Supa Sister wave your hands!

Über Ursula Rucker, Beth Hirsch und andere independent Women...

Popkomm 2001

Die Wahl, zu welchem "Act" man gehen möchte, fällt schwer. An einem Abend findet im Stadtgarten ein Labelabend von !K7 statt: Independent Women Pt. 1 mit den Amerikanerinnen Ursula Rucker, Beth Hirsch und Princess Superstar. Nur Frauen? Also fahren wir hin.

Eine Bekannte bezeichnet Beth Hirsch, die als erste spielt, als eine Mischung aus "Gitte" und "Fame". Wir sind leider zu spät für unsere eigenen Assoziationen.


 

Independent Women

 

Aber rechtzeitig genug, um Ursula Rucker mitzubekommen. Sie kommt auf die Bühne - sofort ist es relativ ruhig. Sie stellt sich vor, ihre Stimme verzückt. Sie scheint nicht ganz von dieser Welt zu sein, wirkt entrückt. Aber ihr Gesang ist intensiv. Und ihre Texte, sofern man sie so schnell begreift, bezeugen: Sie ist sogar sehr von dieser Welt. Sie sind gnadenlos, thematisieren Dinge, die man nicht so schnell verdaut.

"Manchmal", sagt Ursula Rucker in einem Interview mit der Musikzeitschrift Groove, "fühle ich soviel in meinem Herzen, dass ich explodieren könnte. Ehrlich. Ich fühle mich, als könnte ich nicht mehr weiterleben, nicht hier, nicht wenn das Leben so schlecht ist, nicht wenn die Menschen jedes Konzept eines menschlichen Zusammenlebens verloren haben. Ich spüre soviel Wut und Verzweiflung, dass ich mich auflösen möchte, einfach nicht mehr da sein."
Wenn man Ursula Rucker auf dem Konzert erlebt – die Augen fast immer geschlossen, konzentriert auf Musik, Stimme, Text, eben auf sich selbst – glaubt man ihr den Wunsch, sich auflösen zu wollen, sofort.

Sie singt über ihre Verzweiflung, über schwarze Musik, über Kindesmissbrauch, über die Gesellschaft. Und spart keine Vokabel aus.
Ursula Rucker ist eine Dichterin, spoken word-Künstlerin, schwarz, lebt in Amerika, ihr Präsident heißt George Bush und sie sagt: "Es kann immer noch schlimmer werden, glaub mir."

Hören wollen das leider nicht so viele, schon gar nicht in den USA. Ihre erste Platte wird in Deutschland erscheinen, eben auf dem Berliner Label !K7 - und in Europa wahrscheinlich sehr viel erfolgreicher sein als in ihrem Heimatland. Warum ist das so? Weil es uns weniger angeht?

Während des Konzerts fragt sie das Publikum - oder fragt sie sich selbst?: "Wo steht Black Music heute?" Und: Was mit der Black Community los sei, warum sie mit ihrer Geschichte nicht umgehe, sondern sie verdränge. Sie singt: "But now will I rewrite history."

 

Und die Zukunft?

 

Im Gespräch mit Groove erzählt sie von ihrem 6-jährigen Sohn (Ursula hat zwei Kinder) und davon, dass er von der statistischen Wahrscheinlichkeit her eher im Gefängnis oder einer Notaufnahme landen wird als eine akademische Laufbahn abzuschließen. Und fügt hinzu: "Und das ist kein Black-Panter-Shit. Glaub mir: diese Gesellschaft möchte sich von dem befreien, was sie als die größte Bedrohung empfindet: schwarze junge Männer."
Gegen Unterdrückung und Angst, gegen alle Ungerechtigkeiten will sie ansingen. Ist das pathetisch?

In Köln lautet die Antwort: nein. Die Musik reißt mit, ihre Texte sind melodiös, das Publikum ist begeistert. Rucker singt: "Supa Sista wave your hands!"

Eine halbe Stunde später ist das Konzert vorbei. Die nächste Band, vom gleichen Label, aber mit einem ganz anderen state of mind, tritt auf. Princess Superstar singt hauptsächlich davon, dass wir, die Deutschen - und eigentlich überhaupt alle - furchtbar "nasty" seien. Aha.

Mehr zu Ursula Rucker

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Spex - Teil 1

Autorin: ~astrid~ - Stand: 22. August 2001
 
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