Verdrängte Jugend

Bayerischer Jugendring beklagt Ausgrenzung von Jugendszenen aus dem öffentlichen Raum

Während Einkaufszonen ohne konsumierende Jugendliche ganz schön leer wären, sind "rumhängende" Jugendgruppen in Innenstädten unerwünscht und werden von vielen zunehmend als Bedrohung empfunden. Nachrichten über "randalierende Banden" und gewalttätige Übergriffe an Bahnhaltestellen schüren immer mehr Ängste vor jungen Leuten. Kein Wunder, dass der Eindruck entsteht, die Jugendgewalt habe zugenommen und Jugendliche stellten prinzipiell eine potentielle Gefahr im öffentlichen Raum dar. Immer öfter werden daher Treffpunkte von Jugendgruppen aus Innenstädten "ausgelagert" und stattdessen an Orte am Rande der Öffentlichkeit verdrängt, nicht selten in irgendwelche Gewerbegebiete weit draußen. Dagegen wehrt sich nun der Bayerische Jugendring (BJR) und fordert ein gleichberechtigtes Miteinander der Generationen auf öffentlichen Plätzen in Städten und Gemeinden. Der Wunsch nach Ordnung und Sicherheit habe vielerorts dazu geführt, dass öffentliche Plätze zur Tabuzone für Jugendkulturen geworden sind.

Die Angst vor Kriminalität entkräften sie mit aktuellen Daten des bayerischen Landesamts für Statistik: "Junge Menschen begehen seit Jahren immer weniger Straftaten". Auch wenn Jugendliche in ihren oft szenetypischen Inszenierungen und durch ihr Auftreten in Gruppen bisweilen als provozierend oder bedrohlich wahrgenommen würden, fänden sich reale Gewaltpotentiale nur bei einem äußerst geringen Teil, argumentiert der Jugendverabnd weiter.

Jugendliche haben ein Recht auf Präsenz im öffentlichen Raum

Jugendliche sollten nicht länger als Problemfaktor im öffentlichen Raum erklärt und an den Rand gedrängt werden. Sie hätten ein Recht auf Präsenz im öffentlichen Raum, da er ein wesentlicher Lernort für Jungen und Mädchen im Rahmen ihrer Sozialisation und Identitätsbildung sei, erklärt Matthias Fack, Präsident des BJR.

Der BJR wünscht sich, dass Jugendliche als NutzerInnen des öffentlichen Raums wieder vorgesehen und erwünscht sind und dass die Politik sie in Planungsprozesse einbezieht. Denn Jugendszenen und -kulturen könnten schließlich Städte und Gemeinden beleben. "Allerdings wären mehr und bessere Beteiligungsangebote für junge Menschen bei der Gestaltung öffentlicher Räume und öffentlicher Belange nötig. Und soviel ist klar: ernst gemeinte Partizipation beinhaltet auch die Bereitschaft zur Umsetzung der Planungen. Beteiligung muss Folgen haben“, forderte Matthias Fack.

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung ; - Stand: 26. Oktober 2011