Individualismus – Eine Gemeinschaft heißt nicht weniger frei sein
Man selbst sein und trotzdem teilen

In der heutigen Zeit ist jeder nur noch sich selbst am nächsten. In dieser Gesellschaft muss man zu sich stehen und sich durchsetzen können, ansonsten ist man verloren. Wer sich von anderen unterbuttern lässt, wird es schwer im Leben haben. Ich selber war noch vor zwei Jahren nicht so, wie ich heute bin. Ich war schüchtern und habe mich nicht getraut etwas zu sagen, schon gar nicht gegen jemanden, der mich nicht leiden konnte. Mittlerweile hat sich das von Grund auf geändert. Ich sage offen und ehrlich, wenn mir etwas nicht passt. Doch viele Menschen können es nicht vertragen zu hören, dass andere nicht ihrer Meinung sind und gehen gleich dagegen an. Nicht in einer vernünftigen Diskussion, sondern in beleidigendem Ton. Ich nehme gerne andere Meinungen an, schon allein weil sie mich interessieren. Dennoch entscheide ich immer alles so wie ich es für richtig halte und lasse mir nicht gern etwas sagen, wie: "Das musst du so machen!" und "Das kannst du doch nicht machen!"
Gruppenzwang kann ich absolut nicht ausstehen. Es gibt tausend unterschiedliche Menschen, die das Recht auf ihre eigenen Meinungen und Ansichten haben. Nur weil sie weniger Geld haben und sich keine Markensachen, teuren Schmuck, Handys etc. leisten können, heißt es nicht, dass sie dumm und Versager sind. Im Gegenteil. Meistens sind es die Menschen, die mehr auf dem Kasten haben, als die die aufgetakelt und –gestylt durch die Gegend laufen. Ich kaufe mir weder Markensachen, noch muss ich mich schminken oder meine Haare aufstylen, dass ich mich im Spiegel selber nicht erkenne. Weniger ist eben wirklich meistens mehr.
Wenn mich jemand fragen würde, ob ich etwas lieber allein besitzen würde oder mit anderen zusammen, würde ich vielleicht laut sagen: "Wir teilen es uns!" Doch für mich würde ich vielleicht denken, dass ich es gern selber hätte. Das käme ganz darauf an, was das wäre. Dennoch teile ich gerne. Aber ich denke, es würden viele so antworten und denken wie ich. Eben weil, wie ich oben schon erwähnt habe, sich jeder heutzutage selbst am nächsten ist. Wer denkt schon noch daran, sich neben eine alte Frau auf die Parkbank zu setzen, wenn sie allein ist? Nur um ihr das Gefühl zu geben, nicht allein auf der Welt zu sein, sei es auch nur für ein paar Minuten. Aber alte Leute werden heute eher beschimpft, als das man sich mit ihnen unterhält. Es geht vielen einfach nur noch darum, alles für sich selbst zu haben und mit niemanden zu teilen. Ich selbst würde unglücklich werden, wenn ich meine Familie und Freunde nicht mehr hätte und meine Freude, Trauer und Glück mit ihnen teilen könnte. Für mich ist das selbstverständlich. Für viele andere Menschen aber nicht mehr.
Autorin: claire20 - Stand: 19. September 2007