Die vergessene Mauer

Deutscher Lehrerverband fordert mehr Geschichtsbewusstsein

Was war der antifaschistische Schutzwall und was hat man sich unter Vopos vorzustellen? Was passierte am 17. Juni 1953? Wer war Erich Honecker und was bedeuten die Abkürzungen DDR, SED und  NVA? Und warum wurde die Mauer überhaupt gebaut?

Einige Fragen lassen sich eventuell noch leicht beantworten, doch viel wissen wir vermutlich nicht mehr über die DDR (Deutsche Demokratische Republik), wenn wir nicht selbst in ihr aufgewachsen sind oder einen guten Geschichtslehrer haben. Genau dies bemängelt nun auch der Deutsche Lehrerverband (DL) und fordert anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August, dass das Thema in Schulen intensiver behandelt werden müsse. „Das zeitgeschichtliche Wissen der jungen Generation ist erschreckend dürftig. Es breitet sich mehr und mehr ein zeitgeschichtlicher Analphabetismus aus", sagt Josef Kraus, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes. Und auch Rainer Eppelmann, der  Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur betont: „Die Geschichte der deutschen Teilung und der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland muss zu einem gesamtdeutschen Thema werden“. Sowohl Kraus als auch Eppelmann fordern daher, dass gerade junge Menschen, die nicht selbst im geteilten Deutschland aufgewachsen sind, sondern erst nach der Wiedervereinigung geboren wurden, in der Schule verstärkt Informationen zu diesem zeitgeschichtlichen Thema bekommen.

Besonders kritisiert Kraus den in Deutschland vorhandenen Umgang mit dem Fach Geschichte: „Der Geschichtsunterricht nimmt in vielen Bundesländern zu wenig Unterrichtszeit ein. Im Vergleich zu den sogenannten Kernfächern und den zweifellos wichtigen MINT-Fächern wird das Fach Geschichte mit durchschnittlich zurzeit nur 1,3 Wochenstunden sträflich vernachlässigt. Das Fach Geschichte muss in den weiterführenden Schularten aller Bundesländer wieder ein eigenständiges, zweistündiges Fach werden." Weiterhin betont er, dass das Erlangen von Fachwissen im Geschichtsunterricht gefördert werden solle, da es nur so möglich sei, Ereignisse in einen historischen Kontext einzuordnen.

Rainer Eppelmann sagt, Schulen müssten das vorhandene Material zu zeitgeschichtlichen Themen stärker nutzen: "Für den Schulunterricht stehen eine Vielzahl von Bildungsangeboten, Ausstellungen, Publikationen und Filmen zur Verfügung. Insbesondere Zeitzeugenarbeit ist ein hervorragendes Instrument, um junge Leute für das Thema zu sensibilisieren. Bundesweit wird so ein besonders lebendiger Unterricht möglich."

Autorin / Autor: Anika Krüger - Stand: 15. August 2011