Das Wutventil

Beten gegen den Frust

Bist du auch manchmal richtig wütend? Du hast in der Schule eine schlechte Note bekommen oder hast dich mit einer Freundin gestritten? Was machst du dann? Gehst du in den Wald und schreist deine Wut hinaus oder tobst du dich beim Sport aus? Wir haben jetzt eine Alternative: Beten. Klingt erst mal seltsam, oder? Ich geh eigentlich nie in die Kirche, warum sollte ich jetzt beten?!? Doch durch Beten kannst du deine Wut bändigen. Das ist das Ergebnis von drei Studien, die von der University of Michigan, der Ohio State University und der VU Universität in Amsterdam durchgeführt wurden. In der Studie wurden die Teilnehmer von einem Fremden beleidigt. Wenn sie allerdings kurz danach für eine andere Person gebetet haben, ließ ihre Wut nach. Wer jetzt denkt, dass irgendein Gott eingegriffen hat, muss damit nicht richtig liegen. Der eigentliche Grund liegt darin, dass wir durch das Beten eine negative Situation anders bewerten. Beten hilf uns mit Wut umzugehen, da die Sicht auf das negative Ereignis verändert wird und man das Ganze weniger persönlich nimmt. Dabei hat Beten in diesem Sinne nichts mit Religion zu tun, sondern beruhigt Menschen egal ob katholisch, evangelisch, Kirchgänger oder nicht.

*Studie 1*
In der ersten Studie wurde bei den Studenten zu erst ihr Aggressionsniveau mit verschiedenen Fragen gemessen. Danach musste sie einen Aufsatz über ein Ereignis schreiben, das sie sehr wütend gemacht hat, das dann einem Unbekannten zur Korrektur gegeben wurde. Von diesem „Unbekannten“ erhielten alle Teilnehmer die gleiche Antwort: „Das ist der schlechteste Aufsatz, den ich jemals gelesen habe!“ Nachdem die Teilnehmer auf diese Weise wütend gemacht wurden, wurde ihnen ein Zeitungsartikel einer krebskranken Studentin gegeben, in die sie sich hineinversetzen sollten. Nun wurden sie aufgefordert, entweder fünf Minuten für die Studentin zu beten oder nur an sie zu denken. Zum Abschluss wurde noch einmal ihr Wutlevel gemessen, der durch die Provokation natürlich höher war als zu Beginn des Versuchs. Allerdings war er bei denjenigen, die gebetet hatten, viel niedriger.

*Studie 2*
In der zweiten Studie schrieben die Studenten ebenfalls einen Aufsatz, der bewertet wurde. Sie waren aber unterteilt in zwei Gruppen. Die erste schrieb über ein negatives Ereignis und erhielt ein negatives Feedback, die zweite Gruppe schrieb über etwas Neutrales und erhielt ein positives Feedback. Nun mussten die Studenten entweder fünf Minuten für den unbekannten Korrektor beten oder an ihn denken. Zum Abschluss sollten die Teilnehmer nun in einem Reaktionstest gegen den unbekannten Korrektor antreten. Wenn sie gewannen, konnten sie bestimmen, wie laut und lange ihr Gegner über Kopfhörer mit Lärm beschallt wurde. Das Ergebnis war eindeutig: Wer nicht gebetet hatte, reagierte aggressiver.

*Studie 3*
Bei der dritten Studie wurde, wie in den vorigen, ein Teil der Gruppe verärgert, der andere nicht. Dann wurden sie gebeten, entweder fünf Minuten für eine Person, die sie kannten und die Hilfe brauchte, zu beten oder an sie zu denken. Zum Schluss mussten sie die Wahrscheinlichkeit von zehn Ereignissen einschätzen. Die eine Hälfte der Ereignisse war durch Personen verursacht, die andere durch Situationen. Dabei wurde eine andere Studie berücksichtigt, die herausfand, dass wütende Menschen die Verantwortung für Ereignisse bei anderen Personen suchen. Das Ergebnis zeigte, dass Studenten, die provoziert wurden und nur an eine Person gedacht hatten, die Situationen negativer einschätzten.

Somit zeigen alle drei Studien, dass wir durch Beten unsere Wut und Aggressionen beruhigen können. Allerdings funktioniert das Ganze nur bei unterstützenden Gebeten, rachsüchtige sorgen nur für noch mehr Wut. Was die Forscher allerdings nicht untersucht haben, ist, ob die Gebete Auswirkungen auf die Personen haben, für die gebetet wurde. Trotz allem gilt wohl die alte Weisheit: Bete für deine Feinde! Denn, obwohl wir nicht wissen, ob es ihnen etwas bringt, deine eigenen negative Gefühle kannst du damit beruhigen :-)

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Autorin / Autor: Sabrina Moosmann; - Stand: 23. März 2011