Die Schattenseite der bedingungslosen Treue

Wenn man an Treue denkt, denkt man im selben Atemzug an Vertrauen, an Geborgenheit und bekommt ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch. Treue ist toll, das finde ich auch, aber nur solange sie nicht ausgenutzt wird.

Es gibt Menschen, die ein weniger großes Selbstbewusstsein haben als andere. Zu deren Pech sind machen dieser Personen auch nicht gerade beliebt und kommen dann vielleicht noch aus zerrüttelten Familienverhältnissen. Sie haben kaum Freunde und auch nur sehr wenig Halt.
Das sind die "Zielpersonen" mancher dubiosen Gangs. Die Mitglieder wissen genau, was sich diese Leute am meisten wünschen: Geborgenheit, und genau diese wird ihnen in der Gruppe versprochen. Spaß, Zusammenhalt, Aktion, all das bietet eine neue (Jugend-)Gang scheinbar und der oder die Unbeliebte soll tatsächlich dazu gehören. Er oder sie wurden ausgewählt von der Gruppe - eine große Ehre - so die Denkweise. Glücklich, endlich scheinbaren Halt gefunden zu haben, nehmen die "Opfer" den Köder an. Anfangs fühlen sie sich sehr wohl in der Gruppe, haben eine neue "Familie" gefunden. Allen anderen Mitgliedern wird vertraut und man ist der Gruppe treu. Zusammen hängt man ab, man telefoniert mit anderen Mitgliedern, man trifft sich nach der Schule, man macht gemeinsame Erfahrungen.

Starkes Gruppengefühl oder leicht zu manipulieren?
Gleichzeitig wird das neue Mitglied so aber auch manipulationsanfälliger. Schon bald muss es Aufgaben bewältigen um seine Treue zu Beweisen. Zumeist sind das kleinere Diebstähle oder andere kleinkriminelle Dinge. Um weiterhin in der Gruppe zu bleiben führt der oder die Neue diese Aufgabe aus. Nun gehör ich also richtig dazu, das denken nach so einem Beweis die meisten und hoffen auf noch stärkeren Zusammenhalt. Dieser bleibt allerdings aus. Immer mehr Aufgaben werden gestellt, immer schlimmer werden die Dinge, die gemacht werden sollen. Das geht solange, bis die Person sogar etwas tun muss, was sie normalerweise nie getan hätte. Trotzdem ist sie durch den engen Bezug zur Gruppe mit den anderen verbunden. Keines Falls würde die Gruppe verraten werden. Meistens schaffen diese gedemütigten Personen es nicht, aus eigener Kraft den anderen den Rücken zuzukehren und so durchleben sie eine Hölle auf Erden.

Ich möchte damit jetzt nicht sagen, dass das in jedem Freundeskreis vorkommt und so häufig sind solche Gangs in Deutschland auch nicht anzutreffen, trotzdem werden sie immer mehr zu einem wachsenden Problem. Denn nicht nur unter Jugendlichen gibt es so etwas. Auch bei Erwachsenen kann es zu solchen unterdrückenden Gangs kommen.


Autorin: missmarie - Stand: 20. Oktober 2007
 
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