Mach es!

Interview mit Melissa Wermke, 21, die nach ihrem Abitur ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Bergwaldprojekt absolviert hat.

*Wann bist du zum ersten Mal auf die Idee gekommen, dich zu engagieren?*
Das war ungefähr ein Jahr vor meinem Abi, als ich angefangen habe, Pläne für die Zeit danach zu machen. Für mich war klar, dass ich nicht im gleichen Jahr ein Studium oder eine Ausbildung beginne, weshalb ich viel im Internet nach Möglichkeiten geschaut habe, wie ich mein freies Jahr gestalten kann. Ich habe viele interessante Projekte im In- wie im Ausland gefunden, die mich gereizt haben.

*Du hast dann du ein freiwilliges ökologisches Jahr im Bergwaldprojekt absolviert. Wie bist du zum Projekt gekommen? Und wie auf die Idee, ein ganzes Jahr lang ehrenamtlich zu arbeiten?*
In den letzten Sommerferien meiner Schulzeit wollte ich einen anderen Urlaub machen und habe im Internet nach einer Art Workcamp gesucht. So bin ich auf das Bergwaldprojekt gestoßen, das mich direkt angesprochen hat. Ich habe meine beste Freundin gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, mitzukommen, und so haben wir uns dann für eine Projektwoche am Walchensee angemeldet. Von Anfang an war ich begeistert, von der Arbeit, von der Gruppe – einfach vom Projekt insgesamt.
Nach der Woche war für mich klar, dass das nicht meine letzte sin sollte. Da hat es natürlich gut gepasst, dass mir ein Mitarbeiter des Bergwaldprojekts erzählt hat, dass es ab dem nächsten Jahr eine FÖJ-Stelle geben soll. Ich hatte da noch keine festen Pläne für das nächste Jahr gemacht. Die Aussicht auf ein Jahr mit weiteren Projekten und tollen Menschen, wie ich sie in dieser Woche kennengelernt habe, haben mich nicht allzu lang überlegen lassen.

*Was waren deine Aufgaben im Projekt?*
Einen großen Teil der Zeit war ich in der Zentrale in Würzburg. Dort habe ich bei der Administration mitgeholfen, ein Fotoarchiv angelegt und Bilder jahrelanger Projektarbeit sortiert sowie eine Infotour geplant, bei der es mit einem ausgebauten Bus quer durch Deutschland ging, um dort auf Festivals und Messen die Leute über den Wald und die Arbeit des Bergwaldprojekts zu informieren. In regelmäßigen Abständen bin ich mit auf die Projektwochen gefahren. Dort war es meine Aufgabe, mit anderen ehrenamtlichen Gruppenleitern die Projektleitung zu unterstützen, also zum Beispiel kleinere Arbeitsgruppen im Wald anzuleiten, Werkzeug vorzubereiten, Frühstück zu machen und Ähnliches.

*Was möchte das Bergwaldprojekt erreichen? Was interessiert dich an diesem Thema? Und was ist dein ganz persönliches Ziel bei der Mitarbeit an diesem Projekt?*
Ich finde es toll, dass den Menschen eine Möglichkeit gegeben wird, den Wald hautnah zu erleben, und sie so zum Nach- oder auch Überdenken eigener Gewohnheiten gebracht werden und auf neue Ideen kommen. Dafür müssen keine großen Vorträge gehalten werden, die direkte Arbeit in der Natur reicht meist schon aus. Die Arbeit draußen gefällt mir auch sehr gut. In die Arbeiten wird man ausführlich eingewiesen, und die Hintergründe, die beispielsweise eine Fällung oder Pflanzung notwendig machen, werden erläutert. Neben dem Wissen über das Ökosystem Wald, das ich in diesem Jahr erlangt habe, fand ich es spannend, einen direkten Einblick in die Strukturen und die Hintergrundarbeit zu bekommen, die die Durchführung der Projektwochen erst möglich machen.

*Wie wird es für dich nach dem freiwilligen ökologischen Jahr weitergehen?*
Während des Jahres hatte ich unterschiedliche Ideen, wie es nach dem FÖJ weitergehen könnte. Gerade die »grünen« Studiengänge haben mich interessiert, da war es für mich von Vorteil, dass ich viel Kontakt zu verschiedenen Leuten hatte, die als Förster, Landschaftspfleger etc. tätig waren oder dies gerade studierten. Ich konnte Fragen stellen und habe Antworten aus direkter Hand bekommen, auch einige Unis und Hochschulen habe ich mir angeschaut. Wirklich sicher bin ich mir aber nicht, welches Studium oder welche Ausbildung es werden soll und ob es am Ende in die grüne Richtung geht. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mir noch ein Jahr zu nehmen, in dem ich Praktika machen, arbeiten und reisen möchte, um weitere Einblicke zu bekommen und mir Zeit für mich und meine Entscheidung zu nehmen. Das Bergwaldprojekt will ich weiterhin auf jeden Fall als Gruppenleiterin in Projektwochen unterstützen, wobei es dieses Jahr zeitlich schwierig werden könnte.

*Erinnerst du dich an ein ganz besonderes Erlebnis bei der Mitarbeit am Projekt?*
Die meisten schönen und außergewöhnlichen Momente habe ich während der Arbeit im Wald erlebt. Den ersten Baum pflanzen, den ersten Baum fällen, über den Steig gehen, den man den Tag über mühevoll mit der Gruppe in den Hang gehauen hat. Auch zu sehen, wie innerhalb weniger Tage eine Gruppe unterschiedlicher, sich fremder Menschen zu einer Gemeinschaft wird, fand ich jedes Mal aufs Neue toll.

*Was gefiel dir nicht so gut an deinem freiwilligen ökologischen Jahr oder am Ehrenamt generell?*
Da fällt mir eigentlich nichts ein. Ich war mit meiner Stelle beim Bergwaldprojekt mehr als zufrieden und habe von Leuten, mit denen ich mich über meine Arbeit unterhalten habe, meist positive Rückmeldungen bekommen. Von einigen kam auch Unverständnis darüber, dass man so etwas freiwillig macht oder dass das eh alles nichts bringen würde. Solche Aussagen waren nervig, kamen aber nicht häufig vor.

*Was würdest du jemandem raten, der oder die noch unentschlossen ist, was das Engagement angeht?*
Mach es! Gerade das FÖJ gefällt mir von seinem Aufbau mit den fünf Seminaren, auf denen man FÖJler anderer Einsatzstellen trifft und sich austauschen kann, wirklich gut, und ich habe während des Jahres tolle Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen. Besonders nach der Schulzeit würde ich jedem raten, ein freiwilliges Jahr zu machen, sei es ökologisch, sozial oder
kulturell – da gibt es ja viele Möglichkeiten. Es ist ein Jahr, in dem man sich ehrenamtlich für etwas engagiert, dies meiner Meinung nach aber mindestens in gleichem Maße zurückbekommt und ziemlich viel für sich »mitnehmen« kann.

Melissa Wermke, 21, hat nach ihrem Abitur ein freiwilliges ökologisches Jahr beim Bergwaldprojekt absolviert. Für die Zeit danach hat sie viele Pläne: ein Praktikum in einer Schäferei, eine Reise nach Kanada und vielleicht ein Studium der Waldorfpädagogik. Sie liest und kocht gern, treibt Sport und interessiert sich für Fremdsprachen. Am liebsten ist sie mit ihrer Familie oder Freunden in den Bergen oder am Meer.

Der Text ist dem Buch "Jetzt tu ich was" entnommen (Beltz & Gelberg).

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Autorin / Autor: Melissa Wermke, (C) Beltz & Gelberg