Das Leben ist ungerecht oder: Man ist immer so alt, wie
oder: Man ist immer so alt, wie man sich fühlt.

Lucie saß auf dem Beifahrersitz und heulte. Die kunstvoll geschminkten Katzenaugen flossen innerhalb weniger Minuten als schwarze Rinnsale über die Wange und gaben den Blick auf die tiefen Augenringe frei. Resultat der letzen Partynacht. Lucie kramte ihr Handy aus der Tasche und besprach schluchzend mit ihrer Freundin am anderen Ende die heutige Abendplanung. Wenn man nicht weiß, dass Lucie erst 13 ist, könnte man sie glatt auf 18 schätzen. Das figurbetonte, stets bis ins letze Detaill abgestimmte Outfit, das sehr an die Zeit Curt Cobans erinnert, die seitengescheitelte, blonde Mähne, die betont kaputt gelatschten Chucks - natürlich passend zum Grunge-Style, die Armee-Tasche mit den Bob Marley Buttons und natürlich die - zur Zeit eher hinfälligen - Smokey Eyes. Schwarze Fingernägel nicht zu vergessen. Scheiß Eltern, die sind echt das Letzte - warum darf man mit gefühlten 19 Jahren nicht auf eine Party für Überachtzehnjährige!! Da ist es doch vollkommen nachvollziehbar und erst recht legitim, dass einem der Kragen platzt, man für einen Moment die Haltung verliert, die Eltern mit haarsträubenden Schimpfwörtern und Flüchen belegt, die man so gar nicht von einer 19-jährigen erwartet! Da ist es doch wohl verständlich, dass man sich kreischend vor Wut auf dem Boden wälzt. Dass man die Geduld verliert und den Eltern den Tod wünscht. Bekanntermaßen ist Pubertät, wenn die Eltern schwierig werden. Aber dem Alter ist Lucie natürlich schon längst entwachsen....
Autorin: finchen - Stand: 18. April 2007