Verbot von Facebookpartys?

Gewerkschaft der Polizei ist dagegen: "Flashmobbing gab es auch im Vor-Facebook-Zeitalter"

Während Facebook im arabischen Frühling eine sehr politische Rolle spielte und junge Menschen gegen reaktionäre Regierungen auf die Straße brachte, nutzen die deutschen Jugendlichen das soziale Netzwerk offenbar immer häufiger dazu, zu öffentlichen Saufgelagen, Prügel-Orgien oder sonstigen ausufernden Partys aufzurufen - so jedenfalls wird es häufig in der Presse dargestellt. Dass es nur wenige Partys sind, die derart ausufern, geht dabei schnell unter - kein Wunder, dann friedliche Grill-and-Chill-Happenings sind ja keiner Schlagzeile wert. Dennoch ließen sich in den letzten Tagen immer mehr Innenminister dazu hinreißen, ein generelles Verbot von Facebook-Partys zu fordern, was nicht nur in der Netzgemeinde zu großem Widerstand führte. Auch bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kommt dieser Vorschlag nicht besonders gut an. Wie sie heute in einer Pressemitteilung bekannt gab, bezweifelt die GdP, dass ein solches Verbot rechtlich Bestand hat und geeignet ist, solche spontanen Zusammenkünfte zu unterbinden. GdP-Vorsitzender Bernhard Witthaut argumentierte, dass die Polizei auch ohne gesetzliches Verbot die Möglichkeit hätte, ein solches Treffen aufzulösen.

*Öffentliche Partys gab es auch schon vor Facebook*
Auch vor dem Facebook-Zeitalter habe es schon Flashmobbing gegeben, die Palette reiche vom fröhlichen Studentenulk bis hin zur Alkohol- und Gewaltorgie. Wichtig sei vielmehr klar zu machen, so Witthaut, dass solche Massenpartys für Verursacher wie für Teilnehmer gefährlich und teuer werden können. Witthaut: „Was fröhlich beginnt, kann unter exzessivem Alkoholkonsum gewalttätig werden, auch Panik kann ausbrechen und Verletzte oder sogar Tote fordern. Werden Verursacher von Schäden, Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten festgestellt, hat auch das unangenehme Konsequenzen, wenn Kosten von Polizei-, Feuerwehr- oder Rettungseinsätzen, bis zur Müllentsorgung in Rechnung gestellt werden.“

Mit Alkoholexzessen, Lärmbelästigungen und Vandalismus habe die Polizei auch ohne Facebook wöchentlich zu tun. Witthaut: „Leider ist das exzessive Trinken in der Öffentlichkeit mittlerweile gesellschaftsfähig. Dagegen traut sich wohl niemand, etwas zu unternehmen.“

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung; - Stand: 5. Juli 2011