Geförderte Massentierhaltung

BUND fordert: Subventionen für Fleisch sollen an Umweltfreundlichkeit geknüpft werden

Wie kommt es, dass ein Burger aus Fleisch oft billiger ist als ein vegetarischer? Wieso kostet das Kilo Hähnchen weniger als ein Kilo Paprika? Eigentlich kann das doch nicht sein, denn um ein Kilo Fleisch herzustellen, wird doch weitaus mehr Energie benötigt als für die Ernte eines Kilos Gemüse. Ein Grund liegt in den Agrarsubventionen, das sind Gelder die der Staat an bäuerliche Betriebe zahlt.

Nach Recherchen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind in Deutschland in den Jahren 2008 und 2009 jeweils über eine Milliarde Euro an solchen Agrarsubventionen in die industrielle Massentierhaltung von Schweinen und Geflügel geflossen. Knapp 20 Millionen Euro gingen jährlich, meist in Form von Exportsubventionen, direkt an die zehn größten Schlachtfirmen.

Kritik an dieser Praxis äußerte jetzt die Umweltorganisation BUND und forderte einen sofortigen Stopp der Subventionen für die Fleischindustrie. Die pauschale Vergabe der Zuschüsse schade der Umwelt und sei unfair gegenüber Fleischerzeugern, die ökologisch und besonders tiergerecht produzieren wollen, so der Vorwurf. Die Gelder würden außerdem dazu beitragen, dass viel zu viel Fleisch produziert werde. Inzwischen werde statistisch jedes zehnte in Deutschland geschlachtete Schwein ins Ausland exportiert; auch bei Geflügel bestehe eine Überproduktion.

"Die Massentierhaltung schadet dem Klima und der Artenvielfalt, belastet durch Überdüngung die Gewässer und setzt Tiere unnötigen Leiden aus. Der hohe Antibiotikaeinsatz stellt ein Gesundheitsrisiko dar und das aus den Stallanlagen austretende Ammoniak beeinträchtigt Anwohner und Umwelt. Die Agrarsubventionen verschärfen diese Probleme noch und fördern zudem Konzentrationsprozesse bei Mast- und Schlachtbetrieben, womit Arbeitsplätze verloren gehen. Die pauschale Subventionierung der Massentierhaltung muss deshalb durch eine gezielte Förderung besonders nachhaltiger Fleischerzeugung und regionaler Verarbeitung ersetzt werden." erklärt Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender.

Um eine nachhaltige und tierschutzgerechte Erzeugung von Lebensmitteln zu fördern, müssten die Gelder künftig an strengere Umwelt- und Tierschutzstandards gebunden werden, als sie derzeit in Deutschland gelten, forderte der BUND-Vorsitzende. Zwar plane die EU-Kommission, künftig ein Drittel der Zahlungen davon abhängig zu machen, ob Umweltschutzmaßnahmen getroffen werden, der BUND hält dies aber nicht für ausreichend, da nichts gegen Monokulturen und die Vernichtung artenreichen Weidelands getan werde. Auch Tierschutzkriterien fehlten bisher völlig.

Jochen Dettmer, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Landwirtschaft: "Agrarbetriebe, die Geld vom Staat erhalten wollen, sollten künftig etwas dafür tun müssen. Für den Klima-, Arten- und Gewässerschutz muss die Abhängigkeit von Importen an Soja verringert werden, das ganz überwiegend gentechnisch verändert ist."  Jeder Betrieb, der Geld vom Staat erhalte, müsse zehn Prozent seiner Betriebsfläche als Schutzfläche für die Artenvielfalt zur Verfügung stellen. Wiesen und Weiden dürften keinesfalls ersatzlos umgepflügt werden. Monokulturen und zu kurze Fruchtfolgen auf Ackerland müssten ein Ausschlusskriterium für Subventionen sein, so die BUND-Forderungen.

Laut BUND, stehe den Bauern in Deutschland sogar eine Milliarde Euro pro Jahr zur Verfügung, um ihre Landwirtschaft auf mehr Tier- und Umweltschutz in der Nutztierhaltung umzustellen. Daher seien Bund und Länder seien jetzt gefordert, ihren Anteil an den Subventionen an hohe Tier- und Umweltschutzkriterien zu binden. Als vorbildlich nannte die Umweltorganisation die Fleischerzeuger des Verbandes Neuland.

Zum Thema Bau von Massentieranlagen forderte BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning, die BürgerInnen bei der Genehmigung neuer Mastanlagen mit ein zu beziehen. Es dürfe nicht sein, dass gegen den Willen der Betroffenen vor Ort mit weiteren Massentierhaltungsanlagen die Überproduktion noch verschärft werde. "Auch wenn das zuviel produzierte Fleisch anschließend exportiert wird, so verbleiben Gülle, Abfälle, Verkehrslärm und Emissionen in der Region, wo produziert wird und beeinträchtigen dort die Umwelt und die Gesundheit der Menschen und Tiere."

Die Produktion von Schweinefleisch und Geflügel in Deutschland steigt seit Jahren stetig an. Es wird hier weit mehr Fleisch produziert als gegessen, der Rest wird zunehmend in Drittländer außerhalb Europas exportiert. Neubau und Ausweitung der Groß-Ställe sind gesellschaftlich umstritten. Abgesehen von mangelndem Tierschutz werden auch Gewässerbelastungen durch Überdüngung beklagt, Geruchsbelästigungen und pathogene Keime (Bioaerosole) insbesondere aus Großmastanlagen. Darüber machen viele Umweltorganisationen die industrielle Fleischerzeugung für Lebensmittelskandale und Seuchen verantwortlich.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung, - Stand: 31. August 2011