Lieb sein...
Wie werden Menschen behandelt, die "lieb" sind?

Um so eine Frage zu beantworten ist es erstmal wichtig, sich über die Definition des "lieb seins" Gedanken zu machen. Eltern bezeichnen besonders brave und höfliche Kinder als lieb, aber ist dieses lieb wirklich ein erstrebenswertes Verhalten? Diese Art des "lieb seins" hat nämlich wenig mit der Art von "lieb" zu tun, die wir meinen, wenn wir jemandem dankbar sind, der aus eigenen Stücken für uns etwas besonders Liebes gemacht hat. Ein Kind ist meistens nur lieb, um etwas Bestimmtes zu erreichen, liebe Menschen jedoch handeln aus eigener Überzeugung, und das ist der Unterschied. Sie bedenken nicht die Folgen, die sich aus ihrem Handeln ergeben, liebe Menschen machen für den anderen alles, aber darin liegt auch die Gefahr! Liebe Menschen merken dann oft nicht, dass sie ausgenutzt werden. Es ist zwar wichtig, anderen mit Respekt und Liebe zu begegnen und sich gut zu benehmen, aber das Problem ist, dass diese Menschen nicht "Nein" sagen können, sie wollen es jedem Recht machen und sie werden von der Gemeinschaft oft viel schlechter behandelt als sie es verdient hätten.
Lieb sein sollte keine Pflichterfüllung sein
Leider werden Erwachsene, aber vorallem Kinder die "lieb" sind, oft von den Mitmenschen gehänselt und gemobbt, da Menschen ein Gespür dafür haben, wer sich als Opfer eignet; und "liebe" Menschen haben auch nicht die Fähigkeit sich zu wehren; sie glauben, wenn sie nur nett zu jedem sind, wird sie jeder akzeptieren. Aber ist das so? -Nein und das merken wir jeden Tag immer wieder. Deshalb ist es so wichtig, dass Eltern ihren Kindern auch beibringen sich zu wehren und selber zu entscheiden, wann es angebracht ist "lieb" zu sein und wann nicht, denn das ist ein ganz wichtiger Punkt, um ein selbstständiger, erwachsener Mensch zu werden! Man tut den Kindern keinen Gefallen damit, wenn man ihnen nur beibringt, wie man gehorcht und die Gunst der Menschen erlangt. Die individuelle Entfaltung ist sehr viel wichtiger als perfektes Benehmen. Ein Mensch sollte "lieb" sein aus Überzeugung und nicht aus Pflichtgefühl oder Zwang. Denn Menschen die früher als Kind nur zum "lieb sein" erzogen worden sind, haben es auch als Erwachsene sehr schwer, weil sie ihre Interessen nicht durchsetzen können. Das ist aber die Grundvoraussetzung, um ein eigenes Leben führen zu können. Liebe Menschen sind oft unterdrückte Menschen, unglücklich, obwohl sie es nicht zeigen.
Eine Portion Egoismus
Es ist zwar wichtig, dass man gut mit anderen umgeht, aber man sollte auch mal an sich selber denken. Unsere Gemeinschaft ist eine Wettbewerbsgemeinschaft, ständig muss man sich gegen andere behaupten und sich im besten Licht darstellen, da aber "liebe" Menschen das oft nicht können, weil sie anderen den Vortritt lassen, gehen sie oft leer aus. Man sollte sicher niemals skrupellos sein, aber man muss entscheiden können, wann es Zeit ist, nur für sich selber zu kämpfen und wann man Rücksicht nehmen sollte. Wenn man etwas erreichen will in diesem Leben sollte und muss man auch seine Fähigkeiten zeigen. Es ist z.B. wenig angebracht auf eine Gehaltserhöhung zu verzichten, nur weil man den Chef nicht verärgern will oder wenn ein Kind sich von seinen Mitschülern fertig machen lässt, weil es viel zu "lieb" dafür ist sich zu wehren. Alles in allem kann man sagen, wie bei vielem kommt es auch beim "Lieb sein" auf das richtige Maß an.
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Autorin: writer-girl - Stand: 17. April 2007