Eine Karriere als Model?
Zwischen Strumpfhosen, Lipgloss und Blitzlichtgewitter

Vor einigen Monaten kam ein Brief von meiner besten Freundin Leonie. Wir kennen uns bereits seit drei Jahren und obwohl wir uns meist nur in den Ferien sehen, sind wir unzertrennlich. Fast könnte man sagen, wir sind Seelenschwestern, denn wir haben eine Menge Gemeinsamkeiten: Beide sind wir Autorinnen, Journalistinnen und haben sowohl gleiche Hobbies als auch Lebensansichten. Wöchentlich kommt mindestens ein Brief von ihr, und ständig stehen wir durch Telefon und E-Mails in Kontakt. In diesem besagten Brief allerdings erzählte sie mir von ihren neusten Plänen bezüglich ihres Romans, der im nächsten Jahr erscheinen wird. Für das Cover habe sie bereits zwei Models ausgesucht, und nun fehlte bloß noch ein weibliches Model. Dabei hätte sie an mich gedacht. Ich konnte es kaum fassen. Ich las die Worte ein zweites Mal und sprang aufgeregt die Treppenstufen hinunter, um meiner Mutter den Brief vorzulesen. "Das ist so eine Ehre!", freute ich mich.
Ausgeflippt, aber schwarz oder weiß
Einige Wochen darauf, rief Leonie mich kurzfristig an, ob ich am nächsten Tag Zeit hätte, um für das Shooting vorbeizukommen. Ich könnte mir etwas Ausgeflipptes aus meinem Kleiderschrank mitbringen. Die Bedingung war: Es sollte schwarz oder weiß sein und zudem sexy. Den restlichen Tag verbrachte ich vor meinem bodenlangen Spiegel und probierte alle Variationen, die mein Kleiderschrank hergab, aus. Letztendlich entschied ich mich für ein schwarzes Spitzentop, darüber eine schwarze Nylonbluse von meiner Mama, die ich am Bauch knotete, damit sie meine Figur betonte, schwarze Shorts, braune Nylonstrumpfhose, darüber eine schwarze Netzstrumpfhose und meine spitzen, schwarzen Lieblingspumps. Es war schwarz und es war sexy.
Am nächsten Morgen machte ich mich bereits einige Stunden vorher fertig. Ich war sehr gespannt auf das Shooting. Während ich mir dunklen Lidschatten, Kajal und Lipgloss auftrug, testete ich noch einmal verschiedene Gesichtsausdrücke: Meinem Spiegelbild schenkte ich ein Zähne zeigendes Lachen, dann ein schüchternes Lächeln, ein freches Grinsen, einen verführerischen Schmollmund á la Angelina Jolie und den perfekten Augenaufschlag á la Audrey Hepburn. Was noch fehlte? Meine Frisur. Meine durchgestuften Haare reichen ungefähr bis zu den Ellebogen und da Leonie etwas Flippiges vorschwebte, sprühte ich sie mit Haarspray auf.
Overdressed, underdressed?
Auf der Fahrt zum Shooting fragte ich mich, ob mein Make-up wirklich den Anforderungen entsprach. War ich zu overdressed? Underdressed? Würden die Fotos gut werden? Die meisten Fotos von mir, mochte ich nicht besonders. An jedem war hier und da ein Makel. Entweder ich hatte wie üblich beim Lachen die Nase gekräuselt, ein schiefes Grinsen oder ein Auge größer als das andere. Aber das Shooting würde gut werden. Leonies Mutter, professionelle Fotografin, würde dafür sorgen, dass ich mich nicht allzu ungeschickt anstellen würde. Doch wie würde ich posieren müssen? Ich dachte an "Germany's Next Topmodel". Keine Folge hatte ich verpasst. Nicht, weil mir eine Karriere als Model vorschwebte, sondern weil mich die Glanz- und Glamour-Welt interessiert, und weil ich Heidi Klum so bewundernswert finde. In meinen Erinnerungen rief ich einzelne Shootings und Posen ab. Was ich Leonie vergessen hatte zu fragen: Waren die andern beiden Models männlich oder weiblich und wie alt?
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Autorin: verena1989 - Stand: 14. September 2007