stella (Sina Tkotsch) immer noch hinterher läuft. Die tanzt zusammen mit der reichen Sophie (Emilia Schüle) Ballett. Als Flo Sophie kennenlernt verlieben sich die beiden schnell ineinander. Davon ist Chris gar nicht begeistert, schließlich soll sein kleiner Bruder ihm doch dabei helfen, dass Rico sein Geld bekommt. Sonst droht ihm Schlimmes.
Nun ist Flo hin und her gerissen zwischen seiner "Familie" und seiner Liebsten.
Die Story ist altbekannt und relativ leicht voraussehbar, was aber durch die beiden Protagonisten Jimi Blue und Emilia nicht weiter stört. Eher unfreiwillig sorgte sein Bruder Wilson Gonzales für viele Lacher. Er würde besser ganz bei seiner Musik bleiben. Wirklich amüsant hingegen ist die Rolle des Rambo, der die allzu dramatischen Szenen oft mit einem kleinen Spruch auflockert und somit dem Zuschauer viel Spaß bringt.
Die verschiedenen Straßengangs wirken mit ihren zu stilisierten Klamotten und der überzogenen Sprache eher lächerlich als realistisch. Die Sache mit der Realität zieht sich leider durch den gesamten Film. Nicht nur, dass in diesem Berlin offensichtlich keine Eltern existieren, bis auf Sophies erfolgssüchtige Mutter, das Geld scheint auch an Bäumen gewachsen. Die beiden männlichen Hauptrollen leben in einer Backsteinruine mitten in Berlin und das vollkommen unbemerkt von Polizei oder Jugendamt. Die Charaktere scheinen viel zu jung für einzelne Szenen und lassen es nicht zu, den Film ernst zu nehmen.
Es ist schade, dass sich "GANGS" nicht auf die teilweise wiklich guten Ansätze konzentriert. Der thematisierte Brüderkonflikt ist nämlich gar nicht so weit hergeholt. Wäre da doch nur nicht der kriminelle Hintergrund, der ziemlich schnell einfach nur noch absurd erscheint. Auch die Tatsache, dass Sophies Mutter davon überzeugt ist, aus ihrer Tochter müsste ein Star werden, nur weil es ihr nicht gegönnt war, ist näher am Alltag, als wilde Verfolgungsjagden auf Motorrädern.
Ein großes Plus sind die Schauplätze des Films. Nicht nur die Aufnahmen Berlins aus der Vogelperspektive, sondern auch kleine geheime Orte, die ein einfacher Tourist mit Sicherheit nicht findet, machen neugierig auf die Großstadt.
In der Mitte des Films werden Liebhaber der guten Kameraführung bedient. Eine Ballettvorführung wird mit langsamen Übergängen und gefühlvollen Perpektivwechseln harmonisch mit klassischer Musik ergänzt, die wiederum perfekt zum emotionalen Verlauf eines zeitgleichen Dialogs passt.
Diese Momente werten den ansonsten nicht überzeugenden Film enorm auf und brachten mich dazu, ihn doch nicht als komplette Zeitverschwendung zu sehen.
Dazu ist zu sagen, dass Ochsenknecht-Fans und eher anspruchslose Kinogänger durch die seichte Berieselung dennoch auf ihre Kosten kommen. Ich würde jedoch sagen: Mit 20 ist man definitiv zu alt für diesen Film!
Autorin / Autor: Nadja A. - Stand: 27. August 2009