Freie Software ist cool und spart Geld!
Ein Interview mit der Projektkoordinatorin von Jux

Andrea Mayr ist die Projektkoordinatorin für das schöne Projekt "Jux". Jux ist eine Idee, die unter anderem auch zu einer CD-Rom geworden ist, mit der Interessierte schnell und einfach einmal das Linux-Betriebssystem und das ein oder andere Spiel, die ein oder andere Software ausprobieren können. Andrea Mayr hat das Ganze mit ins Leben gerufen - daher möchten wir sie und ihre Gedanken zu "Jux" hier vorstellen.
*Kannst du dich kurz vorstellen?*
Ab meinem 15. Lebensjahr habe ich "Kunst gemacht". Zuerst war das im materiell-gestalterischen Bereich, dann wurde das immer abstrakter. Das Studium, das ich absolvierte, hieß "Visuelle Mediengestaltung" und wurde/wird auf einer Kunst-Universität angeboten.
*Wie bist du zu Netbridge gekommen und was genau wollt ihr erreichen?*
Auf netbridge bin ich über eine Internet-Recherche gestoßen. Daraufhin habe ich den netbridge-Leuten eine E-Mail geschickt, in der ich mein Interesse bekundete, im Jugendarbeitsbereich Infos und Hilfe zu sog. "Freier Software" anzubieten. Freundlicherweise wurde ich eingeladen und wir stellten fest, dass sich unsere Vorstellungen darüber, wie das geschehen könnte, deckten. Unter anderem versuchen wir genau das, seit ich hier arbeite. Unabhängig von diesem Thema arbeiten meine KollegInnen hier an jugendrelevanten Themen im speziellen im Zusammenhang mit Neuen Medien.
*Nun zu Jux - was ist Jux genau und warum wollt ihr "Jux" unter die Leute bringen?*
Jux ist unser Projekttitel für verschiedene Maßnahmen der Information über Freie bzw. OpenSource Software. Das Betriebssystem Linux beispielsweise ist so eine Software. Sie kann von jedem und jeder uneingeschränkt eingesetzt werden. Das bedeutet vor allem auch, dass man es zum Beispiel weiterschenken darf. Linux und all die anderen Programme rundherum, sind - sofern man sich mal ein wenig damit auskennt - ganz tolle Programme, um damit kreativ zu arbeiten. Dieses Arbeiten soll - in unserem Sinne - auch möglichst viel Spaß machen. Diesen Vorsatz nehmen wir nicht zuletzt auch in unserer Arbeit sehr ernst, weshalb eine Kollegin mal deklarierte: "netbridge is fun!". In dieser Umgebung ist dann die Namensgebung des Projekts Jux passiert.
*Was ist der Vorteil von Freier Software?*
Freie Software darfst du, wie schon erwähnt, kopieren und weitergeben. Du kannst und darfst in den Quellcode reinschauen, um zu verstehen, wie ein Programm aufgebaut ist. Das ist in etwa so, wie wenn du die Motorhaube eines Autos öffnest, um nachzusehen, wie die Konstruktion im Inneren des Autos aussieht. Wenn du findest, dass das gut ist, kannst du das Programm kopieren, vielleicht an deine eigenen Bedürfnisse anpassen und für deine eigenen Zwecke einsetzen. Wenn du an einem Programm etwas änderst, musst du es unter den gleichen Bedingungen wieder weitergeben, wie du es bekommen hast.
Die Auswahl an Freier Software ist sehr groß. Für AnfängerInnen besteht sicher ein Problem in der Orientierung in diesem großen Pool an Möglichkeiten. Hier muss man sich positionieren und sich z.B. auf eine bestimmte Linux-Version (bzw. Distribution genannt) konzentrieren, dann nur entsprechende Programme installieren bzw. Ratschläge annehmen.
*Was ist der Vorteil bzw. der Nachteil von Software oder einem Betriebssystem, das Geld kostet, wie etwa Windows?*
Der Vorteil ist wahrscheinlich, dass man es sehr verbreitet vorfindet. Die Computer-Kompetenz der Allgemeinheit ist primär auf dieses Betriebssystem (Windows) ausgerichtet. Aus der weiten Verbreitung ergeben sich aber auch viele Nachteile. Augenfälliger ist die starke Verletzbarkeit, wenn es um z.B. Virenangriffe geht. Von der Virenproblematik bin ich als Linux-Benutzerin überhaupt nicht betroffen.
In Bezug auf den Support, also die professionelle Hilfe einer Firma bei Problemen, sehe ich auch keinen Unterschied. Mittlerweile gibt es sehr oft als Dienstleistung angebotene Hilfe für Linux-Systeme. Kostenfrei gibt es die Möglichkeit, in einschlägigen Foren Hilfe zu bekommen. Das funktioniert gut.
*Welche Erfahrungen habt ihr mit Jux gemacht? Wie ist die Resonanz?*
Jux als selbststartende Linux-CD ist sehr gut angekommen. Wir setzen auf der sog. Knoppix-CD auf, haben uns aber bemüht, gestalterisch einen etwas anderen Weg einzuschlagen. Die Auswahl der Programme und Inhalte ist auf eine jüngere und heterogenere Zielgruppe ausgelegt. Die Einstiegsschwelle ist sehr nieder und dementsprechend sind die Rückmeldungen sehr gut.
*Was habt ihr an Jux² geändert im Gegensatz zur "Vorgänger-Jux"?*
Wie es bei Software-Projekten üblich ist, gibt es eine Reihe von Versions-Aktualisierungen. Einige "Bugs" wurden entfernt und die Navigation ist ausdifferenzierter. Zusätzlich sind externe Inhalte eingeflossen, wie das Hanisauland-Comic der Bundeszentrale für politische Bildung und ein Teil der Openwebschool. Die zweite CD ist außerdem unter einer anderen Creative-Commons Lizenz veröffentlicht.
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Autorin / Autor: ~astrid~ - Stand: 21. Januar 2005