EVOKE 2007 -  "So abgefreakt wie möglich"

Demo-Szene traf sich vom 10. bis 12. August in Köln

Evoke 2007, Vulkanhalle in Köln

Vom 10. bis 12. August lud der Digitale Kultur e.V. zum zehnten Geburtstag der Evoke in die Kölner Vulkanhalle ein. Seit 1997 zieht es GrafikerInnen, MusikerInnen und ProgrammiererInnen zum Sommerfest der Demoszene. Etwa 400 BesucherInnen aus aller Welt wählten auf der Computerkunst-Party die besten digitalen Echtzeit-Kunstwerke (Demos).

Die Computerfreaks unter euch wissen vielleicht, was die Demo-Szene ist. Für die, die noch nie davon gehört haben, erst einmal ein paar erklärende Worte, worum es genau geht:

Die Demoszene - Hintergründe

Wer Computer für langweilig oder unkreativ hält, liegt völlig falsch. Die Demoszene beweist nämlich genau das Gegenteil. Hier zeigen Programmierer, Grafiker und Musiker ihr Können. Sie drehen Musikvideos ohne TänzerInnen, ohne Kulissen und ohne Kamera. Ihre Spezialeffekte brauchen keine Stunt-Koordinator und keine Nebelmaschinen. Sie brauchen nur ihren Computer und ihre Kreativität. Alle Abläufe, Effekte, Schattierungen und der Soundtrack werden am Rechner erschaffen. Die männliche Bezeichnung ist hier insofern korrekt, weil es der Szene akut an Programmiererinnen, Grafikerinnen und Musikerinnen, sprich Szenerinnen fehlt. Es gibt nur ganz wenig Frauen und Mädchen, die dieser Szene angehören. Das findet Christian Brand von Digitale Kulturen e.V. sehr schade.

Digitale Kunstwerke

Die Szene hat mit den Jahren neue digitale Kunstformen geschaffen. Demos sind computeranimierte Filme mit mitreißender Musik und atemberaubenden Effekten. Sie heißen so, weil die Szenegruppen damit ihr gesamtes Können demonstrieren. Demos laufen in Echtzeit ab, werden also im Vergleich zu Filmen live auf dem Computer berechnet und nicht nur abgespielt. Die Programmierung ist meistens Teamwork. Für jeden Bereich gibt es Spezialisten, die ihre Arbeit in ein Gesamtwerk einbringen. Oft kommen die einzelnen Gruppenmitglieder sogar aus verschiedenen Ländern. Es ist daher nicht ungewöhnlich, wenn die Grafik einer Demo aus Deutschland kommt, die Musik dazu aus Schweden und die 3D-Effekte aus Kanada. Intros sind im Prinzip das Gleiche wie Demos - allerdings unter erschwerten Bedingungen. Sie dürfen nur 64 oder gar nur 4 Kilobyte groß sein. Das ist weniger Platz als ein leeres Worddokument benötigt.

Von der Raubkopie ins Museum

Die Geschichte reicht bis in die frühen 80er Jahre zurück. Damals gab es noch keine Gigahertz-Rechner und 3D-Grafikkarten: der Commodore 64 war gerade herausgekommen (kennst du den überhaupt noch?). Angefangen hatte es mit Raubkopien. Damit jeder wusste, wer bei einem Spiel zuerst den Kopierschutz entfernt hatte, schalteten die Raubkopierer kurze Intros vor die Spiele. Es war eine hohe Kunst: der Platz war sehr begrenzt und die Grafikmöglichkeiten der Computer bescheiden. Aber um zu imponieren, musste das Intro gut aussehen. Und das tat es auch - oft sogar besser als die raubkopierten Programme. Diese wilden Zeiten sind aber inzwischen vorbei: Wer heute Intros und Demos sehen will, braucht keine Raubkopien mehr. Du kannst sie kostenlos aus dem Internet laden oder findest sie auf Messen und sogar in Kunstmuseen. Die Szene hat mit der Entwicklung der Computer Schritt gehalten. Längst gibt es auch Demos auf Spielkonsolen, auf Gameboys und sogar auf Handys. Es geht um die technische Herausforderung. Durch sie werden Demos zu dem, was sie heute sind: Kunst, die dem Computer Leben einhaucht.

Partys: Spaß und Wettstreit

Auf den legendären Szenepartys (wie zum Beispiel der Evoke) kommen die Gruppen zusammen. Man trifft sich, feiert und wählt die besten Arbeiten. Neue Techniken werden ausgetauscht, Kontakte geknüpft. Oft reisen Szener über Tausende Kilometer an, um bei solchen Partys dabei zu sein. Die dauern meist mehrere Tage lang - viel Schlaf bekommt da niemand. In Dutzenden von Disziplinen beweisen die Teilnehmer ihr Können: vom Intro mit nur 4 Kilobyte über das beste Musikstück bis zum Diskettenweitwurf. Dabei geht es nicht nur um Anerkennung: die Sieger in den Wettbewerben können sogar attraktive Preise mit nach Hause nehmen.

(Textauszüge: Digitale Kulturen e.V.)

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Evoke 2007- Ein Feuerwerk in 3D

Autorin: Susanne Hehl - Stand: 13. August 2007
 
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