Go Solar!
Die SolarGeneration hat ganz schön gekämpft auf den Renewables 2004, der Internationalen Konferenz für erneuerbare Energien. Aber eine Enttäuschung konnten sie nicht verhindern...

Vom 1. bis 4. Juni 2004 fand im ehemaligen Plenarsaal in Bonn die Internationale Konferenz für erneuerbare Energien statt. Politiker von überall auf der Welt trafen sich, um über die Zukunft der Energieversorgung zu sprechen, nachdem auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung im August 2002 in Johannesburg in Sachen Erneuerbare Energien so gut wie nichts passiert war. Auf so einer Veranstaltung durfte natürlich auch die SolarGeneration, das internationale Greenpeace Jugend Projekt, nicht fehlen. Denn alle jetzt gefällten Entscheidungen betreffen unsere Zukunft, denn der hochgefährliche Atommüll strahlt auch in Hunderten von Jahren noch, und das CO2, das durch die Verbrennung fossiler Kraftstoffe freigesetzt wird, ist verantwortlich für den Klimawandel, unter dem wir in Zukunft zu leiden haben werden!
Deshalb waren wir da und haben uns eingemischt: Mit bunten, vielfältigen Aktionen vor dem Konferenzgebäude und mit Jugendlichen in der Konferenz, die dort eine Rede gehalten und mit so vielen Delegierten wie möglich gesprochen haben.
"Wir wollen keine nassen Füße"
Am Dienstag ging es los: Die Delegierten kamen und bekamen sofort ein Begrüßungspaket und Powerdrinks von uns überreicht, damit sie sich für die Erneuerbaren einsetzen und das verhindern können, was im Hintergrund zu sehen war: Einer von uns stand in einem großen, mit Wasser gefüllten Glas, das Wasser stand ihm bis zum Hals... Drumherum ein Berg aus Gummistiefeln, Sandsäcken und ein Schlauchboot. Unsere Botschaft: Wir wollen keine nassen Füße - volle Kraft voraus für Erneuerbare Energien! Auch im Plenarsaal trugen wir diese Botschaft vor - in einer Rede, die Abigail aus den Philippinen zusammen mit Henry aus Hongkong und mit mir vor den versammelten Delegierten hielt. Und außerdem war da noch unsere SolarBar, direkt am Ufer des Rheins, neben dem Greenpeace-Schiff "Argus". An der Solarbar konnten die Delegierten sich nicht nur mit solargekühlten Säften, Kaffee, Keksen und anderen Snacks stärken, sondern sich auch nebenbei umfassend über erneuerbare Energien informieren, bzw. ihren Milkshake selbst per Fahrrad mixen.
Ein Bettlerhut für die Erneuerbaren
Am Mittwoch ging es in der Konferenz um die besten Fördermittel für die Erneuerbaren- natürlich hatten auch wir da eine Idee: "Stoppt Atom- und Kohlesubventionen - volle Kraft voraus für erneuerbare Energien!" Dieses forderten wir lautstark vor dem Konferenzgebäude. Veranschaulicht wurde das ganze durch ein Atom- und ein Kohlekraftwerk, aus dem das Geld herausquoll, für die Erneuerbaren stand lediglich ein leerer Bettlerhut bereit. Diesen sollten die Delegierten mit Subventionsschecks füllen und damit die Subventionen symbolisch umleiten. Begleitet wurde all dies von Jongleuren und Akrobaten und Gesang - ein SolarSong zur Melodie von "Money, Money, Money".
Ein Händeabdruck als Versprechen
Donnerstag war der ganz große Tag: Die Minister der teilnehmenden Länder waren inzwischen in Bonn angekommen. Von ihnen wollten wir die feste Zusage, sich für Erneuerbare einzusetzen - damit nicht wieder nur schön geredet, sondern endlich auch gehandelt wird! Schon im Vorfeld hatten wir eine große Sonne gebaut, auf der die Minister nun mit ihrem Handabdruck symbolisch unsere Forderungen unterzeichneten. Unsere Aufforderung an die Politiker auf der Renewables 2004: ACT NOW! Fast 50 Minister und Delegierte (unter ihnen Umweltminister Trittin) unterzeichneten unsere Sonne, und so waren wir ganz optimistisch auf die Ergebnisse der Konferenz, die am Freitag verkündet werden sollten...
Ernüchterung im Regen
Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: Am Freitag gab es keine Ergebnisse, die uns und das Klima hätten jubeln lassen! Eigentlich gab es kaum etwas, was es nicht vorher auch schon gab. Das einzige gute Dokument, die "Empfehlung für die Politik", ist leider nicht politisch verbindlich und wird wohl deshalb kaum Beachtung finden. Als Gastgeberland wäre es Deutschlands Pflicht gewesen, die chronischen Blockierer wie Saudi Arabien und die USA hinter sich zu lassen, auf einen Konsens zu verzichten und mit den engagierten Ländern für erneuerbare Energien und damit für den Klimaschutz zu kämpfen. Um unsere Wut und Enttäuschung zu zeigen, saßen wir bis zum Ende der Konferenz im strömenden Regen vor dem Gebäude. Einer von uns war als Politiker verkleidet und gammelte faul auf einer kaputten Weltkugel herum, während ein Banner mahnte: "Rio, Johannesburg, Bonn: Kein Fortschritt! Wir sind tief enttäuscht..." Aber wenigstens gibt es endlich eine internationale politische Initiative für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Und die werden wir weiter nutzen. Zum Glück gab es aber auch in Bonn Politiker wie den philippinischen Minister, der versprach, sich mit voller Kraft für die Erneuerbaren einzusetzen und der ambitionierte Ziele für sein Land festlegte. Ein Hoffnungsschimmer- für das Klima, und für unsere Zukunft!
Lest mehr dazu auf der Webseite
Autorin: Lisa Reichmann, Greenpeace Jugend Hamburg - Stand: 17. Juni 2004