Konzertbericht: Bakkushan on Tour
Über Ohrendröhnen, Enge und heiße Rockmusik – für ciqa ein Erlebnis der Superlative

Schweiß, rempeln, stoßen, Ohrendröhnen, Enge... klingt erstmal nicht so toll. Aber wenn du dazu noch begeisterte Stimmung, mitreißende Beats und geniale Musik multiplizierst, wird daraus heißer Rock. Rock, wie ihn Bakkushan macht.
Eingeheizt wurde den Besuchern des Clubs Magnet in Kreuzberg erstmal von der Band Kleinstadthelden, die mit fetzigen Takten und tollen Texten begeistert haben. Nicht zu verkennen die wundervolle Publikumsarbeit. Und das Publikum hat bereitwillig mitgemacht. Eine Superband, die es mit Bravur verstanden hat, Stimmung aufkommen zu lassen.
Wie ein schönes Unwetter
Die Spannung stieg, als alle auf Bakkushan warteten, großes Gejohle, als sie die Bühne betreten haben. Vom ersten Moment an beherrschten Frontmann Daniel, Gitarrist Robert, Bassist Kalle und Schlagzeug Jan mit ihrer Präsenz den Raum, ließen die Augen erwartungsvoll größer werden und die Muskeln anspannen. Auf das, was kam, war ich als erstmalige Konzertbesucherin von Bakkushan nicht vorbereitet. Ein allgemeines Wippen erst, dann breiteten sich die tief brummenden Bässe im Blut aus, die Gitarrensaiten zitterten beim ersten Anschlag, das Schlagzeug gab den Rhythmus an und dann ging es richtig los.
Wie ein Unwetter bricht die Musik von einem Moment zum anderen über dich ein, plötzlich erbebt der Boden, wenn alles ausgelassen sich der Musik übergibt, den Körper freien lauf lässt und man mitgerissen wird von der Begeisterung der Masse, von der Begeisterung der Band. Irgendwann vergisst du, dass mal ein Boden unter deinen Füßen war, weil deine Füße meistens in der Luft sind und du mitten im Rausch der Musik bist, die überall ist.
Hunger nach echter Musik gestillt
Nach dem ersten Lied gab es wohl keinen in der Nähe der Bühne, der nicht die Klamotten am Körper kleben hatte, eingeschlossen der Band, die mit vollem Herzblut hinter ihren Songs steht, mit einer Kraft und Enthusiasmus jedes einzelne Lied in die Menge schmeißt, die übermenschlich ist. Bakkushan hat an diesem Abend jedem Anwesenden den Hunger nach echter Musik mehr als gestillt. Denn das war die Musik, zweifelsfrei und hundertprozentig real, kein dahingeträllertes Liedchen, sondern mit echtem Gefühl, mit dem Willen nach Freiheit und hemmungslosem Rhythmus. Wem an diesem Abend die Füße still standen, der war höchstwahrscheinlich taub.
Gemeinsam glücklich
Mitreißender geht es nicht, wie die Band so die Fans, es wurde getanzt, gerockt, gejubelt, gesungen, gelacht. Auch wenn das Konzert nur im relativ kleinen Kreis war, es war ein Erlebnis der Superlative. So wie Gastband Kleinstadthelden ging auch Bakkushan auf seine Zuhörer ein, sie wurden miteinbezogen, gehörten einfach zu dem Lied dazu. Und hinter der ganzen fantastischen Musik stehen Texte mit Sinn, die etwas erzählen. Manchmal erzählt Bakkushan vom Sommer, dann verlangst du nach Sommer, und wenn du nur das Wort "tanz"!" hörst, willst du dich drehen und feiern und nie mehr still stehen. Es wird Lebensgefühl vermittelt.
Es gibt viele Musiker, die auf den CDs super klingen und live dann ziemliche Nieten sind. Nicht so hier. Aber die Band ist auch nicht live so gut wie aufgenommen. Sie sind um Breitengrade besser live, wenn du direkt spürst, was vermittelt werden soll und zwar reiner ungewaschener Rock. Seele baumeln lassen geht auch mit heißer Musik!
Ich weiß nicht, wie viele Menschen mir an diesem Abend auf die Füße getrampelt sind, ich weiß nur, dass es noch nie so viele waren. Aber es war großartig! Für jedes weitere Konzert würde ich mir gerne noch viele zehntausend mal auf die Füße treten lassen, aber hört nie auf zu spielen, Bakkushan! Ich kam als Journalistin, ich stolperte raus als Fan.
Autorin: ciqa - Stand: 9. April 2010