Jana forscht

Interview mit der "Jugend forscht"-Gewinnerin

Jana Ivanidze, 19, maß den ph-Wert von Schleimpilzen. Klingt nicht spektakulär, ist es aber. Damit gewann sie im letzten Jahr den ersten Preis bei "Jugend forscht" im Bereich Biologie und belegte kurz darauf beim "15th European Union Contest for Young Scientists" einen der ersten Plätze. Jana wanderte 1993 als Neunjährige mit ihrer Mutter von der Ukraine nach Bayern aus. Sie spricht acht Sprachen und ist Präsidentin von Rotaract München (der Jugendorganisation des Rotary Club), mit dem sie beispielsweise Hilfstransporte nach Rumänien organisiert. Esther Klung sprach mit ihr.


Was hast du herausgefunden?
Meine pH-Messmethode ist dadurch, dass sie auf Gentechnologie und nicht auf chemischen Messverfahren basiert, um einiges genauer als bisherige Verfahren.

Wie bist du darauf gekommen?
Seit ich 14 bin, habe ich in dem Bereich gearbeitet. Die ersten Jahre habe ich einfach herumexperimentiert, um möglichst viel zu lernen. Später habe ich erste Experimente zur Einschleusung von Antibiotika-Resistenzgenen gemacht, dann auch das Grüne Fluoreszenzprotein (GFP) in die Schleimpilz-Zellen gebracht. Als ich vor etwa eineinhalb Jahren von der neuen GFP-Mutante hörte, mit der man den pH-Wert messen kann, war ich sofort begeistert.

Welche Erkenntnis haben dir die Schleimpilze gebracht?
Mein "Versuchstier" war Dictyostelium discoideum, oder kurz "Dicty". Das ist ein zellulärer Schleimpilz, der normalerweise einzellig lebt, sich unter Stressbedingungen aber zu mehrzelligen Organismen organisiert. Aber wie machen die das? Woher wissen die, welche Zelle "vorne" ist und welche "hinten"? Die müssen sich irgendwie verständigen können. Ähnlich wie höher entwickelte Zellen, wie beispielsweise unsere Hormone, die eine Form von Signalweiterleitung haben. Meine Erkenntnisse sind ein Hinweis darauf, dass Dictyzellen eine Form der Signalübertragung, wie sie in höheren Zellen auch vorkommt, besitzen könnten.

Was bedeutet es dir, bei "Jugend forscht" den ersten Platz gemacht zu haben?
Sehr, sehr viel. Jahrelang habe ich konsequent an etwas gearbeitet, dessen Sinn viele Menschen in meinem Umfeld nicht verstanden haben. Ich habe trotzdem immer weitergemacht. Dass meine Arbeit jetzt so viel Anerkennung von hochrangigen Wissenschaftlern findet und dass sich jetzt die Medien dafür interessieren, freut mich sehr. Vor allem finde ich es gut, wenn ich jungen Menschen etwas von meiner Freude an Naturwissenschaften weitergeben kann. Chemie und Bio sind spannend, Leute! Ärgert euch nicht, wenn die Lehrer das Ganze nicht so vermitteln können, sondern findet das selbst heraus!

Du studierst jetzt Medizin, wo willst du später arbeiten?
Auf jeden Fall eher in der Forschung als in der Klinik - wo genau, halte ich mir noch offen. Das ist der Vorteil eines Medizinstudiums etwa gegenüber Biochemie. Im Moment interessiert mich besonders die Immunologie, ein sehr spannendes Thema. Es gibt vielversprechende Ansätze, Krebs mit speziellen Antikörpern zu heilen.

Werden junge Forscher in Deutschland genügend unterstützt?
Als ich vor sechs Jahren unbedingt ein Praktikum in einem molekularbiologischen Labor machen wollte, bin ich überall auf Unverständnis gestoßen, bis schließlich ein amerikanischer Professor mich unter seine Fittiche genommen hat. Heute gibt es mehr Angebote, allerdings noch nicht genug. Zuallererst muss man aber lernen, selbst die Initiative zu ergreifen.

Was ist für dich die bedeutendste Erfindung der letzten 100 Jahre?
Physiker oder Mathematiker werden da sicher etwas anderes sagen, aber ein Durchbruch für die Medizin war auf jeden Fall die Entwicklung von Impfstoffen gegen Pocken oder Kinderlähmung – früher eine Geißel der Menschheit und heute so gut wie besiegt.

Was müsste unbedingt erfunden werden?
Zu den wichtigsten medizinischen Problemen gehören im Moment meiner Meinung nach Krebs, Aids und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Es muss aber gleichzeitig dringend etwas gegen die Umweltverschmutzung, die schwindenden Energievorräte und die katastrophalen Lebensumstände in den Entwicklungsländern getan werden – sonst bringen uns medizinische Fortschritte gar nichts.

Wie stellst du dir die Zukunft Deutschlands vor?
Wenn Deutschland international konkurrenzfähig bleiben will – und das gilt jetzt nicht nur für die Naturwissenschaften – muss es viel unbürokratischer werden. Die Bedingungen für Studierende und Unternehmensgründer sollten attraktiver werden, sonst gehen die besten ins Ausland.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass ich weiterhin alles schaffe, was ich mir vornehme und dabei trotzdem viel Zeit für meine Familie und meine Freunde bleibt. Dass ich später einmal etwas mache, was mich begeistert und vielen Menschen nützt.

"Auf einmal ist alles relativ"

Zum Thema "Auf einmal ist alles relativ" sind Anfang des Jahres 8315 Jungforscherinnen und Jungforscher in die 39. Wettbewerbsrunde von "Jugend forscht" gestartet - mehr als je zuvor. Nachdem alle Regional- und Landeswettbewerbe abgeschlossen sind, steht fest: 213 Jungforscher haben es geschafft! Sie werden mit ihren Forschungsprojekten am großen Finale, dem Bundeswettbewerb, vom 13. bis 16. Mai 2004 in Saarbrücken dabei sein. "Jugend forscht" ist der Wettbewerb in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik für alle Jugendlichen bis 21 Jahre. Die Zeitschrift "Stern" als Gründer, die Wirtschaft und die Bundesregierung unterstützen die Wettbewerbe finanziell. Schirmherr ist der Bundespräsident. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt es einen neuen Wettbewerb: Bei "Jugend gründet" sind Schülerinnen und Schüler gefragt, eine High-Tech-Idee zu entwickeln, einen Businessplan zu machen und ein virtuelles Unternehmen zu gründen. Im Oktober beginnt die zweite Runde.

Dieser Artikel wurde uns von "Schekker", dem Jugendmagazin der Bundesregierung, zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


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www.schekker.de

Autorin: schekker.de - Stand: 13. Mai 2004
 
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