Urlaub auf der grünen Insel
missmarie war auf einer zweiwöchigen Sprachreise in Irland, denn sie liebt Land und Leute. Nur mit der Gastfamilie klappte es leider nicht so gut...

Mein Flugzeug begibt sich in den Landeanflug. Unter mir sehe ich das Meer, darin eine kleine Insel. Grün und unbewohnt. Kurz darauf erscheint der Küstenstreifen. Erst ein kurzes Strandstück, dann viel Grün. Darauf folgen die Häuser. Alles sieht sehr systematisch aus. 10 Minuten später lande ich auf irischem Boden. Ich bin in Dublin – endlich! Seit knapp einem halben Jahr konnte ich diesen Tag kaum erwarten. Zwei Wochen Sprachurlaub im Land meiner Träume liegen vor mir.
Zur Gastfamilie ist's ein holpriger Weg...
Zusammen mit zwei Kumpels, die ebenfalls Irland erleben wollen, klettere ich aus dem Flugzeug. Hier und da schnappen wir ein paar Happen Irisch-Englisch auf. Ob man uns wohl verstehen wird?
Nach ewig langem Warten auf die Koffer und einer nicht weniger zeitraubenden Passkontrolle stehen wir am Infopoint neben Ruth. Sie arbeitet im Büro und wird uns in unsere Gastfamilien bringen.
Neugierig, wie es in Irland aussah?
Das erste Abenteuer ist die irische Autobahn. Oder besser gesagt: das, was die Straßenschilder darstellen soll. Krumm und schief stehen sie zwischen den Büschen am Wegrand. Neben der Straße ist der Boden sandig und mit Sträuchern bedeckt. Hin und wieder sind Schneisen hineingeschlagen, die als Nothalteplatz dienen. Alles in Allem erinnert mich das mehr an Kleinstadtflair als an eine boomende Hauptstadt.

Dann erreichen wir das Wohnviertel. Hier trifft das Wort Viertel noch richtig zu! Alle Häuser sind umringt von einer Mauer mit Tor, die sich zur Hauptstraße hin in einen Zaun verwandelt. Jedes Viertel hat einen Namen, so zum Beispiel Carrigewood. Alle Straßen und Gassen dort enthalten diesen Namen. Da gibt es dann die Carrigewood Lane, Carrigewood Drive oder Carrigewood Avenue.
...und die Ankunft ist erst recht holprig!
Ich bin die Letzte von uns Dreien, die in ihrer Familie ankommt - und ich bin erstmal geschockt. ~h2~Da~ soll ich wohnen? Meine Gastmutter sieht aus, als stamme sie aus einer amerikanischen Sitcom, der Rest der Familie redet nicht mit mir. Allein zu Hause bleiben darf ich nicht, mein Zimmer hat noch nicht mal eine Tür und in meinen Schränken finde ich Schmutzwäsche und Schokoriegel-Verpackungen. Notgedrungen schaufle ich mir einen kleinen Platz im Schrank frei, während sich meine Kopfschmerzen langsam ins Unerträgliche steigern. Meine Gasteltern sind Kettenraucher, was mir als Mädchen aus einem Nichtraucher-Haushalt ganz schön auf die Lunge schlägt. Dazu kommt der Hund der Familie (der Einzige, der mir ab und zu etwas Aufmerksamkeit in Form von wildem Gekläffe schenkt). Ich habe eine Tierhaarallergie.
Auf das Abendessen muss ich an diesem Abend verzichten. Niemand sagt mir, wo es etwas Essbares gibt, und ich trau' mich nicht, die Schränke auf eigene Faust zu durchforsten. Zum Glück holen mich meine Kumpels später ab und ich kann mich in einem kleinen Supermarkt mit Chips eindecken.
Eins ist sicher: In dieser Familie will ich nicht bleiben!
Endlich was zu mampfen!
Der nächste Tag ist ein Sonntag, und er beginnt mit dem nächsten Problem. Ich will gerne duschen. Nur leider kommt, egal wie ich die Armaturen auch bearbeite, kein Wasser aus der Leitung! Also begnüge ich mich mit Katzenwäsche und ziehe mich an. Zumindest essensmäßig habe ich dieses Mal Glück. Als ich in die Küche komme, ist der ältere Sohn gerade dabei, sich Frühstück zu machen. Also hefte ich mich schnell an seine Fersen und tatsächlich finde ich halbwegs sauberes Geschirr (Mangelware in diesem Haushalt!).

Abenteuer Busfahren
Dann verlasse ich sofort das Haus. Wir sind bei einem meiner Kumpel verabredet. Trotz Straßenkarte und Wegbeschreibung komme ich 20 Minuten zu spät. Doch nun kann das Abenteuer "Shoppen in Dublin" beginnen, inklusive des Abenteuers "Finde ins Zentrum". Dazu muss man sagen, dass die Busse nie nach Plan kommen. Die Fahrpläne sind außerdem eine Wissenschaft für sich: Man muss seine Haltestelle raussuchen und dann bis zur Endhaltestelle zählen. Die Zahl rechnet man dann auf eine Zeitangabe, die sich irgendwo befindet - Wir sind dazu übergegangen, einfach zu warten. Irgendwann kommt schon ein Bus...
Ich treffe eine Entscheidung
Endlich im Shoppingcenter angekommen, befinde ich mich dann plötzlich im Paradies. Nach einem anstrengenden Trip ist um halb fünf erstmal Zeit für "Mittagessen" bei McDonalds (unserer ist besser und günstiger!), und danach gönnen wir uns schließlich einen Film im Kino. Am Abend steht für mich jedoch fest: ich möchte zurück nach Deutschland. So schön Irland auch sein mag, meine Gastfamilie hat mir das ordentlich verdorben.
Also gehe ich zu meinem Kumpel, um da zu telefonieren. Und dann bietet mit seine Gastmutter etwas Erstaunliches an: Ich darf, zumindest in dieser Nacht, in ihrem Haus schlafen, wenn meine Eltern einverstanden sind. Von ihr aus darf ich auch noch länger bleiben - das sollte ich aber erst mit der Schule klären. Letzten Endes bleibe ich bis zu meiner vorgezogenen Abreise in der Familie.
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Autorin: missmarie - Stand: 5. August 2008