"Alte Vorurteile sind teilweise noch sehr lebendig"

Maria Hoyer, Bundessiegerin "Jugend forscht" 2008

Vergangenes Jahr hat Maria Hoyer, damals Abiturientin am Gymnasium Gröbenzell in Bayern, beim Bundeswettbewerb "Jugend forscht" den ersten Preis im Bereich Chemie gewonnen. Die 19-Jährige studiert mittlerweile an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) Chemie und Biochemie im ersten Semester und sprach mit abi>> über Farbstoffe, Forschung und Vorurteile.


abi>>: Was ist deiner Meinung nach das Faszinierende an Naturwissenschaften?

Maria Hoyer: Die Wahrheit. Mit jeder wissenschaftlichen Erkenntnis gewinnt man ein Stück Wahrheit über uns und unsere Welt. Das ist ziemlich wertvoll, angesichts der vielen verschiedenen Ansichten, die Religion und Politik so zu bieten haben.

abi>>: Wie kam es zur Teilnahme bei "Jugend forscht"?

Maria Hoyer: Wir haben in der 9. Klasse mikroskopiert, was mich sehr fasziniert hat. Da wir zu Hause ein altes Mikroskop hatten, habe ich dort weitergemacht und kam schließlich zur Fluoreszenzmikroskopie , was mein erstes Projekt bei "Jugend forscht" war.

abi>>: Insgesamt hast du dann ja dreimal mitgemacht und deine Ideen jeweils weiterentwickelt. Was, glaubst du, braucht man als guter "Forscher"?

Maria Hoyer: Neugier natürlich, und eine hohe Frustrationstoleranz, schließlich läuft es nicht immer so, wie man sich das denkt. Dann kommt es aber darauf an, dass man das Ergebnis nicht sofort als falsch oder schlecht ansieht, dass man nicht stur an der eigenen Idee festhält, sondern versucht, andere Erkenntnisse daraus zu ziehen, neue Hinweise zu gewinnen.

abi>>: Kannst du in einfachen Worten erklären, was genau du bei "Jugend forscht 2008" gemacht hast und wie du auf diese Idee gekommen bist?

Maria Hoyer: Mein Projekt hieß "Fluoreszenzpolarisation - Drehungen im Gigahertzbereich". Dabei habe ich mein selbst gebautes Fluoreszenzmikroskop weiterentwickelt und verbessert. So bin ich schließlich auch zur Fluoreszenzpolarisation gelangt - das ist ein physikalischer Effekt, mit dem man zum Beispiel etwas über die Größe von Farbstoffen oder sogar etwas über ihre Umgebung aussagen kann, etwa ob sie irgendwo eingelagert sind oder frei in der Lösung schwimmen. Ich habe mir dann einen eigenen Aufbau konstruiert und damit verschiedene Messungen gemacht, die vor allem auf biologische Fragestellungen abzielten. Den Preis gab es letztlich für das Gesamtprojekt: den Messaufbau, die Untersuchung an sich und die Auswertung der Ergebnisse - das Forschen als Ganzes.

abi>>: Hattest du während des Wettbewerbs das Gefühl, dass in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern Jungs und Mädchen gleich stark vertreten sind?

Maria Hoyer: Bei Jugend forscht machen immer noch mehr Jungs mit, außer im Fachbereich Biologie. Aber es werden jedes Jahr mehr Mädchen, und wenn man sich die Platzierten ansieht, kommen prozentual gesehen meistens mehr Mädchen als Jungs nach oben.

abi>>: Was sind deiner Meinung nach die Gründe für das Ungleichgewicht?

Maria Hoyer: Ich glaube, das alte Vorurteil, dass Mädchen sich am besten nicht für Physik und Chemie interessieren, sondern sich eher an die Sprachen halten sollten, ist teilweise an Schulen noch sehr lebendig. Aus Gesprächen mit anderen Teilnehmerinnen, aber auch aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass oft gar nicht erwartet wird, dass Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern gute Noten schreiben, was meiner Ansicht nach ziemlich blockierend wirkt.

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Autorin: Quelle: "Auszug aus abi extra >> female 2009 der Bundesagentur für Arbeit" - Stand: 9. Juni 2009
 
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