Der lange Weg zur Bürokauffrau

Sabrina hat drei Jahre lang eine Lehrstelle gesucht.

Eigentlich hätte Sabrina allen Grund zur Freude. Nach drei Jahren Suche hat sie einen Ausbildungsplatz gefunden.

Nicht in ihrem Traumberuf, aber darum ist es ihr irgendwann gar nicht mehr gegangen. "Ich wollte nur eine Lehrstelle haben", sagt sie nüchtern.


 

Die Suche hat Spuren hinterlassen

 

Das ständige Warten, Hoffen, Bangen, all der Prüfungsstress, das hat Sabrina verändert. Noch immer ist das unangenehme Herzpochen da, wenn sie den Briefkasten öffnet. Noch immer erstarrt sie, wenn darin große braune Umschläge sind. Zur Zeit fühlt sie sich leer. Irgendwie ausgebrannt. Und das, wo sie doch endlich Feuer und Flamme für ihre Ausbildung sein kann. Sie zieht schnell an ihrer Zigarette und sagt dann: "Die drei Jahre haben mir einiges abgefordert."

 

Praktika, Einstellungstests, Absagen

 

Als Sabrina die neunte Klasse der Realschule besuchte, begann sie sich über mögliche Berufe zu informieren. Sie war gut in Deutsch und liebte es, zu schreiben. Also machte sie ein Schülerpraktikum bei der lokalen Tageszeitung in ihrer norddeutschen Kleinstadt. Daraus entwickelte sich ein Nebenjob: Sabrina durfte als freie Mitarbeiterin kurze Texte für die Jugendseite schreiben. Ihr war aber schon damals klar, dass sie mit einem Realschulabschluss niemals Journalistin werden könnte.

Ich hatte keine Chance

Sabrina  erinnert sich: Ich war bei den Vorstellungsgesprächen meistens die Jüngste und die einzige Realschülerin. Die anderen hatten Fachabi, Abi und waren älter. Da hatte ich keine Chance." So zog sie schon damals große braune Umschläge aus dem Briefkasten. Irgendwann hat sie sie nicht einmal mehr aufgemacht.

Doch sie hätte gerne einen Beruf ergriffen, der etwas mit Medien zu tun hat. Also absolvierte sie ein weiteres Praktikum, diesmal bei einem Fotografen. Das gefiel ihr zwar gut, aber eine Lehrstelle in der Region gab es nicht. Überhaupt rieten ihr Berufsberater davon ab. Stattdessen wurde ihr empfohlen, einen kaufmännischen Beruf zu ergreifen. "Das ist was Solides", hieß es. Sabrina ließ sich überzeugen und bewarb sich in ihrer Region auf sämtliche Azubi-Stellen zur Versicherungskauffrau, Sozialversicherungskauffrau und Verwaltungsfachangestellten. Sie  schaffte es bis zu den Einstellungstests. Aber nicht weiter.

 

Dann eben Schule weitermachen

 

Als gegen Ende der zehnten Klasse noch immer keine Lehrstelle in Sicht war, entschied sich Sabrina dazu, die Schule weiter zu besuchen. Die Einstellungstests hatten ihr gezeigt, dass sie mit einem höheren Schulabschluss bessere Chancen haben würde.
In der Berufsberatung wurde ihr geraten, eine Wirtschaftsfachschule zu besuchen. Für 200 Euro im Monat lernte Sabrina hier zwei Jahre lang für den schulischen Teil der Fachhochschulreife. Und bewarb sich weiterhin. Diesmal deutschlandweit als Reise- oder Veranstaltungskauffrau.
Sie verließ sich nicht nur auf die Hilfe der Berufsberatung. Sabrina recherchierte im Internet und telefonierte mit Eventagenturen, Veranstaltungszentren, großen Konzernen und Reiseunternehmen. Sie schrieb mehr als 50 Bewerbungen. Aber wurde nur zu wenigen Vorstellungsgesprächen eingeladen.
Kurz vor den Abschlussprüfungen kam in der 19-Jährigen Panik auf. Ihre Bewerbungen waren ergebnislos. Ihr einziger Ausweg wäre ein halbjähriges Wirtschaftspraktikum, das ihr die volle Fachhochschulreife und den Weg in ein Studium geebnet hätte.

Lies weiter, wie Sabrina ihre Lehrstelle fand

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Der lange Weg zur Bürokauffrau - Teil 2

Autorin: Tina Groll - Stand: 15. September 2005
 
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