E-Sport
Weltfremd und naiv - so oder so ähnlich stellt man sich den typischen Gamer vor. kundalini geht der Frage nach, wie dieser wirklich aussieht.
Chatten zwei Gamer miteinander. Schreibt der Eine dem Anderen: „Hey, hab heute was total Cooles gehört… heißt Real Life und soll total realistisch sein!“ Antwortet der Andere: „Schick mir mal den Link…“ So, oder wenigstens so ähnlich, stellt man sich den typischen Gamer vor: Ein bisschen weltfremd und naiv. Meistens trägt er eine Brille, und sportliche Aktivitäten meidet er systematisch. Doch wie die meisten Vorurteile, treffen auch diese bei Weitem nicht immer zu: Gerade Spiele, die Team Play erfordern, wie Dota oder "World of Warcraft" (WoW) werden beliebter. Und auch Gamer treffen sich im „Real Life“, ob auf LAN-Partys, Messen wie der Games Convention oder auf E-Sport-Turnieren.
Was ist E-Sport?
E-Sport ist die Abkürzung für „Electronic Sports“. Dabei tragen zwei Spieler oder zwei Teams Computerspiele gegeneinander aus. Obwohl in vielen Ländern schon eigene Ligen existieren, ist E-Sport in Deutschland noch nicht als eine Sportart anerkannt. Bekannte Spiele, die in international ausgetragen werden, sind zum Beispiel FIFA, CS, LoL oder Dota. Prinzipiell sind aber alle kompetitiven Computerspiele mit Mehrspielermodus E-Sport tauglich.
Was macht ein E-Sportler?
Professionelle Spieler sind meist in Mannschaften, sogenannten Clans, organisiert. Wie beim Fußball werben erfolgreiche Clans Sponsoren und nehmen an nationalen und internationalen Meisterschaften teil. Neben sehr viel Übung brauchen E-Sportler eine gute Hand-Augen-Koordination und ein ausgezeichnetes Reaktionsvermögen. Die Ansprüche variieren jedoch von Spiel zu Spiel. Viele Spiele werden online ausgetragen, in der Champions League reisen Spieler jedoch auch zu den Veranstaltungen. Aber auch Freizeit-Spieler sind oft in Gruppen organisiert. Das bekannteste Beispiel hierfür sind die Gilden in World of Warcraft (WoW).
Kritik am E-Sport
Neben dem Vorwurf, einige Spiele wie Counterstrike förderten Aggressionen und Gewaltbereitschaft unter Spielern, haften der E-Sportszene noch immer viele Vorurteile an. Die von einigen Medien geschürte Angst, Jugendliche könnten über Computerspiele in eine Fantasiewelt flüchten, ist zum Beispiel stark verbreitet. Experten sprechen außerdem von einem Suchtpotenzial bei bestimmten Online-Spielen und warnen davor, exzessiv zu spielen. Wie viele Menschen in Deutschland spielesüchtig sind, ist jedoch stark umstritten.
Was fasziniert mich am E-Sport?
Zugegeben, als ich das erste Mal ein Dota2-Spiel gesehen habe, war ich ziemlich verwirrt. Auf den ersten Blick sieht man nur verpixelte Figuren, die ohne erkennbares Ziel über den Bildschirm huschen. Nach einiger Zeit aber, vor allem dank des gutgelaunten Kommentators, hatte ich das Spielprinzip verstanden und war plötzlich neugierig, welches Team gewinnen würde. Besonders der lockere Ton unter den Spielern hatte mich begeistert. Anders als in anderen Sportarten steht für die meisten noch der Spaß und nicht der Sieg im Vordergrund. Viele Profispieler übertragen auch in ihrer Freizeit ihre Übungsspiele, chatten mit Fans und geben hilfreiche Tipps. Da rund um die Uhr Spieler online sind und man die Streams kostenlos schauen kann, ist es spannend, ihnen einfach mal über die Schulter zu sehen. Dazu kommt, dass es die Streams auf mehreren Sprachen gibt. Besonders die englischen Streams sind unterhaltsam und haben mir sogar schon zu einer besseren Englischnote verholfen.
Wie sieht die Zukunft des E-Sports aus?
Ob E-Sport sich langfristig als Sportart etablieren kann, hängt stark vom öffentlichen Interesse, aber auch den Vorstellungen der Spieler ab. Einige Spieler sehen die zunehmende Professionalisierung nicht als Fortschritt, sondern als Problem. So wird dem Deutschen eSport Verband (DeSpV) vorgeworfen, zu kommerziell orientiert zu sein und die Sportart zu wenig zu fördern. Denn sowohl Software- als auch Hardwareentwickler haben Interesse an der Verbreitung des Sports und dessen Vermarktung. Trotzdem glaube ich, dass der E-Sport in Deutschland auf einem guten Weg ist. Gerade weil es noch vergleichsweise wenig Profis und Organisatoren gibt, können Fans und Freizeitgamer auf die Entwicklung des E-Sports Einfluss nehmen, sodass vielleicht auch in Zukunft der Spielspaß mehr als Geld zählt.
Autorin / Autor: kundalini - Stand: 1. Februar 2012