Wohin geht die Reise?
Urlaub in Thailand, Wochenend-Shopping in New York oder Freiwilliges Soziales Jahr in Bolivien... Welche Folgen haben Fernreisen für unser empfindliches Klima?
Urlaub in Thailand, Wochenend-Shopping in New York oder Freiwilliges Soziales Jahr in Bolivien – uns stehen heute nahezu unbegrenzte Reisemöglichkeiten offen. Immer häufiger gehen die Reisen auch in so genannte Entwicklungsländer. Doch welche Folgen haben die Fernreisen für unser empfindliches Klima? Immer öfter taucht das Stichwort "nachhaltiger Tourismus" auf. Worum geht es da eigentlich?
Wann ist Tourismus nachhaltig?
Das so genannte Nachhaltigkeitsprinzip wurde schon 1992 in der Agenda 21, einer Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung, beschlossen. Nachhaltig ist Tourismus dann, wenn er der biologischen Vielfalt und der Umwelt nicht schadet, keine wertvollen Ressourcen verschwendet und wenn er soziale Gerechtigkeit fördert - beispielsweise, indem in Hotels Einheimische arbeiten und keine billigeren Arbeitskräfte aus ärmeren Nachbarländern. Kurz gesagt will der nachhaltige Tourismus die kulturelle und ökologische Vielfalt unserer Erde für nachfolgende Generationen erhalten.
Umweltbewusste Menschen reisen mehr als weniger umweltbewusste
Was logisch klingt, ist oft schwer umzusetzen. Zwar versuchen schon viele Menschen, im Urlaub lokale Produkte zu kaufen und in Hotels zu wohnen, die nachhaltig und umweltfreundlich wirtschaften, doch verzichten noch wenige Reisende auf die Flugreise nach Marokko oder die bequeme Autofahrt nach Italien. 2008 hat eine Studie von Tourismuswissenschaftlern der FH Eberswalde und der Verbraucherinitiative gezeigt, dass umweltbewusste Menschen sogar mehr reisen als weniger umweltbewusste. Die vielen so genannten Billigflieger unterstützen diese Tendenz noch.
Tourismus als Täter und Opfer des Klimawandels
Laut Forschern des nachhaltigen Tourismusmanagements der FH Eberswalde trägt der weltweite Reiseverkehr heute schon mit etwa fünf Prozent zum Klimawandel bei. Die oft sehr langen Anfahrtswege ins ferne Urlaubsland - die nicht selten per Flugzeug bestritten werden – produzieren hohe Mengen an Treibhausgasen, die den Klimawandel vorantreiben. Auch der Hotelbau, deren Klimaanlagen und enormer Wasserverbrauch für Pools, Hotelwäsche und die Gastronomie tragen zur Ausbeutung der Natur bei. Allein an den Küsten des Mittelmeers sind durch den Bau von Hotels zwischen 1900 und 1990 40 bis 80 Prozent der Dünen verschwunden, berichtet das Bundesumweltministerium. Doch der Tourismus ist nicht nur Mitverursacher des Klimawandels, er ist gleichzeitig auch Betroffener. Denn wenn unberührte Landschaften, Wälder und Sandstrände, Tier- und Pflanzenarten verschwinden, gehen dem Tourismus auch beliebte Reiseziele verloren.
Urlaub in Entwicklungsländern auf dem Vormarsch
Dabei gehen immer mehr unserer Reisen in Entwicklungs- oder Schwellenländer. Schon 2005 haben 7,7 Millionen Deutsche Entwicklungsländer bereist - mit steigender Tendenz. Für diese Länder ist der Tourismus oft eine wichtige Einnahmequelle, auch wenn die Wirtschaft vor Ort meist viel weniger am Tourismus verdient als die Reisebüros und -veranstalter der Urlauber. Genau dort setzt der nachhaltige Tourismus an.
Ein positives Beispiel ist die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, die weltweit mit etwa 50 Projekten die touristische Entwicklung fördert, sich um soziale und ökologische Standards bemüht und so die einheimische Wirtschaft unterstützt und Natur erhält. So bleiben laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung inzwischen etwa 20 Prozent der Urlaubsausgaben im Zielland. Entwicklungsländer, denen außerdem oft das Geld für eine ausgebaute Infrastruktur, für Strom- und Wasserversorgung oder ein zuverlässiges Informationsnetz fehlt, profitieren auch in dieser Hinsicht von der Entwicklung des Tourismus.
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Wie sieht die Zukunft des Reisens aus?
Immer mehr Reiseveranstalter engagieren sich inzwischen auch dafür, Ausgleichsmöglichkeiten für den CO2-Ausstoß des Flugverkehrs zu schaffen. Doch all diese Maßnahmen werden nicht ausreichen, meint Wolfgang Strasdas, Professor für nachhaltiges Tourismusmanagement an der FH Eberswalde. Er ist überzeugt, dass wir Energie teurer machen müssen, wenn wir unsere natürlichen Ressourcen und unsere Umwelt bewahren wollen. Letztendlich müssten wir also weniger fliegen und vielleicht ein Mal vier Wochen statt zwei Mal zwei Wochen Urlaub machen. Oder wieder einmal mit dem Zug an die Ostsee fahren. Klingt doch auch nicht schlecht, oder?

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Autorin / Autor: mitmischen.de - Stand: 23. Februar 2010