Räumliches Denken? Erziehungssache!

Warum Männer nicht naturgegeben besser einparken können.

Dass Frauen ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen haben, ist ein weit verbreitetes Klischee, an dem möglicherweise weniger dran ist, als so manch männliches Einparkwunder glaubt.
Wie amerikanische Wissenschaftler in einer Untersuchung zeigen konnten, ist das räumliche Denken nämlich eher Erziehungssache als naturgegeben.

In ihrer Studie untersuchten die ForscherInnen das räumliche Denken zweier indischer Stämme, die genetisch eng miteinander verwandt sind. Aufgrund ihrer genetischen Ähnlichkeit konnte davon ausgegangen werden, dass sie ähnliche biologische Voraussetzungen hatten. Allerdings gab es zwischen den beiden Stämmen entscheidende gesellschaftliche Unterschiede: In einem der Stämme hatten die Männer das Sagen, in dem anderen gaben die Frauen den Ton an.
Die Testpersonen aus beiden Gruppen sollten in vier Teile zerschnittene Bilder wieder zusammensetzten - so schnell wie möglich. Für das schnelle Lösen des Puzzles gab es als Anreiz eine Geldbelohnung.

In der männlich geprägten Gruppe gelang es den Männern deutlich besser, das Puzzle schnell zu lösen. Sie brauchten im Durchschnitt 42 Sekunden, während die Frauen über 50 Sekunden benötigten. In der Gruppe, in der eher die Frauen das Sagen hatten, lösten Männer und Frauen das Puzzle nahezu gleich schnell.

Für die Forscher ist das ein Hinweis, dass die Bildung offenbar einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung räumlichen Vorstellungsvermögens hat. Denn in der männlich orientierten Gesellschaft genossen die Männer eine deutlich längere Ausbildung als die Frauen, während in dem weiblich geprägten Stamm Männer und Frauen etwa gleich lang ausgebildet wurden.

Die ForscherInnen glauben, dass geschlechtsbedingte Unterschiede im räumlichen Denken sich durch gleichberechtigte Bildungschancen ausgleichen lassen könnten.

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Autorin / Autor: Redaktion, - Stand: 31. August 2011