Muzak-Musik

Kaufrausch unterm Klangteppich - mit Musik geht alles besser!

Es ist Samstag, ich muss noch einkaufen. Ich nehme meinen Rucksack, gehe in den Supermarkt. Ich laufe durch die Gänge, überlege, was ich gerne essen möchte und was ich noch so brauche. Dann schiebe ich meinen Einkaufswagen an die Kasse, zahle, packe meine Waren ein und verlasse den Laden - doch was ist das? Eben war es noch nicht da! Musik in meinem Ohr!? Sie schlängelt sich durch mein Hirn, lieblich schwummert es auf und ab - schwubidubidu. Ich habe einen Ohrwurm! Doch woher kommt er? Ich versuche mich zu erinnern, und es wird mir bewusst, zwischen den Dosentomaten und der Milch habe ich es gehört: eine Instrumental- fassung von "Summertime". Und jetzt ist "Summertime" in meinem Ohr, aber nicht von Ella Fitzgerald gesungen, sondern eine wohlgefällige Humpta-Version á la James Last. Jesses, Muzak!


 

Muzak?!

 

Ein Brigadegeneral namens George Owen Squier quittierte 1922 seinen Dienst bei der Amerikanischen Armee, um die Idee zu verfolgen, möglichst überall Menschen mit Musik zu berieseln. Diese ständige Berieselung mit Musik, einer speziellen Musik, sollte die Produktivität wie auch das Kaufverhalten der HörerInnen stimulieren und ein Wohlbefinden erzeugen.

Schließlich gründete Squier zusammen mit dem Unternehmen "North American Company" das "Wired Radio". Für monatliche $1,50 konnten Firmen seinerzeit über Drahtleitungen Programme mit funktioneller Musik abonnieren, mit deren Hilfe die Arbeits- und Kaufkraft gefördert werden sollte.

"Die richtige Atmosphäre in Ihrem Unternehmen ist wie eine Einladung an Ihre Kunden und Gäste, sich bei Ihnen wohlzufühlen. Dazu tragen nicht nur die optische Präsentation, die richtige Beleuchtung und die Farbgebung allein bei - auch die Akustik ist für das Ambiente von größter Bedeutung. Die geeignete Musik richtig eingesetzt, in angenehmer Lautstärke auf die Tageszeit abgestimmt, wird zum Umsatz und somit zum Erfolg Ihres Unternehmens beitragen.(...) Bilden Sie die bestmögliche Atmosphäre, damit Ihre Kunden oder Gäste sich wohlfühlen, Impulse erhalten, Umsätze generieren und wiederkommen. So einfach kann es sein!" (MUZAK® Funktionelle Musik GmbH im Jahre 2002)

1934 wurde dann aus dem "Wired Radio" "Muzak Radio". Ein Kunstwort aus den Worten Music und Kodak (was aber jetzt Kodak mit Herrn Squiere zu tun hatte - diese Antwort ist mir bisher verwehrt geblieben....). Und Muzak wurde das Synonym für funktionelle Musik.

Funktionelle Musik als solche soll stimulierend wirken. Aber nicht in dem Sinne, dass wir ihr als Musik Aufmerksamkeit und Interessse schenken, zu tanzen beginnen und vielleicht sogar den Text mitsingen. Nein, sie spielt sich dezent im Hintergrund ab, soll unsere Stimmung und Konzentration verbessern und je nach Einsatzort die Kauf- oder Arbeitskraft der Menschen fördern. Als Klangteppich soll sie stimulieren.

Das Prinzip und der Charakter dieser Musik ist mit "dezent" zu beschreiben. Wie schon erwähnt, darf sie nicht aufdringlich wirken und folgt bestimmten Regeln:

•

Grundsätzlich werden vertraute Musiktitel neu abgemischt/arrangiert - seien es Evergreens oder Hitparaden. Damit wird indirekt ein Wiedererkennungswert erzeugt, der eine vertraute Atmosphäre suggeriert.

•

Es wird auf jeden Gesang verzichtet, da dieser zu viel Aufmerksamkeit erhascht und ablenken könnte. (Wobei heutzutage öfters auch Gesangsstücke zu hören sind).

•

Diese Instrumentalversionen sind denkbar einfach gehalten, so dass die HörerInnen sie auch unbewusst gut nachvollziehen können und sie dadurch nicht ablenken.

•

Das Tempo dieser Stücke liegt bei etwa ca. 70 Schlägen in der Minute, entsprechend der menschlichen Pulssequenz. Je nach Einsatz der Musik kann sich dieses Tempo beschleunigen oder verlangsamen. Oder es wird bewusst eine Beschleunigung und/oder Verlangsamung eingesetzt, um entsprechend zu stimulieren.

•

Die Stücke werden heute in der Regel synthetisch und mit viel Hall arrangiert, damit werden sie anonymer und halten sich im Hintergrund.

Muzak Musik ist also keine Musik, die für sich selber steht, etwas ausdrücken will und soll, sondern sie ist funktional: sie soll stimulieren. Wie sehr sie das Kaufverhalten von Menschen beeinflussen kann, darüber streiten sich heute noch die Gemüter. Es gibt diverse Studien, die das Kaufverhalten unter musikalischer Berieselung untersuch(t)en. Zu einem eindeutigen Ergebnis kann man im Vergleich wohl nicht kommen - die Kauf-Stimulanz unter Einfluss von Musik ist nicht 100% bewiesen oder widerlegt.

Sicher ist nur, dass Muzak in unser öffentliches Leben Einzug gehalten hat und das nun auch schon sehr lange. Und mit der Weiterentwicklung dieses Musikzweigs hin zum Easy Listening, hören wir diese Art der Musik auch gerne zu Hause, damit die Arbeit besser von der Hand geht. Doch sicherlich weiss kaum eine(r), das dies von je her der Sinn und Zweck dieser Musik war und ist. Und dass dies alles mit einem Brigadegeneral begann, der 1922 seinen Dienst quittierte, um mir im Jahre 2002 einen Ohrwurm in den Kopf zu setzen...

 

Verführerische Links zum Weiterlesen (ohne Musik):

 
>

Muzak Funktionelle Musik GmbH
Musik & Marketing via Satellit

Autorin: Peggy Förster - Stand: 16. August 2002
 
Login


Mit dem Login akzeptiere ich die


 
Informier dich!
Newsletter LizzyNet

Immer auf dem Laufenden sein

 
Mädchen schreiben
Schreib mit!

Hier schreiben die Mitglieder...

 
Vernetz dich!
Logos von Twitter und Facebook

LizzyNet ist auch auf

 
Stichworte