"Where is my mind?"
...sang Kim Deal vor über 10 Jahren bei den Pixies. Hemdsärmelige Frauen, die "analog" rocken? Interessiert das heute jemanden?

Ich hatte die Pixies fast vergessen, bis vor 3 Jahren mit dem Kinofilm "Fight Club" von David Fincher dieser Song wieder an meine mentale Oberfläche gespült wurde. Pixies - das waren für mich endlose Autofahrten von dem Kaff, in dem ich wohnte, bis hin zum nächsten brauchbaren Veranstaltungsort. Und der (meistens das "Forum", damals noch in Enger, heute in Bielefeld) war weit weg. "Where is my mind?" - war die Hymne dieser Fahrten. Aber danach kamen andere Hymnen, andere Wege, unter anderem der nach Köln. Die Pixies, oder besser Frank Black und Kim Deal, zerstritten sich und lösten sich auf. Kim Deal gründete mit Tanya Donelly die "Breeders". Breeders - das bedeutet soviel wie "Brüter", eine Anspielung auf die weibliche Gebährfähigkeit - damit bezeichneten Schwule die "andere Seite". Ihre erste LP "Pod" war ein Erfolg, Kurt Cobain von Nirvana - so heißt es - war Fan und wollte sogar den Breeders-Klang imitieren. Deshalb übernahm er ihre Aufnahmetechnik, stellte sich wie die Breeders einen Haufen Mikrofone in den Proberaum und nahm so seine Songs auf.
Kim Deal - eine Musikerin ohne Band
Leider verließ Donelly die Breeders für ein Soloprojekt. Und es sollte nicht das letzte Mal so laufen, dass Kim Deal plötzlich ohne eine vollständige Band da stand. Sie engagierte Kelley, ihre Zwillingsschwester, als Ersatz für Donelly. Die Band spielte mit "Cannonball" (auf der LP "Last Splash") einen richtigen Hit ein. MTV, die Radiosender - alle waren begeistert. Ich auch. Es folgte eine Tour mit Nirvana. Krasse Texte über Abtreibungen, Selbstauflösungsgefühle und bizarre Sexpraktiken, kombiniert mit Kim & Kelley Deals smarten Stimmen und low fi-Gitarrensongs - das passte in die Zeit. Aber dann kamen wieder zahlreiche Probleme: Die Bassistin Josephine Wiggs erlitt einen Nervenzusammenbruch, gründete eine eigene Band, Kelley Deal verfiel der Drogensucht: die Breeders waren am Ende. Das war 1994.
Kim gründete die Band "The Amps", mit mäßigem Erfolg. Zwischendurch nannten sie sich "Breeders", um verflossene Zeiten zu reanimieren. Vergebens. 1998 versuchte Kim Deal in Personalunion als Sängerin, Gitarristin, Schlagzeugerin und Bassistin alleine neue Breeders-Songs einzuspielen. Das konnte nicht gut gehen.
Mythenbildung?
Das, was jetzt kommt, fällt in den Bereich der spontanen Legendenbildung - beschrieben im Musikmagazin intro. Kim Deal traf in einer Bar auf Mitglieder der Hardcore Band Fear. Man spielte spontan eine Jam-Session. Kim rief völlig begeistert Kelley an: "Das sind genau die Musiker, die ich seit Jahren suche! Die sind wirklich offen für Unkonventionelles. Ich zieh im Juni jetzt nach East L.A., komm doch im Juli nach." Und so geschah es. Das Ergebnis - über 9 Jahre nach der letzten Breeders-Veröffentlichung - nennt sich "Title K" und soll sich anhören - wie die Breeders.
This is Kelley talking!
Was war - oder ist - das Besondere an den Breeders? Hemdsärmelige Frauen, die "analog" rocken? Interessiert das heute jemanden? Ich dreh' mein völlig abgenudeltes altes Breeders-Tape (Cassette!) noch mal um. Hm. Im Interview gibt Kelley eine interessante Antwort: "Manchmal denke ich, wenn ein 14-jähriges Mädchen ein Britney-Spears-Video sieht und dann eins von uns, ist es dann nicht schön zu wissen, dass sie eine Wahl hat?"
Weitere Informationen
Autorin: ~astrid~ - Stand: 10. Juni 2002